Schweiz

Seeräuber überfallen Schweizer Frachter

Nun hat es auch die Schweizer Flotte getroffen: Ende Oktober überfielen Piraten das Transportschiff Silvretta. Aber nicht etwa in Somalia, sondern vor Nigeria.

Vor Nigeria überfallen und geplündert: das Schweizer Frachtschiff «Silvretta».

Vor Nigeria überfallen und geplündert: das Schweizer Frachtschiff «Silvretta».
Bild: swiss-ships.ch

Artikel zum Thema

Lagos, Nigeria

Lange hat man darüber diskutiert: Sollen hiesige Soldaten Schweizer Schiffe bewachen, die den Golf von Aden passieren? Ende September fiel dann der Entscheid: Es werden keine Schweizer Soldaten im Kampf gegen somalische Piraten eingesetzt.

Nun hat es zum ersten Mal tatsächlich eines der 35 Schweizer Handelsschiffe getroffen: Ende Oktober wurde die «Silvretta», ein Schweizer Frachter, überfallen. Jedoch nicht von somalischen, sondern von nigerianischen Piraten. Das Schiff habe Reis transportiert und sei von Thailand in die nigerianische Hafenstadt Lagos unterwegs gewesen, schreibt die welsche Zeitung «La Liberté» in ihrer heutigen Ausgabe.

Zwei fast zeitgleiche Angriffe

Vor Nigeria hätten sich bewaffnete Piraten auf einem Schnellboot dem Frachter genähert. Sie eröffneten das Feuer und nahmen die komplette Besatzung als Geiseln, während sie sämtliche Wertsachen plünderten: Geld, Schmuck, Computer, alles was sich auf dem Schwarzmarkt verkaufen lässt. Nach zwei Stunden waren die Piraten weg, ohne die Fracht angerührt zu haben.

Praktisch zeitgleich wurde auch ein griechisches Frachtschiff ganz in der Nähe angegriffen. Nach demselben Muster.

«Dagegen sind somalische Piraten Geschäftsmänner»

Gemäss Eric André, Präsident der Schweizer Reeder, ist diese Methode typisch für die Piraten im Golf von Guinea. «Die somalischen Piraten sind Geschäftsmänner verglichen mit den nigerianischen. Letztere sind echte Banditen», sagt André gegenüber «La Liberté». Die nigerianischen Piraten würden gar das Einverständnis der Bevölkerung geniessen. Und die Behörden würden nichts unternehmen. «Dabei wäre es höchste Zeit, sich darum zu kümmern», so André.

Nicht nur der Weg entlang der Küste ist in Nigeria gefährlich, selbst im Hafen in Lagos ist Vorsicht geboten. Die Reederei Suisse Atlantique stellt daher Wächter an, die Diebstahl vermeiden und blinde Passagiere verhindern sollen.

Der Fall zeigt eindrücklich, dass Schiffe längst nicht nur von somalischen Piraten attackiert werden. Auch wenn 2008 ganze 92 Angriffe auf deren Kosten gingen. Nahe Nigeria wurden dagegen nur 40 Angriffe registriert. Die Dunkelziffer dürfte jedoch hoch sein.

(reh)

Erstellt: 13.11.2009, 12:05 Uhr

Schweiz

Populär auf Facebook Privatsphäre

Umfrage

Erst Metropolitanregion dann Kantonslobbyist – und nun eine parlamentarische Gruppe: Die Region Basel will in Bern besser gehört werden. Braucht es diese neue Organisation?