Schweiz

Steigt Leuthard ins Uvek auf?

Wirtschaftspolitisch könnte Doris Leuthard als Nachfolgerin von Moritz Leuenberger mindestens so viel bewegen wie in ihrem bisherigen Departement. Für einen Wechsel spricht vieles.

Für einen Wechsel spricht auch, dass die Uvek-Themen der Aargauerin nahe stehen: Doris Leuthard.

Für einen Wechsel spricht auch, dass die Uvek-Themen der Aargauerin nahe stehen: Doris Leuthard.
Bild: Keystone

Mit dem Rücktritt von Moritz Leuenberger wird ein attraktives Schlüsseldepartement frei. SP-Präsident Christian Levrat hat bereits angekündigt, seine Partei wolle das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) behalten. Es ist allerdings nicht an der SP zu wählen. Die Nachfolgerin oder der Nachfolger von Moritz Leuenberger wird jenen Posten übernehmen müssen, der am Schluss übrig bleibt. So will es der Brauch im Bundesrat.

Kein Ärger mit den Bauern mehr

Es hängt also vom Wechselwillen der verbleibenden Bundesräte ab, ob die SP das Riesendepartement verteidigen kann. Insbesondere Doris Leuthard könnte versucht sein, ihr Volkswirtschaftsdepartement (EVD) gegen das Infrastrukturdepartement einzutauschen. Denn die eigentliche Wirtschaftspolitik wird im Uvek gemacht. Dort stellt man die Weichen für die Telekommunikation, die Stromversorgung, die Post, den Verkehr und die Medien.

Im EVD hingegen ist der Spielraum für wirtschaftsfreundliche Bundesräte eher beschränkt. Sie dienen der Wirtschaft dann am meisten, wenn sie auf Interventionen verzichten und «der Versuchung des Legiferierens widerstehen», wie sich der ehemalige Arbeitgeberverbands-Direktor und heutige Postpräsident Peter Hasler einst ausdrückte.

Für einen Wechsel spricht auch, dass die Uvek-Themen der Aargauerin nahe stehen. Vor ihrer Wahl in den Bundesrat sass sie im Verwaltungsrat der Elektrizitätsgesellschaft Laufenburg. Darüber hinaus könnte die CVP-Bundesrätin mit einem Aufstieg ins Uvek die undankbare Landwirtschaftspolitik loswerden, die sie zunehmend in Konflikt mit ihrer Partei bringt.

Kriegt SP den «Trachtenverein»?

Auch Ueli Maurer könnte versucht sein, sich seiner Probleme im VBS zu entledigen und in ein gewichtigeres Departement zu wechseln. Zumal die SVP dies sehr begrüssen würde. «Es ist an der Zeit, dass die wählerstärkste Partei dieses Schlüsseldepartement besetzt», findet SVP-Präsident Toni Brunner. Am Ende müsse Maurer aber selbst entscheiden. Dieser meinte gestern nur: «Man soll nie nie sagen.»

Für die SP wäre ein solcher Wechsel doppelt schlimm. Zum einen würde Maurers Umwelt-, Energie- und Verkehrspolitik den Sozialdemokraten kaum gefallen. Zum andern müssten sie mit dem VBS vorliebnehmen, das Peter Bodenmann einst als «bürgerlichen Trachtenverein» bezeichnet hat. Mit dieser gezielten Provokation machte der Ex-Parteipräsident 1995 die SP fürs Militärdepartement unmöglich und öffnete Leuenberger die Türen des Uvek.

Mehr Optionen bei Merz-Abgang

Theoretisch könnte Micheline Calmy-Rey das Infrastrukturdepartement für die SP retten. Doch niemand erwartet, dass die 65 Jahre alt gewordene Aussenministerin im Pensionsalter noch ein neues Departement übernimmt. Dasselbe gilt für den 67-jährigen Hans-Rudolf Merz. Didier Burkhalter wiederum hat sich eben erst gründlich ins Innendepartement eingearbeitet. Und Eveline Widmer-Schlumpf wartet lieber aufs Finanzdepartement.

Gut möglich, dass auch dieses bis Ende Jahr frei wird. Sollte Hans-Rudolf Merz die Gelegenheit nutzen und ebenfalls zurücktreten, würde dies die Verteiloptionen vervielfachen. Allenfalls setzt der Bundesrat die Departemente im Rahmen der Regierungsreform neu zusammen, indem er das Volkswirtschaftsdepartement aus- und das Uvek abbaut – was Leuthard den Verbleib im EVD erleichtern könnte. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.07.2010, 08:08 Uhr

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13 Kommentare

Walter Kunz

12.07.2010, 14:24 Uhr
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UVEK ist mit eines des anspruchsvollsten aller Departemente. Ob nun ein Studium in Rechtswissenschaft alleine genügt, um in sämtlichen eingeschlossenen Gebieten nur einiger Massen Sattelfest zu sein wage ich zu bezweifeln. Dazu reicht nicht einmal eine Amtsdauer. Ein mindest Mass an Fachkenntnissen sollte heute zwangsläufig zu den Anforderungen an den neuen Amtsträger gehören. Antworten


Karin Müller

11.07.2010, 15:37 Uhr
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BR Leuthart sollte besser warten, bis MCR geht und dann das Aussenministeramt übernehmen. Antworten


Lucien Michel

11.07.2010, 13:20 Uhr
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Solange das UVEK nicht in völlig inkompetenten Händen landet wie das VBS, zu Zeit das Finanzdepartement und, vor einigen Jahren, das EJPD (das jetzt wieder gut besetzt ist). Verkehr Umwelt und Energie sind um einiges komplexer , anspruchsvoller und auch wichtiger für unser Land als die Armee - diese kann man getrost der SVP überlassen da dort die politische Führung letztlich irrelevant ist. Antworten


Ruedi Meyer

11.07.2010, 10:30 Uhr
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Herr Furrer hätte wohl gerne ein AVEK; A wie Atom. Den Grossbanken wird vorgerechtnet, wie viel die nicht abgegoltene De-facto-Staatsgaramtie kostet. Wer rechnet den Elektrizitätsgesellschaften vor, wieviel die Suche nach Atommülllagern sowie die nicht abgegoltene De-facto-Haftpflichtversicherung kostet? Antworten


Peter Oberholzer

11.07.2010, 10:10 Uhr
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Wenn Frau Bundesrätin Leuthard vom EVD weggeht ist dies für viele eine Freude. Dann wird sie den Satz vom 10.03 «Ich möchte hier in aller Deutlichkeit sagen, dass die Situation, die wir im Bereich des Arbeitsmarktes haben, nicht eine Folge der Personenfreizügigkeit ist.» nie mehr wiederholen! Ich hoffe, die Nachfolger/in wird die notwendigen Veränderungen objektiv und mit frischem Elan angehen. Antworten


hans zumstein

11.07.2010, 09:46 Uhr
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Was heisst hier schon "aufsteigen"? Ein Departementswechsel ist eher ein "umsteigen". Dennoch hoffe ich sehr, dass dieses wichtige Departement UVEK nicht weiterhin von Ideologen und Umwelthysterikern geprägt wird. Jetzt eröffnet sich eine Chance für Realisten! Antworten


Abdul R. Furrer

10.07.2010, 20:02 Uhr
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Wer das Infrastruktur-Departement übernimmt, ist eigentlich nebensächlich. Hauptsache, das "U" wird aus dem UVEK gestrichen und alle damit zusammen hängenden Bundesämter ersatzlos aufgehoben. Schluss mit der Milliarden teuren Umwelt-Hysterie ! Antworten


Jürg Schmid

10.07.2010, 14:44 Uhr
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Sollte Maurer das UVEK übernehmen und dort Radikalabbau betreiben könnte sich der/die neue SP-BR mit einer Radikalkur im VBS revanchieren. Spannende Aussichten! Antworten


Stefan Bachofen

10.07.2010, 13:17 Uhr
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Kann mir nicht vorstellen, dass Ueli Maurer das VBS verlässt. Er ist jetzt erst kurz über ein Jahr dort - und die Probleme sind ja bekanntermassen riesig. Da macht es keinen Sinn die Spitze auszuwechseln. Antworten


Daniel Jaggi

10.07.2010, 12:37 Uhr
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Es ist zu hoffen, dass ein bürgerlicher Bundesrat das UVEK übernimmt! Herr Leuenberger hat schon genug Schaden angerichtet! Die Linke verhinderungs und Bürgerabzocker Mentalität muss unbedingt eingedämmt werden, egal von wem! Antworten


andre tschudin

10.07.2010, 10:48 Uhr
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leuenberger hat jetzt 15 jahre gewurstelt,schlüsselpositionen in die hände der SP gegeben,milliarden wurden verlocht,das muss einfach ein ende haben,frau leuthard wird diesem grossen departement nicht gewachsen sein,für mich nicht relevant, auch genannte damen aus der SP kann man vergessen,denn dieses amt verlangt viel und hat mit parteiengeplänkel nichts zu tun,der beste muss her, nur der beste Antworten


Roland Moser

10.07.2010, 09:22 Uhr
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Natürlich hat Doris Leuthard volkswirtschaftlich "etwas" bewegt. Damit der Markt beim Pflegepersonal weiterhin nicht spielen muss (Löhne müssen steigen!) will sie aus aller Herren Länder in vollen Zügen aus der industriellen Reservearmee Gastarbeiter in die Schweiz importieren. Zudem will sie die direkte Demokratie abschaffen, damit die Schweiz in die EU kann und sie will eine EU-Beitritt der CH. Antworten


kurt habegger

10.07.2010, 09:00 Uhr
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Um Gotteswillen - dann müssten wir uns auch hier mit leeren Worthülsen von Frau Leuthard herumschlagen - oder was hat sie auf ihrer Asienreise festgestellt - Indonesien sei ein Musterland für uns Schweizer - das passt zu den Aeusserungen in der Lybien-Affäre, wo sie sich mit militärischen Fachausdrücken verwickelt hat. Stellen Sie sich vor, Frau Leuthard, das Herumreisen hätte dann ein Ende. Antworten



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