Schweiz
Spiel mit mir den Rentenklau
Von Erika Burri. Aktualisiert am 09.02.2010
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Endlich hat die SP wieder einmal ein Abstimmungsthema, bei der sie alle Register ziehen kann: Die Abstimmung vom 7. März über den tieferen Umwandlungssatz in der 2. Säule. Ganz nach SVP-Manier sagt die SP «Nein». Rentenklau ist das Schlagwort. Wer solches zulässt sind die Bösen.
Zu den Bösen gehören FDP-Nationalrätin Christa Markwalder, Economiesuisse-Präsident Gerold Bührer und Bundesrat Didier Burkhalter (FDP), der als Vorsteher des Eidgenössischen Departement des Innern (EDI) das Dossier Pensionskasse unter sich hat. Alle drei befürworten den tieferen Umwandlungssatz. Im Online-Computerspiel «Kleptomat» kann man gegen sie antreten.
Markwalder gegen Markwalder: Nach 30 Sekunden pleite
Aus zwei Röhren am linken und rechten Bildrand werden im Spiel Bürger ausgespuckt. Einer der drei «Rentenklauer», den man zu Beginn des Spiels wählt, hängt wie ein Kran am oberen Bildrand. In der rechten Hand hält er einen Geldkoffer, mit der linken versuchen Bührer, Burkhalter oder Markwalder, die kleinen Bürger zu bestehlen.
Der «Rentenklauer» bewegt sich nach Zufallsprinzip nach unten. 300'000 Franken Rente hat der Spieler zu Beginn. Jedes Mal, wenn ein Bürger von der gierigen Hand des «Rentenklauers» gepackt wird, verliert er einen Teil des Geldes. Dies gilt es zu verhindern.
Christa Markwalder brauchte 30 Sekunden, bis sie im Spiel gegen sich selber pleite war. Die Nationalrätin mit 50-Prozent-Pensum bei der Zurich Versicherung – die auch eine 2. Säule anbietet – nimmt es mit Humor. «Ich fühle mich nicht persönlich angegriffen», sagt sie. Im Gegensatz zu anderen Aktionen der SP.
«Thema sehr technisch»
«Das Thema ist sehr technisch», begründet die Nationalrätin ihr Verständnis. Es sei schwierig, die Notwendigkeit eines tieferen Umwandlungssatzes den Bürgern zu erklären. Doch will sie klarstellen: «Rentenklau ist genau das Gegenteil». Also, wenn man den Umwandlungssatz nicht gegen unten anpasse. Denn die hohen Renten bezahlen die jüngeren Generationen. Würden die Renten nicht der Lebenserwartung angepasst, müssten künftige Generationen immer mehr Rente einzahlen.
Aus dem EDI heisst es, mit solchen Spielen verliere man keine Zeit. «Wir haben genug anderes zu tun», sagt ein Sprecher.
Bei den Jungen aber findet das Spiel Beachtung. Gestern Montag wurde es aufgeschaltet und hatte gleich in der ersten Stunde über 1000 Rentenklau-Spieler, wie der SP-Kampagnenleiter Peter Lauener bestätigt. Eine Umfrage zur Abstimmungsvorlage vom Meinungsforschungsinstituts Demoscope ergab Anfang Februar, dass vor allem viele Junge noch unentschlossen sind. Die SP reagierte schnell und liess den «Kleptomat» entwickeln.
(baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 09.02.2010, 14:37 Uhr
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