Schweiz muss deutschen Kohlestrom importieren

Deutschland hält bis 2050 an Kohle fest. In der Schweiz nimmt der Import von deutschem Strom zu – anders sei der Ausstieg aus dem Atomstrom nicht zu schaffen. Umweltschützer sind empört.

Wer auf Atomkraftwerke verzichten will, muss mit Kohlekraftwerken leben, deren Bedarf stetig steigt.

Wer auf Atomkraftwerke verzichten will, muss mit Kohlekraftwerken leben, deren Bedarf stetig steigt. Bild: Keystone

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Damit die Energiestrategie 2050 des Bundesrats mit dem Ausstieg aus der Kernenergie aufgeht, muss in Zukunft mehr Strom importiert werden. Besonders im Winter, wenn die Solarzellen wenig Strom liefern, aber der Verbrauch hoch ist.

Dies sagten gestern auch die Vertreter des Bundesamts für Energie an einer Medienorientierung. Und der Bedarf an ausländischem Strom nimmt zu: Die Botschaft des Bundes­rats von 2013 geht von mehr nötigen Importen aus als die Vernehmlassungsvorlage aus dem Jahr 2012. Dabei dürfte es sich vor allem um Strom aus Kernenergie aus Frankreich oder Kohlestrom aus Deutschland handeln, denn die gibt es auch im Winter und nachts. Wer Atomstrom ersetzen wolle, bekomme ungefragt dreckigen Kohlestrom dazu, sagen Kritiker der Energiestrategie 2050. Die Stromproduktion aus Braunkohle erzeugt grosse Mengen des Klimagases Kohlendioxid, von dem Deutschland wie auch die Schweiz eigentlich wegkommen wollen.

Gabriel: Kein Kohleausstieg

Dieses Argument bekommt nun Unterstützung von ungeahnter Seite. In einem Brief an den schwedischen Premier Stefan Löfven schreibt der deutsche Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Sigmar Gabriel (SPD), er glaube nicht daran, dass Deutschland gleichzeitig aus Atom- und Kohleenergie aus­steigen könne. Die Kohleförderung solle bis 2050 weiterlaufen. Löfven solle sich dafür einsetzen, dass der schwedische Energiekonzern Vattenfall weiter in den Braunkohleabbau und in die Kohlekraftwerke investiere. Der Konzern, der dem schwedischen Staat gehört, hatte zuvor offiziell angekündigt, sich aus der Kohle in Deutschland zurückzuziehen. Das hätte die Entlassung von 16'000 Personen zur Folge. Die Braunkohle wird vor allem in Ostdeutschland abgebaut. Die schwedische Online-Zeitschrift Altinget veröffentlichte den Brief und schrieb, das Büro des Premierministers habe die Echtheit bestätigt.

Zuletzt hatte Greenpeace Deutschland gegen den Kohlestrom demonstriert. Bei einer Ansprache von Gabriel stürmten Aktivisten das Podium und verlangten den Ausstieg aus der Kohle. Gabriel geisselte daraufhin die Aktion als «blauäugigen Ökopopulismus». Kohle brauche es, wenn Deutschland die Energiewende wirtschaftlich über­leben wolle. Greenpeace Schweiz lehnt auf Anfrage den Import von Kohlestrom ebenfalls ab. (Basler Zeitung)

(Erstellt: 19.11.2014, 07:32 Uhr)

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