Schweiz
So funktioniert das perfide Geschäft der Bettlerbanden
Von Jürg Spori. Aktualisiert am 19.05.2009 74 Kommentare
Alexander Ott: «Wer den Bettlern Geld gibt, hilft nicht ihnen, sondern finanziert skrupellose Banden.» (Bild: Tomas Wüthrich)
Ein beinamputierter Mann sitzt vor dem Globus an der Berner Spitalgasse. Sein Geschäft mit dem Mitleid läuft gut. An der Marktgasse vor der Migros sitzt eine junge Frau im Rollstuhl und bittet mit leidender Stimme um Geld. Auch ihr «Geschäft» läuft wie geschmiert. Besonders ältere Menschen geben ihr eine Münze oder sogar ein Nötli.
In den letzten Wochen haben solche Bettler vermehrt gut frequentierte Gassen und Plätze in der Berner Innenstadt in Beschlag genommen. So schnell sie morgens aufkreuzen, so schnell sind sie abends auch wieder verschwunden.
Gut organisierte Banden
Der Chef der städtischen Fremdenpolizei (Frepo), Alexander Ott, bestätigte gestern einen Bericht der «SonntagsZeitung», wonach diese Bettelaktionen das Resultat minutiöser Planung sind. «Die ausländischen Bettlerbanden und ihre Hintermänner haben einen hohen Organisationsgrad und setzen moderne Kommunikationsmittel ein», sagt er.
Das funktioniert in Bern so: Die Banden setzen Kinder und Menschen mit Behinderungen zum Beispiel auf der Schützenmatte ab, von wo sie dann in die Stadt ausschwärmen. Dort werden sie beim Betteln von Mitgliedern der Banden ständig überwacht. Abends werden sie von ihren Hintermännern wieder abgeholt und in Camps nahe der Grenze zurückgekarrt. Bei diesem Vorgehen sind die Bettler von ihren Hintermännern abhängig.
Polizei überwacht
«Die Abläufe haben wir in den letzten zwei Wochen während einer Überwachungsaktion genau eruiert», sagt der Frepo-Chef. Bei der Aktion wurden über 100 Personen ins Visier genommen. Nach den Beobachtungen der Polizei werden in Bern zwei Varianten der organisierten Bettelei angewendet. Bei der ersten kaufen «Betteltouristen» an einem Treffpunkt im Ausland für 200 Franken eine «Tageskarte». Sie werden dafür nach Bern gefahren, erhalten am Bahnhof einen Stadtplan, auf dem die lohnenden Standorte eingezeichnet sind, und abends werden sie wieder nach Hause chauffiert.
Bei der zweiten Variante werden Menschen – darunter Kinder und Behinderte – nach Bern gefahren. «Ihr Sammelbecher wird regelmässig von ‹Läufern› geleert, die das Münz in Noten umtauschen oder das Geld bei Strassenmusikern deponieren», weiss Ott. Diese Leute «verdienen» pro Tag bis zu 500 Franken.
Ausgenutzte Bettler
Ott ist nach den Überwachungen klar: «Die organisierten ausländischen Bettlerbanden setzen gezielt Kinder und Behinderte ein und nutzen so ein Abhängigkeitsverhältnis, aus dem es oft kein Entrinnen gibt.» Zwei versehrte Männer mussten vor einigen Wochen sogar medizinisch versorgt werden. Sie wurden inzwischen nach Rumänien zurückgeführt. «Von dort und aus Bulgarien kommen die meisten der Bettler, viele sind Roma», sagt Alexander Ott.
Neuerdings sind in Bern auch immer mehr Bettler in Trams und Bussen unterwegs. Unter ihnen auffallend viele Frauen. «Sie zeigen den Fahrgästen ein Foto eines verkrüppelten Kindes und fordern Geld», sagt Ott.
Geld kassieren die Banden
Frepo-Chef Ott forderte die Bevölkerung auf, diesen Bettlern kein Geld zu geben. «Wer Geld gibt, hilft nicht den Bettlern, sondern finanziert die Banden», sagt er. Und: «Wenn die Bettler kein Geld mehr bekommen, spricht sich das herum, und Banden platzieren ihre Opfer nicht mehr in Bern», so Ott.
Nicht nur in Bern, sondern in der ganzen Schweiz sind die Behörden auf das Problem aufmerksam geworden. Alexander Ott hat mit der Stadt Bern, den rumänischen Behörden und dem Bundesamt für Polizei nun das Pilotprojekt «Agora» lanciert. «Damit wollen wir die Reisewege der Bettler nachverfolgen und so an die Hintermänner herankommen.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 19.05.2009, 13:42 Uhr
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74 Kommentare
Hunderte von Spendenorganisationen sammeln Geld und betteln für Bedürftige. Welche Bedürftigen wieviel Geld erhalten, entscheiden gut entlöhnte Mitarbeiter. Die Bettler auf der Strasse sind die "Selbständigerwerbenden" dieser Bettelindustrie. Das System ist bei allen das Gleiche: Nichtbedürftige leben gut davon, viel Geld zu sammeln, um wenig davon an Bedürftige abzugeben. Wo ist der Unterschied? Antworten
Wo ist das Problem - die bestehenden Gesetze müssen nur konsequent umgesetzt werden - die Ausrede mit zuwenig Polizei kann ich nicht mehr hören! Die Bettler und Scheininvalide müssen rigoros an die Grenze gestellt werden und die Hintermänner bestraft weden. Antworten
Schweiz
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
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