Schweiz

Strafvollzug gefährdet – wegen voller Gefängnisse

Aktualisiert am 11.04.2010

Allein im Kanton Bern müssten rund 3000 Personen hinter Gitter, weil sie eine Geldstrafe nicht ­bezahlt haben. Doch Haftanstalten in der gesamten Schweiz haben ein Problem.

Bekanntes Gefängnis in der Schweiz: Aussenmauer der Strafanstalt Pöschwies.

Bekanntes Gefängnis in der Schweiz: Aussenmauer der Strafanstalt Pöschwies.
Bild: Keystone

Das berichtet die «SonntagsZeitung» in ihrer aktuellen Ausgabe. Insgesamt haben demnach im Kanton Bern in den letzten Monaten 20'000 Personen ein Aufgebot für den Haftantritt erhalten, weil sie trotz Mahnungen und ­Betreibung das Geld schuldig blieben. Die Strafvollzugsbehörden schätzen, dass 17'000 noch in letzter Minute bezahlen werden. Die Entwicklung wird durch das neue Strafrecht, das seit 2007 in Kraft ist, ausgelöst. Mit den Geldstrafen statt kurzen Freiheitsstrafen wollte der Gesetz­geber die Gefängnisse entlasten. Experten warnten schon damals, dass viele Verurteilte die Bussen nicht bezahlen werden.

«Die sogenannten Ersatzfreiheitsstrafen erhöhen gerade jetzt den Druck auf die Gefängnisse, die sonst schon übervoll sind», sagt Roland Hengartner Leiter des Straf- und Massnahmenvollzugs im Kanton Aargau laut dem Zeitungsbericht. Wie die Gefängnisse diesen Ansturm ­auffangen sollen, ist unklar: «Wenn jetzt noch zusätzliche ­Personen eingewiesen werden, müssen wir Notbetten in Warteräumen aufstellen», zitiert das Blatt Marlise Pfander, Leiterin des Regional­gefängnisses Bern.

Die Situation ist in der ganzen Schweiz prekär, so die «SonntagsZeitung» weiter. Alle geschlossenen Haftanstalten meldeten ­Vollbesetzung. Einen Stau gebe es auch wegen der psychisch gestörten Täter, die nach neuem ­Gesetz in einer spezialisierten und streng gesicherten Therapieabteilung untergebracht werden müssten. «Weil es an Therapieplätzen fehlt, besetzen diese ­Täter die Zellen im Normalvollzug», wird Toni Amrein, Leiter des ­Straf- und Massnahmenvollzugs im Kanton Zug, zitiert. Experten ­schätzen laut dem Bericht, dass für diese Täter mindesten 200 Therapieplätze fehlen.

Erstellt: 11.04.2010, 08:03 Uhr

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