Schweizer wollen Sterbehilfe durch den Arzt

Alte, kranke Schweizer sollen das Recht auf Sterbehilfe haben, sagt eine klare Mehrheit der Bevölkerung. Nicht aber psychisch Kranke, Gesunde und Menschen aus dem Ausland.

80 Prozent wollen, dass ein Arzt einer todkranken Krebspatientin mit unerträglichen Schmerzen weiterhin das tödliche Natriumpentobarbitural (NaP) verschreiben darf.

80 Prozent wollen, dass ein Arzt einer todkranken Krebspatientin mit unerträglichen Schmerzen weiterhin das tödliche Natriumpentobarbitural (NaP) verschreiben darf. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Schweizer Bevölkerung ist in der Frage der Sterbehilfe tief gespalten: Auf der einen Seite stehen die strikten Gegner, die sich vor allem unter religiösen Menschen finden. Auf der anderen Seite die klaren Befürworter, für die Selbstbestimmung bis zuletzt ein zentraler Wert des Lebens darstellt. Gestern haben die Zürcher Kriminologen Christian Schwarzenegger und Patrik Manzoni eine repräsentative Umfrage vorgestellt, welche die bisherige Vermutung bestätigt: Die Befürworter sind klar in der Mehrheit.

Dies ist politisch brisant: Will der Bundesrat doch bis Ende Jahr seine neue Stossrichtung vorlegen, nachdem seine Vorschläge für ein Verbot von Suizidhilfeorganisationen oder eine Beschränkung auf das absolute Lebensende in der Vernehmlassung ein miserables Echo ernteten.

Konkret stellten sich die Befragten zu einzelnen Beispielen wie folgt:

  • 80 Prozent wollen, dass ein Arzt einer todkranken Krebspatientin mit unerträglichen Schmerzen weiterhin das tödliche Natriumpentobarbitural (NaP) verschreiben darf. Mehr als zwei Drittel der Befragten wollen in diesem Fall sogar die heute verbotene direkte aktive Sterbehilfe erlauben: Der Arzt sollte ihr auf Wunsch selbst eine tödliche Spritze verabreichen oder das Schmerzmittel so hoch dosieren, dass sie schneller stirbt.
  • 73 Prozent wollen, dass ein 85-Jähriger bei klarem Verstand, der an mehreren nicht-tödlichen Krankheiten leidet, im Rollstuhl sitzt und das Leben nicht mehr lebenswert findet, sich weiterhin NaP verschreiben lassen darf. Beim Beispiel eines Alzheimer-Patienten waren es noch 60 Prozent.
  • Mit einer knappen Mehrheit verbieten würden die Befragten einzig das Aussetzen der künstlichen Ernährung bei einer 30-jährigen Komapatientin, wenn sich die Angehörigen darüber nicht einig sind. Sind sie sich hingegen einig, sind ganze 86 Prozent gegen ein Verbot.

Sehr skeptisch äusserten sich die Befragten hingegen zu Suizidbegleitung für psychisch Kranke, wie sie Exit in wenigen Einzelfällen durchführt. Klar abgelehnt wird Sterbebegleitung für gesunde, sogenannt «lebenssatte» alte Menschen.

Sterbetourismus unerwünscht

Klare Vorstellungen haben die Befragten, wer bei Selbsttötungen helfen soll: ein Arzt. 60 Prozent finden, auch speziell ausgebildetes Pflegepersonal sollte assistieren können, nur 43 Prozent aber wollen ausgebildete Sterbehelfer mit dieser Aufgabe betrauen. Studienautor Schwarzenegger fordert die Ärzte deshalb auf, ihre restriktiven Richtlinien zu überarbeiten und sich für eine Legalisierung der aktiven Sterbehilfe in klarem Rahmen einzusetzen.

Nichts wissen wollen ganze zwei Drittel der Befragten davon, dass Ausländer von der liberalen Schweizer Regelung profitieren. Die Zürcher Volksinitiative für ein Verbot des Sterbetourismus hat also gute Chancen. Allerdings dürfte diese Initiative gegen Bundesrecht verstossen und damit bei einer Annahme kaum umsetzbar sein. (Basler Zeitung)

(Erstellt: 03.09.2010, 07:54 Uhr)

Artikel zum Thema

Widmer-Schlumpf will mehr Freiheit bei Sterbehilfe zugestehen

Nach Kritik in der Vernehmlassung will die Justizministerin die bundesrätlichen Vorschläge zur strikten Regelung der Hilfe beim Freitod laut einem Zeitungsbericht überdenken. Mehr...

Baselbiet für würdige Sterbebegleitung

Baselland macht sich beim Bund für die Regelung der Sterbehilfe sowie für ein Verbot von Schlachttiertransporten stark. Das Kantonsparlament hat am Donnerstag ohne Gegenstimme beschlossen, dazu zwei Standesinitiativen einzureichen. Mehr...

Umfrage

Eine Mehrheit der Schweizer Bevölkerung ist dafür, die heute verbotene aktive Sterbehilfe gesetzlich zu erlauben. Das zeigt eine Studie der Universität Zürich. Sind Sie auch für aktive Sterbehilfe?

Ja

 
81.3%

Nein

 
18.7%

278 Stimmen


Werbung

Kommentare

Das Immobilien-Portal für Basel und die Region

Die Welt in Bildern

Hart im Nehmen: Ein Schwimmer im chinesischen Shenyang nutzt eine aufgebrochene Stelle in einem zugefrorenen See, um ein paar Längen zu absolvieren. (9. Dezember 2016)
(Bild: Sheng Li) Mehr...