Schweiz

Schweiz muss deutschen Kohlestrom importieren

Von Dominik Feusi, Bern. Aktualisiert am 19.11.2014 82 Kommentare

Deutschland hält bis 2050 an Kohle fest. In der Schweiz nimmt der Import von deutschem Strom zu – anders sei der Ausstieg aus dem Atomstrom nicht zu schaffen. Umweltschützer sind empört.

Wer auf Atomkraftwerke verzichten will, muss mit Kohlekraftwerken leben, deren Bedarf stetig steigt.

Wer auf Atomkraftwerke verzichten will, muss mit Kohlekraftwerken leben, deren Bedarf stetig steigt.
Bild: Keystone

Artikel zum Thema

Download

Teilen und kommentieren

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Damit die Energiestrategie 2050 des Bundesrats mit dem Ausstieg aus der Kernenergie aufgeht, muss in Zukunft mehr Strom importiert werden. Besonders im Winter, wenn die Solarzellen wenig Strom liefern, aber der Verbrauch hoch ist.

Dies sagten gestern auch die Vertreter des Bundesamts für Energie an einer Medienorientierung. Und der Bedarf an ausländischem Strom nimmt zu: Die Botschaft des Bundes­rats von 2013 geht von mehr nötigen Importen aus als die Vernehmlassungsvorlage aus dem Jahr 2012. Dabei dürfte es sich vor allem um Strom aus Kernenergie aus Frankreich oder Kohlestrom aus Deutschland handeln, denn die gibt es auch im Winter und nachts. Wer Atomstrom ersetzen wolle, bekomme ungefragt dreckigen Kohlestrom dazu, sagen Kritiker der Energiestrategie 2050. Die Stromproduktion aus Braunkohle erzeugt grosse Mengen des Klimagases Kohlendioxid, von dem Deutschland wie auch die Schweiz eigentlich wegkommen wollen.

Gabriel: Kein Kohleausstieg

Dieses Argument bekommt nun Unterstützung von ungeahnter Seite. In einem Brief an den schwedischen Premier Stefan Löfven schreibt der deutsche Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Sigmar Gabriel (SPD), er glaube nicht daran, dass Deutschland gleichzeitig aus Atom- und Kohleenergie aus­steigen könne. Die Kohleförderung solle bis 2050 weiterlaufen. Löfven solle sich dafür einsetzen, dass der schwedische Energiekonzern Vattenfall weiter in den Braunkohleabbau und in die Kohlekraftwerke investiere. Der Konzern, der dem schwedischen Staat gehört, hatte zuvor offiziell angekündigt, sich aus der Kohle in Deutschland zurückzuziehen. Das hätte die Entlassung von 16'000 Personen zur Folge. Die Braunkohle wird vor allem in Ostdeutschland abgebaut. Die schwedische Online-Zeitschrift Altinget veröffentlichte den Brief und schrieb, das Büro des Premierministers habe die Echtheit bestätigt.

Zuletzt hatte Greenpeace Deutschland gegen den Kohlestrom demonstriert. Bei einer Ansprache von Gabriel stürmten Aktivisten das Podium und verlangten den Ausstieg aus der Kohle. Gabriel geisselte daraufhin die Aktion als «blauäugigen Ökopopulismus». Kohle brauche es, wenn Deutschland die Energiewende wirtschaftlich über­leben wolle. Greenpeace Schweiz lehnt auf Anfrage den Import von Kohlestrom ebenfalls ab. (Basler Zeitung)

Erstellt: 19.11.2014, 07:32 Uhr

82

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.
Werbung

82 Kommentare

walter bossert

19.11.2014, 08:10 Uhr
Melden 211 Empfehlung 31

Genau wie vorausgesagt, aber die Grünen wollen es einfach nicht verstehen. Wir geraten vom Regen in die Traufe und werden das mit verschiedenen Steuern auch noch teuer bezahlen müssen! Das ist das Erfolgsmodell Schweiz! Von wegen hohem Ross! Antworten


Werner Fuchs

19.11.2014, 08:12 Uhr
Melden 157 Empfehlung 31

Den Greenpeace-Aktivisten sollte man diesen Winter mal den Strom abstellen. Der sauberste Strom kommt immer noch aus dem AKW. Bin nicht gegen den Ausstieg, zuerst muss aber der andere, saubere Strom sicher gestellt werden. Antworten



Umfrage

Baselland soll Mitglied des Hochschulrats werden, fordert Nationalrat Christoph Eymann. Unterstützen Sie das?