Schuhwerfer von Bagdad will Asyl in Genf

Der irakische Journalist, der den US-Präsidenten George W. Bush mit Schuhen beworfen hatte, sucht Hilfe bei Aussenministerin Micheline Calmy-Rey. Im Irak könnte sein Leben «zur Hölle» werden.

1/4 Der irakische Journalist Muntazer al-Zaidi warf an einer Pressekonferenz in Bagdad seine Schuhe nach Präsident Bush.
Bild: KEYSTONE/AP

Fürchtet um seine Sicherheit: Schuhwerfer Muntadar al-Zaidi.

Fürchtet um seine Sicherheit: Schuhwerfer Muntadar al-Zaidi.

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Schuhwurf von Bagdad

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Quelle: Reuters.

Muntadar al-Zaidi befindet sich zurzeit in einem Gefängnis im Irak und wartet auf seinen Prozess, der auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Seit seinem spektakulären Schuhwurf auf den US-Präsidenten Georg W. Bush von Mitte Dezember fürchtet der 29-Jährige um seine Sicherheit, wie die Westschweizer Zeitung «Tribune de Genève» schreibt. Sie beruft sich dabei auf al-Zaidis Anwalt Mauro Poggia. Poggia wurde von Zaidis Familie gebeten, einen Brief an Aussenministerin Micheline Calmy-Rey zu schreiben und in der Schweiz um Asyl zu bitten.

«Sein Leben könnte in seinem eigenen Land zur Hölle werden, seinen alten Job als Journalist kann er dort nie wieder ausüben», sagt Mauro Poggia gegenüber der «Tribune de Genève». «Al-Zaidi könnte gute Arbeit als Journalist bei der Uno leisten», so der Anwalt.

Gemäss al-Zaidis älterem Bruder wurde der Iraker seit seiner politischen Aktion von Sicherheitsleuten schwer misshandelt. Ihm wurde ein Arm und einige Rippen gebrochen und er litt an inneren Blutungen, sagte der Bruder Dargham letzten Monat gegenüber der britischen BBC.

Ehre für die Schweiz

Die Schweiz habe einen internationalen Ruf als Flüchtlingsaufnahmeland, zeigte sich Poggia überzeugt. Der Anwalt sagte, für die Schweiz müsste es eine Ehre sein, diesem Mann die Hand zu reichen, der gezeigt habe, dass man seine Missbilligung auch ohne Sprengstoff zeigen könne.

Al-Zaidi drohen 15 Jahre Haft

Dem Schuhwerfer hätte ursprünglich Ende Dezember der Prozess wegen Aggression gegen einen ausländischen Staatschef gemacht werden sollen. Ihm droht eine 15-jährige Gefängnisstrafe. Die Gerichtsverhandlung wurde aufgeschoben, um einen Rekurs der Verteidigung zu prüfen, der den Schuhwurf als Beleidigung statt Aggression beurteilte.

In einem solchen Fall droht al-Zaidi eine Höchststrafe von drei Jahren Freiheitsentzug, mit der Möglichkeit einer Freilassung gegen Kaution. Einen Termin, um diesen Antrag durch ein Appellationsgericht prüfen zu lassen, gibt es noch nicht.

«Dies ist dein Abschiedskuss, du Hund»

Der Schuhwurf ereignete sich nach einem Treffen Bushs mit dem irakischen Regierungschef Nuri al-Maliki. Während einer Pressekonferenz warf Muntadar al-Zaidi seine beiden Schuhe auf den Staatschef. «Dies ist dein Abschiedskuss, du Hund», rief er dabei.

In der arabischen Kultur ist es eine schwere Beleidigung, jemanden die Schuhsohlen zu zeigen – ganz zu schweigen davon, eine Person damit zu bewerfen.

Bush duckte sich und wurde nicht getroffen. Dass es sich um Schuhe der Grösse 44 gehandelt habe, sei alles, was er zu dem Zwischenfall sagen könne, witzelte Bush. Sicherheitskräfte führten den Mann anschliessend ab. (bru)

Erstellt: 19.01.2009, 13:38 Uhr




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