Schweiz

Sie arbeiten schwarz für 2000 Franken monatlich

Von Rahel Guggisberg. Aktualisiert am 06.06.2011 34 Kommentare

Seit die Schweiz 2008 dem Schengen-Abkommen beigetreten ist, arbeiten mehr Illegale in der Schweiz. So auch in einer Bäckerei im Westen von Bern, wo bereits bei vier Kontrollen Illegale aufgeflogen sind.

1/8 Die Polizisten der Fremdenpolizei eilen die Treppe herunter in die Backstube.
Bild: Beat Mathys

   

Frühmorgens, Ende Mai. An der Predigergasse in Bern sitzen zwölf Beamte der Fremdenpolizei der Stadt Bern in zivil an einem Tisch. Sie werden von Beamten der Kantonspolizei unterstützt. Ihre Mission: Zum vierten Mal innerhalb von elf Monaten wollen sie einen Bäckereibetrieb im Westen von Bern überprüfen.

Bereits drei Mal stiessen sie dort auf Schwarzarbeiter: Arbeiter, die sich illegal in der Schweiz aufhalten oder keine Arbeitsbewilligung haben. Mit zivilen Autos fahren die Polizisten zur Bäckerei. Die Strassen sind menschenleer. Vor Ort weiss jeder, was er tun muss. Die Umgebung des Hauses wurde vorgängig studiert. Polizisten sichern die Eingänge. Der Duft von frischem Brot hängt in der Luft.

Die Türe zur Backstube ist verschlossen. Der Einsatzleiter klopft – es dauert, die Spannung steigt. Endlich öffnet jemand die Tür, und dann geht es ganz schnell. Wie im Film stürmen die Polizisten die Treppe herunter, suchen nach Personen im Lift, hinter Kisten und Mehlsäcken. «Es kommt immer wieder vor, dass wir Personen anhalten, die sich an den unüblichsten Orten versteckt haben», erklärt Alexander Ott, Leiter der Fremdenpolizei der Stadt Bern, das Vorgehen.

Ausweise und Niederlassung

Nach ein paar Minuten ist die Situation unter Kontrolle und alle Angestellten stehen im gleichen Raum. Ruhig fordern die Polizisten sie auf, sich auszuweisen. Überprüft werden Reisepässe, Niederlassungs- und Aufenthaltsbewilligungen. Die Kontrolle verläuft ruhig. Verschiedene Sprachen werden gesprochen. Man versucht, sich irgendwie zu verständigen.

«Die Situation verläuft professionell, weil wir genügend Kräfte im Einsatz haben. So gibt es keine Wartezeiten und Verzögerungen» , sagt Alexander Ott.

Inhaber ist Polizei bekannt

Der Einsatzleiter geht zum Inhaber der Bäckerei, einem circa 40-jährigen Ausländer. Er zeigt ihm den Hausdurchsuchungsbefehl, den die Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland ausgestellt hat. Der Inhaber beschwert sich über die Störung durch die Polizei. «Sie müssen sich an das Gesetz halten und dürfen keine ausländischen Personen beschäftigen, die nicht die benötigten Papiere haben», entgegnet der Einsatzleiter mit ruhiger Stimme. Der Inhaber ist nervös und schweissnass. Er ist für die Schweizer Behörden kein unbeschriebenes Blatt. Der Mann fiel bereits mehrfach sowohl ausländerrechtlich wie auch strafrechtlich auf und wurde bereits deswegen verurteilt.

Zwei müssen mitgehen

Nach 20 Minuten hat die Polizei alle 7 Personen befragt. «Bei 2 gibt es Unstimmigkeiten, die wir überprüfen müssen», so Ott. Darum müssen sie für weitere Abklärungen auf den Polizeiposten mitkommen. Aus Gründen der Sicherheit werden ihnen Handschellen angelegt. Zum Schluss fotografiert der Einsatzleiter alle Räume: «Wir müssen dies tun, weil man uns schon vorgeworfen hat, wir hätten bei der Kontrolle die Infrastruktur beschädigt.» Um halb fünf Uhr trifft die Patrouille wieder an der Predigergasse ein. Die Kantonspolizisten, welche die Fremdenpolizei beim Einsatz unterstützt haben, verabschieden sich. Die Fremdenpolizisten machen nun Abklärungen zu den zwei Mitgenommenen. Im Internet und in den zur Verfügung stehenden Registern wird über sie recherchiert.

«Serbe» ist Mazedonier

Der eine, ein 35-jähriger Mann, gibt an, dass er keine Papiere habe. Er komme aus Albanien. Als die Polizei seine Habseligkeiten durchsucht, findet sie einen heimatlichen mazedonischen Reisepass. Eine Dolmetscherin, die um sechs Uhr ankommt, findet bei der Befragung heraus, dass er vor einigen Monaten in die Schweiz einreiste, weil er Arbeit suche. Über Mund-zu-Mund-Propaganda hatte er von Landsleuten erfahren, dass man in dieser Berner Bäckerei Arbeiter suche. Gemäss seinen Aussagen arbeitete er für 2000 Franken monatlich. Den vollen Lohn habe er allerdings noch nie erhalten.

«Der Mazedonier wird nun zu seinem Reiseweg befragt und in den nächsten Tagen in sein Heimatland zurückgeführt. Wir werden auch dafür sorgen, dass er seinen Lohn bekommt», so Ott.

Gegen den Zweiten, einen Türken, läuft ein ausländerrechtliches Verfahren in der Westschweiz, weil er nicht mehr mit seiner Schweizer Ehefrau zusammen lebt. Er hat keine Bewilligung, um in Bern zu arbeiten.

3 Zimmer für 10 Leute

An diesem Morgen kontrollierte die Fremdenpolizei gleichzeitig eine Wohnung, in der der Inhaber der Bäckerei seine Arbeiter unterbringt. In der 3-Zimmer Wohnung gibt es Schlafmöglichkeiten für bis zu 10 Personen. Die Wohnung ist äusserst rudimentär eingerichtet, und es hat sehr spärliche Lichtquellen. Drinnen trifft die Polizei auf einen Serben. Er sagt, er arbeite nicht in der Bäckerei, sei nur als Tourist in der Schweiz.

Später, auf dem Polizeiposten, ermitteln die Beamten, dass der Serbe ebenfalls ausländerrechtlich in der Schweiz registriert ist. «Da wir nicht beweisen können, dass er ohne entsprechende Bewilligung gearbeitet hat, können wir nichts unternehmen», sagt Ott. «Wir werden ihn auffordern die Schweiz innert kurzer Frist zu verlassen». (Berner Zeitung)

Erstellt: 06.06.2011, 15:48 Uhr

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34 Kommentare

Heidi Hächler

06.06.2011, 16:09 Uhr
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Wo bleiben da die rechtsstaatlichen Konsequenzen? Der Betrieb hätte längst geschlossen werden müssen! Aber nein, man fasst den Inhaber mit Samthandschuhen an! Anstatt dass der fehlbare Geschäftsinhaber verurteilt und ausgewiesen wird,wurstelt er weitert. Ihm scheinen die schweizerischen Gesetze egal zu sein. Kein Wunder nimmt die Schwarzarbeit in allen Sektoren zu bei diesen larschen Sanktionen. Antworten


Ernst Bucher

06.06.2011, 16:07 Uhr
Melden 37 Empfehlung

Gute Arbeit. der Polizei Das ist sicher kein Einzelfall. Eigentlich Grund genug, den Bäckerladen dicht zu machen und den Bäcker sofort auszuschaffen, samt den illegal Arbeitenden. Solche Auswüchse der PFZ waren doch zu erwarten, aber die Politiker wissen es ja immer besser. Antworten



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