Schulabbruch ist verboten, wird aber von Tausenden begangen
Aktualisiert am 09.02.2010 21 Kommentare
Mehrere hundert Millionen Franken
Ein Schulabbruch kommt nicht nur den Schüler, sondern auch den Staat teuer zu stehen. Laut Forschern der Universität Freiburg und der Fachhochschule Nordwestschweiz belaufen sich die Kosten für die etwa 5000 Schulabbrüche von Achtklässlern pro Jahr auf mehrere 100 Mio. Franken.
Die Untersuchung über die durch die Schulabbrüche entstehenden Kosten ist laut der Erziehungswissenschaftlerin Margrit Stamm von der Universität Freiburg noch nicht ganz abgeschlossen. Gehe man aber davon aus, dass die vom Staat getragenen Ausbildungskosten für Schulabbrecher in den Sand gesetzt seien, entstünden gewaltige Ausgaben.
Laut Stamm wenden Bund, Kantone und Gemeinden pro Schüler und Schuljahr nämlich mindestens 11'000 Franken auf. Für rund 5000 Jugendliche, die davon acht Jahre lang profitieren und dann die Schule abbrechen, belaufen sich die Kosten also auf über 400 Millionen Franken.
Das ist aber noch lange nicht alles: Enorme Kosten entstehen auch dem Sozialwesen, denn Schulabbrecher werden viel öfter arbeitslos als Jugendliche mit Schulabschluss. Zusätzliche Ausgaben verursachen Privatschulen, Kurse oder Eingliederungsprogramme mit denen die Abbrecher wieder Fuss zu fassen versuchen.
Bei den Schulabrechern handelt es sich nicht nur um schlechte, rebellische Schüler, wie eine Untersuchung von Forschern der Universität Freiburg zeigt. Auch die Schulen tragen eine Mitverantwortung.
Für die Studie befragte das Forschungsteam um Margrit Stamm vom Departement für Erziehungswissenschaften an der Uni Freiburg rund 4500 Schülerinnen und Schüler der 8. Klasse in elf Kantonen. Im darauf folgenden Jahr waren die Schulen angehalten, den Wissenschaftlern alle Schulabgänge zu melden.
Insgesamt brachen gemäss den Angaben der Schulen etwa zwei Prozent der Schülerinnen und Schüler die Schule ab, wie Stamm auf Anfrage sagte. Sie ist jedoch überzeugt, dass der Anteil etwa drei Mal höher liegt, was auf die ganze Schweiz hochgerechnet bedeuten würde, dass Jahr für Jahr allein etwa 5000 Achtklässler den Bettel hinwerfen.
Vier Abbrecher-Typen
Es gebe deutliche Hinweise darauf, dass einige Schulen Abgänge verschwiegen hätten, sagte Stamm. Sie erklärt dies mit der Tabuisierung des Themas: «Weil die Schule für alle obligatorisch ist, dürfen Schülerinnen und Schüler sie eigentlich gar nicht vorzeitig verlassen», sagte sie.
61 Schulabbrecher untersuchen und befragen die Forscher nun genauer. Erste Resultate korrigieren ein verbreitetes Vorurteil: Es sind nämlich keineswegs nur schlechte, rebellische, den Unterricht störende Jugendliche, welche die Schule vorzeitig beenden, wie Stamm im Fachmagazin «Die Deutsche Schule» berichtet.
Stamm identifizierte vier Abbrecher-Typen: Aussenseiter (13 Prozent), Schulversager (28 Prozent), Schulmüde (25 Prozent) und Rebellen (34 Prozent). Gerade die Aussenseiter und Schulmüden hatten zum Teil passable, genügende Schulnoten. Schulversager und Rebellen dagegen waren schwach in der Schule, aber die Schulversager störten mit ihrem Verhalten den Unterricht kaum.
Mitverantwortung der Schulen
Es habe sie überrascht, wie heterogen die Gruppe der Schulabbrecher sei, sagte Stamm. Das müsse bei der Prävention beachtet werden. Die Abbrecher dürften nicht alle in einen Topf geworfen werden. Statt dessen brauche es verschiedene Strategien, um möglichst viele der drohenden Schulabbrüche zu vermeiden.
Einen entsprechenden Massnahmenkatalog will Stamm nun ausarbeiten. Entscheidend sei, früh anzusetzen, erklärte sie. Viele Abbrecher bekundeten bereits im Kindergarten Probleme. Mittels gezielter Frühförderung liesse sich die Freude am Lernen und die Bindung an die Schule verbessern.
Zudem gelte es, Abstand zu nehmen vom Irrglauben, der Schüler sei allein für den Schulabbruch verantwortlich. Das häufigste Problem der Abbrecher sei nämlich nicht ihre schlechte Leistung, sondern die Beziehung zum Lehrer und zu den Mitschülern, sagte Stamm. Manche fühlten sich regelrecht aus der Schule geekelt.
Düstere Zukunftsaussichten
Es brauche deshalb auch Ideen, wie die Schulen ihre Lehrerinnen und Lehrer beim Umgang mit den bestimmt nicht pflegeleichten Schülern unterstützen könnten. Dazu benötige man allerdings mehr Geld - und vielleicht sogar ein Schulsystem, das den Schülern einen grösseren Anreiz gebe, die gesteckten Lernziele zu erreichen.
Schulabbrecher - zu 60 bis 70 Prozent handelt es sich um Knaben - haben laut Stamm überdurchschnittlich oft eine schlechte Zukunft vor sich: Sie werden arbeitslos, begehen Straftaten, haben gesundheitliche Probleme und landen in der Sozialhilfe. Besonders düster sind die Aussichten von ausländischen Jugendlichen, welche die Schule abbrechen. (sam/sda)
Erstellt: 09.02.2010, 10:20 Uhr
21 KOMMENTARE
CH-Schulsystem und -Wirtschaft sei dank!!! Und noch dazu: die CH-Wirtschaft hat zu wenig ausgebildete Personal zur Verfügung und stellt lieber Ausländer (D, z.B.): selber schuld, wenn mann Anforderungen stellt die niemand braucht....Allgemein selber schuld für selbst gebaute Probleme, oder haben uns die Nachbarländer diese Probleme kreiert?! Fazit: CH-Schulsystem ändern bzw. verbessern. Grüsse.
@Barbara Stucki: Wenn schon, dann ist unsere ganze Gesellschaft dermassen auf die Wirtschaft abgestimmt, die sie zu "Konsumidioten" abtrimmt, weder die Lehrer noch die Politiker alleine! Oder besitzen Ihre Kinder/die ihre Nachban... etwa keine Handys? PC`s? MP3? Gefüllten Kleiderschrank?...
Merkwürdig. Dieses Schulabrechen war doch schon im meiner Schulzeit gang und gäbe und das ist nun schon fast 30 Jahre her. Man hat damals schon das gleiche festgestellt, das solche Personen teilweise in den Sozialnetzen hängen bleiben wegen fehlender Berufs und Schulerfahrung. Und jetzt ist diese Problem immer noch nicht richtig gelöst? Muss ich also erst pensioniert sein dass es mal klappt???
Wir stellen laufend fest, dass der Schulabbruch sehr oft und meistens Knaben noch stärker an den Rand unserer Gesellschaft drängt. Jugendkriminalität, Jugendanwaltschaft und später Massnahmenzentren für junge Erwachsene sind die Folgen. Sündenbockmechanismen bringen hier nichts. Alternativen sind gefragt. Alternativen können aber nur greifen, wenn das gesamte Umfeld miteinbezogen wird. (Reform 91)
Die Verantwortung der Eltern muss gefordert werden, wenn sie nicht vorhanden ist. In der heutigen Zeit ist es leider so, dass viele Eltern für Ihre Kinder gar keine Verantwortung tragen und ihren Kindern auch keine Verantwortung beibringen. Die Schule ist obligatorisch, sodann sind die Eltern verpflichtet, Ihr/e Kind/er in die Schule zu schicken. Gesetze sind da um eingehalten zu werden.
Wieder einmal sind die Lehrer, die Schüler,die Mitschüler und natürlich alle Anderen schuld,nur ums himmelswillen nicht die Eltern als Erzieher.Am Besten gebären die Frauen möglichst viele Kinder,um diese sogleich auf Steuerkosten der Allgemeinheit zu überlassen.Weit haben wir es gebracht,unter gütigster Hilfe der Linken und Netten.Wer eigene Kinder selbst erzieht,soll auch noch hinten anstehen.
@Leo Nauber: Ich bin pesionierter Lehrer, hatte selber Kinder und nun Enkelkinder, sah diese Entwicklung kommen und muss jedes Wort von Herrn Nauber doppelt unterstreichen und bestätigen! So ist es das kann von all den rot/grünen Weltverbesserern und Phantasten wegdiskutiert werden. Und was noch viel schlimmer ist, die Kinder von Ausländern sind oft zielstrebiger als degenerierte Schweizer!
Meines Erachtens liegen die grössten Schuldprozente wegen Schulabbruch bei den Eltern und Lehrern, da diese anscheinend die Schüler nicht mehr motivieren können. Anders sieht es natürlich bei den Ausländern aus, die sollten erst in die Klassen, wenn sie so rasch wie möglich richtig Deutsch sprechen können (INTEGRATION!) . Dann kommen sie auch mit dem Lehrstoff mit.
Alle sind sie schuld, die Lehrer, die Behörden, die Polizie, die SVP.... Nur die einen sind nie schuld, die Eltern. Die müssen schliesslich so viel Geld wie nur möglich hereinbringen für Zweit-Drittwagen, Zusatztöff, teure Ferien und Hobbies..., die Wirtschaft antreiben und sich selbst gnadenlos verwirklichen und da kann man sich doch nicht auch noch um die Kinder kümmern. Wohin würde das führen
@ Peter Waldner 12:44 Uhr Leider lässt einem der Kanton die dafür nötige Freiheit genauso wenig, wie er die notwendigen Mittel zur Verfügung stellt. Das führt dazu, dass ein grosser Teil der Bevölkerung nicht angemessen gebildet werden kann, was letztlich dazu führt, dass man auch in Zukunft noch Know how aus dem Ausland importieren muss.
Ein weiterer Aspekt sind die "falschen" Freunde, die einem nicht grad helfen, die eigenen positiven Stärken zu entwickeln.
Da sind die (oft kinderlosen!) Schulverantwortlichen. oder Politiker zT. selber Schuld. Schüler werden immer mehr zu Arbeits- und Konsumidioten getrimmt und sollen schön brav spuren, sonst haben sie keine Chance in unserer Gesellschaft. Der Druck steigt ständig, Selbstmordrate inakzeptabel und die Gegenwehr nimmt weiter zu.
Ich bin ein sog. Secondo und möchte folgendes dazu mitteilen: Wenn schon straffällige Secondos ausgeschafft werden müssen resp. sollten, dann sollten auch solch faule Schweizer auch ausgeschafft werden! Schon nur aus Respekt vor diejenigen, die die Schule nicht hinschmeissen, das Beste aus sich heraus holten und für eine Lehrstelle kein Papi brauchen! Usere CH-Welt wäre um einiges schöner!
Die Schule bietet letztlich nur den Weg über "auswendig-lernen" an. Sie kann wahrscheinlich auch nicht anders. Schüler, deren Fähigkeiten eher in der (nicht unbedingt nur handwerklichen) Praxis liegen, dem kreativen "learning by doing", das bei Erwachsenen längst anerkannt ist - für solche Schüler ist unser Schulsystem eine endlose Qual.
Wenn ein Lehrer 27 - 30 Schüler in der Klasse hat (ja, das gibt es im reichen Kt. ZH tatsächlich) dann bleibt nicht mehr allzu viel Zeit für den indiv. Beziehungsaufbau. Leider hat man dank Fachlehrersystem neben der eigenen, auch noch div. anderere, gleich grosse, Klassen zu unterrichten. Alles in allem also mehr als 100 Schüler, für die keine Zeit zur Verfügung steht. Und jetzt noch integrieren!
Bitte nicht wundern wenn diese Jugendlichen dann später im erwerbsfähigen Alter gegenüber gut ausgebildeten, motivierten Ausländern den Kürzeren ziehen. Ohne Bodenschätze bleibt nur brain power; wird darin investiert löst sich das Zuwanderungsproblem von alleine. Keine Bewilligung ohne Arbeitsvertrag, sollte diesen aber schon der clevere Schweizer in der Tasche haben gibt's auch keine Zuwanderung.
Immer, wenn Menschen sich in einer Gesellschaft nicht mehr zurecht finden, viele nicht mehr ein und aus wissen, dann kommt es eben zu solchen Exzessen. Die Familie nach altem Muster ist ja nicht mehr gefragt, also wie sollen sich da Kinder bzw.Jugendl. noch zurecht finden.. Die Erziehung findet heute in der Regel nicht mehr zu Hause, sondern ausser Hause statt. Die menschliche Wärme fehlt.
Wahrscheinlich ist es wichtig, dass die Kinder möglichst früh in die Schule kommen. Sie haben dann die besten Chancen, sich in eine Klasse und später in der Gesellschaft zu integrieren. Lehrer/innen müssen allerdings gute psychologische und pädagogische Kompetenzen haben, um die Schüler auf ihren Lebensweg zu begleiten und Fehlentwicklungen zu vermeiden.
Das kommt dabei raus, wenn man zwar alle möglichst fördert aber eben nie fordert. Um Erfolg zu haben, gehört es eben auch dazu, mit Misserfolg umgehen zu können. Und das lernt man eben nicht, wenn man nur immer gehätschelt wird.
Es sind meist Schüler, die undiszipliniert sind, die man frühzeitig zur Schule hinausgedrängt. Überforderte Lehr- personen vermögen die einzelnen Schicksale nicht aufzufangen. Ein Fall ist mir in Erinnerung, wo ein behinderter Schüler (ärztlich nie abgeklärt) die Normalschule durchlief mit entsprechend angeschlagenem Selbstvertrauen. Es braucht sie eben doch (noch), die HP-Sonderschulen.
Der Vollständigkeit halber möchte ich darau hinweisen, dass es auch eine Verantwortung der Eltern gibt. Auch in diesem Bereich sollte diese endlich einmal unmissverständlich eingefordert werden. Wessen Kind vom Kindergarten bis zur 8. Klasse "Probleme" hatte, der muss schon sehr nachlässig sein, um nicht während 8 Schuljahren etwas zur Lösung zu unternehmen. Anlaufstellen gibt es nämlich genug.
Schweiz
Meistgelesen in der Rubrik Schweiz
Neu: Alle Dossiers auf einen Blick
Bildungsbeilage
Publireportage
Sagen Sie es nicht! Tabusätze in der Beziehung
ElitePartner.ch verrät, welche Sätze Sie besser für sich behalten sollten.
Wetter:













