Schweiz

Schweizer Muslime distanzieren sich vom Islam

Von Christian von Burg . Aktualisiert am 14.03.2009 46 Kommentare

Muslime in der Schweiz wagen erstmals offene Kritik an ihrer Religion – sie fühlen sich durch Islam-Verbände nicht vertreten.

Ex-Muslimin: Mina Ahadi.

Ex-Muslimin: Mina Ahadi.

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Zwei Jahre nach der aufsehenerregenden Gründung in Deutschland hat der Zentralrat der Ex- Muslime nun auch in der Schweiz einen Ableger. Der Verein ist geprägt von Flüchtlingen aus Iran und übt scharfe Kritik an «islamischer Herrschaftskultur».

Mina Ahadi stand lange Zeit unter Polizeischutz. Die iranische Kommunistin und Frauenrechtlerin hatte im Januar vor zwei Jahren mit Gleichgesinnten den Zentralrat der Ex- Muslime in Deutschland gegründet. Öffentlich distanzierten sie sich von ihrer Religion. Dieser Tabubruch wurde von den Medien in alle Welt getragen. «Wir haben abgeschworen» lautete die Kampagne, die auf die Kampagne der Frauenbewegung «Wir haben abgetrieben» anspielt.

Wenn ein Muslim seiner Religion den Rücken kehren will, wird er in vielen islamischen Ländern von der Todesstrafe bedroht. In Iran, Saudiarabien, Afghanistan, Pakistan, Sudan und Mauretanien können Abtrünnige des islamischen Glaubens im Sinne der Scharia hingerichtet werden. In anderen Ländern werden Konvertiten nicht vom Gericht bestraft, verlieren aber den Rückhalt bei Familie und Freunden. Auch Ahadi und zahlreiche ihrer Mitkämpfer erhielten nach ihrem Auftritt Todesdrohungen.

Ehrenmord und Brautimport

Unterdessen ist die Bewegung gewachsen. Nach Grossbritannien, Holland und Skandinavien hat Ahadis Organisation nun auch in der Schweiz Fuss gefasst. Gestern präsentierten sich in Bern erstmals Mitglieder des neu gegründeten Ablegers. Der Verein zählt in der Schweiz erst 19 Mitglieder, 17 Iraner und 2 Türken. Mitglieder aus dem ehemaligen Jugoslawien – sie stellen die Mehrheit der Muslime in der Schweiz – gibt es bisher nicht. Sie fühlten sich von den Islamverbänden in der Schweiz nicht vertreten, sagten die Islamkritiker vor den Medien. Es gehe nicht an, dass die religiösen Dachverbände von der Schweizer Öffentlichkeit als legitime Vertreter der ausgewanderten Menschen aus muslimischen Ländern betrachtet würden. Ahadi, deren Mann in Iran hingerichtet worden ist, beklagte, dass die religiösen Eiferer auch in Europa immer mehr Einfluss gewinnen. «Wir sind geflüchtet, um hier ein freies Leben führen zu können, und jetzt werden wir von der gleichen Entwicklung bedroht.»

In deutschen Städten, aber auch in bestimmten Quartieren Basels müssten die jungen Mädchen schon Kopftücher tragen. Nicht weil die Eltern das wollten, sondern weil der Gruppendruck der islamischen Gemeinschaft dies erfordere. Ahadi prangert die Ehrenmorde und die Importbräute als Auswüchse der «patriarchalen islamischen Kultur» an und fordert ein Kopftuchverbot für minderjährige Mädchen an den Schulen.

Der Zentralrat der Ex- Muslime , dessen Mitglieder zur Mehrzahl Frauen sind, fordert des Weiteren einen Moscheebaustopp für die Schweiz. Moscheen seien «Stätten der Desintegration», wo «antiwestliche und antiemanzipatorische» Gesinnung verbreitet werde. Die Islamverbände versuchten, häufig mit Hilfe von Geldgebern aus Saudiarabien, durch grosse Moscheebauten «die Präsenz islamischer Herrschaftskultur und Kontrollmacht» zu festigen.

Abgrenzung gegen Rechts

Die harten Töne, welche die Ex- Muslime anstimmen, erinnern an die Voten der SVP. Die Initianten der Minarett-Initiative haben denn auch die Gründung des neuen Vereins in der Schweiz ausdrücklich begrüsst. Sie können sich sogar eine Zusammenarbeit vorstellen. Die Mitglieder der Ex- Muslime wiederum lehnen die Anti-Minarett-Initiative ab, weil sie gegen die Religionsfreiheit verstosse und geeignet sei, die Fremdenfeindlichkeit zu schüren.

Maizar findet Vorwürfe «absurd»

Hisham Maizar, der Präsident der Föderation islamischer Dachverbände in der Schweiz, findet wenig Verständnis für das Engagement der Ex- Muslime . Es sei bezeichnend, dass die Mitglieder fast ausschliesslich Iraner seien, deren schiitisches Regime die Menschenrechte wenig beachte. Dass die Moscheen in der Schweiz als «Orte der Desintegration» angesehen würden, sei «absurd». In den letzten Jahren habe eine grosse Öffnung stattgefunden, sagt Maizar, der stark um den interreligiösen Dialog bemüht ist.

Fast alle Imame in der Schweiz kommen aus dem Ausland und sind der Landessprache nicht mächtig. Dies soll sich gemäss Maizar nun ändern. Ab Juni werde die Mehrzahl der Moscheen nur noch neue Imame zulassen, welche die Landessprache wenigstens rudimentär beherrschten. Zudem sollten die neuen Imame obligatorisch Sprach- und Integrationskurse besuchen, in denen auch das hiesige politische System und die christliche Religion studiert werde.

Maizar teilt die Befürchtung nicht, dass die Schweizer Ex- Muslime gefährdet sein könnten. «Ihnen droht kaum etwas, solange sie sich nicht allzu provokativ verhalten.»

«Sehr mutige Leute»

Saïda Keller-Messahli, die Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, sieht dies anders: «Das sind sehr mutige Leute.» Potenziell seien sie vom Tod bedroht, «und es gibt genügend Spinner, die aus Drohungen Ernst machen könnten». Obwohl sie einige Kritikpunkte mit den Ex- Muslimen teile, halte sie deren Weg nicht für den richtigen. Denn wer aus dem Islam aussteige, werde von den Muslimen nicht mehr ernst genommen. Wer etwas verändern wolle, müsse dies «von innen her» tun.

Als Muslimin den Islam kritisch zu betrachten, sei allerdings schwierig. Das Forum für einen fortschrittlichen Islam zähle nur 100 zahlende Mitglieder, aber viele Sympathisanten. «Sie haben Angst, mitzumachen.» Auch in ihrer Organisation seien zwei Mitglieder massiv bedroht worden.

Unterstützt wird der Zentralrat der Ex- Muslime von der Freidenker-Vereinigung Schweiz und von der deutschen Giordano-Bruno-Stiftung. Alleine schon die Existenz dieses Vereins habe die Debatte über den Islam in Deutschland stark verändert, sagt Michael Schmidt-Salomon von der deutschen Stiftung. Es gebe jetzt einen dritten Weg zwischen Verharmlosung des Islams und Fremdenhass. (Der Bund)

Erstellt: 14.03.2009, 08:23 Uhr

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46 Kommentare

maurus candrian

14.03.2009, 11:43 Uhr
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gute sache. noch besser wäre es, wenn sämtliche menschen weltweit sämtlichen religionen den rücken kehren würden. die welt würde garantiert besser. die meisten kriege haben zumindest starke religiöse komponenten. und statt religiösen märchen nachzurennen, könnten endlich die fundamentalen menschenrechte (z.b. der uno-charta) den ihnen gebührenden platz erhalten Antworten


tom hirz

14.03.2009, 12:15 Uhr
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Endlich kommt die Diskussion in Gang! Politisch eher links eingestellt musste ich nun jahrelang zusehen, wie die Multi-Kultis vor allem in den Mitte-Linksparteien die Diskussion über negative Auswüchse anderer Religionen und Kulturen immer abwürgten. Bitte, FREIES Europa, nimm endlich zur Kenntnis, dass ein sich vom Islam abwendender Moslem von der Familie verstossen und von anderen bedroht wird! Antworten



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