Schweiz
Strahlemann vergeht das Lachen
Artikel zum Thema
Die entscheidende Partie der SCL Tigers hat Hans Grunder, Präsident des Langnauer Eishockeyklubs, verpasst, bevor die neue Spielsaison überhaupt erst begonnen hat. Als das Parlament von Langnau im Emmental vergangene Woche eine Staatskrücke von knapp 1 Million für den maroden Hockeyklub deutlich genehmigte, fehlte der BDP-Parteipräsident und Nationalrat. Mit dem Steuergeld soll der traditionsreiche Klub vor dem «Lichterlöschen» bewahrt werden.
Doch das Überleben der Tigers bleibt ungewisser denn je. Der Verein «Rettet den Tiger» sucht derzeit fieberhaft nach Sponsoren. Am Freitag will dessen Präsident, Unternehmer Peter Jakob, bekannt geben, ob und wie er bei den Tigers einsteigt – und damit in die Fussstapfen seines Parteikollegen Grunder tritt. Denn die Gemeinde hat ihr Engagement explizit mit der Bedingung verknüpft, dass der Rettungsverein bei den Tigers die Zügel übernimmt. Im Klartext: Grunder soll das Spielfeld räumen.
Grunder als Pauker
Mit dem Tigers-Debakel steht Hans Grunder, erfolgreicher Unternehmer, preisgekrönter Pferdezüchter, fünffacher Familienvater und treibende Kraft der BDP, vor einem Karrierebruch. Nun hagelt es Kritik. Ein ehemaliges Mitglied des Tigers-Verwaltungsrats, das den Klub «aus Liebe zur Region» bis heute sponsert, spricht von umstrittenen Entscheiden, die Grunder nach dem Motto «entweder ihr folgt mir, oder ich steige aus» durchgepaukt habe. Selbst FDP-Politiker bezeichneten die Spitzenlöhne für ausländische Spieler, welche den Klub fast in den Ruin trieben, im Langnauer Parlament als grössenwahnsinnig. Unter Grunders Leitung hätten die Tigers den Boden unter den Füssen verloren. Die Finanzlage ist derart desolat, dass sich der Klub nicht einmal an der Gründung einer Trägerschaft für den Stadionneubau beteiligen konnte. Ihm fehlten schlicht die notwendigen 50'000 Franken.
Seit Monaten widmet zudem die «Weltwoche» dem BDP-Politiker eine Artikelserie. Die SVP brachte Vorwürfe um Mauscheleien zwischen Grunder und Alt-Bundesrat Samuel Schmid gar aufs politische Parkett. Diese erweisen sich zwar als weitgehend haltlos. Mehrere ehemalige Mitglieder des Tigers-Verwaltungsrats bestätigen aber Berichte der Zeitung, wonach die finanzielle Lage der Tigers schon seit längerem düsterer war, als Grunder eingestehen wollte. Und sie beschreiben Grunders Führungsstil als selbstherrlich.
Grunder sieht sich als SVP-Opfer
Als Grunder 2002 als damaliger SVP-Grossrat in den Verwaltungsrat der Tigers geholt wurde, galt der im Emmental verwurzelte Bauernsohn noch als Hoffnungsträger. Nach internen Turbulenzen übernahm er 2006 das Klubpräsidium. Der Millionär steckte viel Geld in die leere Klubkasse. Dass er 2007 für die SVP mit dem besten Resultat aller Neugewählten in den Nationalrat gewählt wurde, hatte der Erfolgsverwöhnte auch dem Kultstatus der Tigers zu verdanken. Er sei sicher eine Person, die führe, umschreibt Grunder seinen Charakter. Doch im Verwaltungsrat – der seit vier Rücktritten bis Ende 2008 nur noch aus dem BDP-Politiker und einer weiteren Person besteht – sei jeder zu Wort gekommen, und er habe immer demokratisch gehandelt. Bei den Tigers habe er eine «Strategie der Kontinuität» verfolgt. «Mit weniger Ausgaben für die Spieler hätten wir um den Nationalliga-A-Erhalt gezittert und Zuschauer verloren.» Und schliesslich sei er zum Klub gestanden, als alle anderen längst abgesprungen seien. Die Kritik an seiner Führung der Tigers wehrt Grunder primär als parteipolitische Abrechnung der SVP ab.
Für Grunders Partei kommt das Tigers-Debakel zu einem schlechten Zeitpunkt. Erst jüngst machte der beliebte BDP-Regierungsrat Urs Gasche publik, dass er 2010 nicht mehr antreten wolle. Und bezüglich der Couchepin-Ersatzwahl laviert Grunder. Eine Berner Nationalrätin bezeichnet ihn als «wankelmütig»: Einmal unterstütze er die CVP, um dann wieder auf die FDP zu setzen.
Auch die Berner BDP-Nationalrätin Ursula Haller hätte vorerst lieber die Ruhe bewahrt: «Hans Grunder hätte besser die Fraktion konsultiert, bevor er sich äusserte.» Gleichwohl nimmt sie ihren Parteikollegen in Schutz: In der kleinen BDP-Fraktion müssten alle «ungeheuer» viel leisten. Zudem habe sich Grunder seine Mandate nicht immer aussuchen können. Selbst Parteifreunde fragen sich aber, wie er all die Engagements unter einen Hut bringen konnte. Nun will Grunder zumindest ein Spielfeld räumen – auch wenn er sich einen schöneren Abgang gewünscht hätte.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 18.08.2009, 22:13 Uhr





