Schweiz

«Sagen Sie auf keinen Fall ‹Grützi›»

Immer schön «bitte» sagen: Deutsche Zuzüger lernten am Dienstagabend in Zürich, wie sie sich in ihrer neuen Heimat verhalten sollen.

Manchmal klappts problemlos: Flaggen beim Staatsbesuch in Bern.

Manchmal klappts problemlos: Flaggen beim Staatsbesuch in Bern.

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«Sagen Sie auf keinen Fall «Grützi», warnte Peter Niklaus Steiner die rund hundert deutschen Neuzuzüger, die am Dienstagabend ins Zunfthaus zur Waag gekommen waren, um mehr über ihre neue Heimat zu erfahren. «Wir Schweizer haben nämlich einen Sprachkomplex und sind deshalb sehr sensibel, was unseren Dialekt betrifft», erläuterte Steiner. Der Zürcher Schauspieler, der mehrere Jahre an deutschen Theatern gespielt hat, ist bestens mit den Unterschieden zwischen den beiden Kulturen vertraut. Mit amüsanten Anekdoten über deutsche und schweizerische Eigenschaften lockerte Steiner den Informationsabend auf, der den Neuzuzügern neben den kulturellen auch die administrativen Eigenheiten der Eidgenossenschaft vermittelte: Vier Experten erläuterten das Schweizer Steuer- und Schulsystem und gaben einen Einblick ins hiesige Arbeitsrecht und ins Migrationswesen.

Zum zweiten Mal hat die Fachstelle für Integration gemeinsam mit dem Deutschen Club Zürich einen Willkommensanlass für deutsche Zuzüger organisiert. Der deutsche Botschafter Axel Berg reiste aus Bern an, um seine Landsleute persönlich in der Schweiz willkommen zu heissen. Das Personal der Botschaft sei mit den vielen Anfragen in letzter Zeit manchmal fast überfordert, sagte Berg. Um die vielen Anrufe besser bewältigen zu können, sei man momentan gerade damit beschäftigt, die Telefonanlage der Botschaft zu optimieren. Die Drähte in der deutschen Botschaft laufen heiss: Über 30'000 Anträge sind auf der Passstelle im letzten Jahr eingegangen.

Befehlston ist das Problem

Mittlerweile leben rund 240'000 Deutsche in der Schweiz. 71'000 davon wohnen im Kanton Zürich, und monatlich kommen 1000 weitere hinzu. Bekanntlich werden die vielen Neuzuzüger aus der Bundesrepublik bei uns nicht nur mit offenen Armen empfangen. Wie Peter Niklaus Steiner dem Publikum erklärte, sei es vor allem der harsche preussische Befehlston, der die Deutschen bei den Schweizern unbeliebt mache: «Wir sind ein überhöfliches Volk, das schnell beleidigt ist. Während Sie im Restaurant einfach den Befehl – Zahlen! – geben, sagen wir «Chönnt ich bitte zahle?.»

Gemeinsame Gehemmtheit

Der Abend offenbarte jedoch auch Parallelen zwischen den beiden Kulturen. Wie die Schweizer scheinen auch die Deutschen kein ausserordentlich spontanes Volk zu sein: Als Steiner Freiwillige für einen zürichdeutschen Dialog zwischen einem Bäcker und einem Kunden suchte, herrschte betretenes Schweigen. Während die Frage «Dörfs susch no öppis si?» den deutschen Wahlzürchern unüberwindbare Schwierigkeiten bereitete, klang das «Grüezi» beim dritten Anlauf schon täuschend echt.

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Erstellt: 21.10.2009, 10:05 Uhr

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