Schweiz
Schweinegrippe: Weitere kritische Fälle auf Intensivstation
Von Patrick Kühnis. Aktualisiert am 20.11.2009
Ein Spital, zwei Todesfälle: Gestern ist im Kantonsspital Winterthur (KSW) eine zweite Frau an den Folgen der Schweinegrippe gestorben. Es handelte sich laut Bundesamt für Gesundheit um eine 46-jährige Patientin aus dem Kanton Zürich, die HIV-positiv war und an schwerer Herzinsuffizienz litt. Sie zeigte am Montag letzter Woche erste Grippesymptome, kam am letzten Samstag ins Spital und lag schon seit Sonntag auf der Intensivstation.
Tags zuvor hatte schon für eine 54-jährige Diabetikerin die H1N1-Infektion tödlich geendet. Ihr Zustand war seit Samstag sehr ernst. Beide KSW-Patientinnen gehörten wegen ihrer Vorerkrankung zur Risikogruppe und hatten sich wegen des fehlenden Impfstoffs noch nicht impfen lassen können. Sie haben sich unabhängig voneinander ausserhalb des Spitals angesteckt und erlagen schliesslich beide einer schweren Lungenentzündung. Für die Ärzte des Spitals wie auch für Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger (FDP) ist es deshalb «purer Zufall», dass beide Frauen im KSW starben.
Weitere Todesfälle erwartet
Heiniger ist von den Todesfällen betroffen und fühlt mit den Angehörigen mit. «Es war aber absehbar, dass diese Pandemie bei geschwächten Menschen tödlich enden kann.» Er rechnet denn auch mit weiteren Todesfällen – wie bei einer herkömmlichen Grippe, die Jahr für Jahr im Kanton Zürich bis zu 100 Menschen das Leben kostet.
Heiniger sagt aber auch, dass er die Situation im KSW im Auge behalte. Aus gutem Grund: Laut TA-Informationen liegen auf der Intensivstation weitere Schweinegrippe-Patienten, deren Zustand teilweise als kritisch gilt. Die Station stosse bereits an ihre Kapazitätsgrenzen. KSW-Sprecher André Haas dazu: «No comment. Es werden keine Informationen zu Patienten abgegeben.» Der Betrieb des Zentrums für Intensivmedizin sei aber gewährleistet.
Grippewelle beim Personal
Inoffiziell heisst es allerdings aus dem Spital, dass gerade die Abteilungen mit H1N1-Fällen allmählich an ihre Grenzen stiessen. Auch personell – denn auch unter der Belegschaft grassiere die (Schweine-)Grippe. Haas bestätigt die Krankheitsausfälle. Bisher könnten sie aber ohne Betriebseinschränkung aufgefangen werden. Das KSW schliesst nicht aus, dass sich Mitarbeitende bei Patienten oder gegenseitig angesteckt haben. Bislang seien es keine erwiesenen Spitalinfektionen.
Tatsache ist, dass das KSW-Personal traditionell impfkritisch ist. Gegen die saisonale Grippe schützen sich jeweils nur 25 Prozent des Personals. Jetzt hat bisher auch nur ein Viertel vorgebeugt. Am Mittwoch sah sich das Spital deshalb veranlasst, an die «Professionalität des Personals» zu appellieren und mit Nachdruck eine Teilnahme an der Impfaktion zu empfehlen. Einen Impfzwang hat das KSW bisher aber nicht verfügt. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 20.11.2009, 11:28 Uhr
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