Schweiz

Swarovski-Perlen für die Fussgängersicherheit

Von Lisa Stalder. Aktualisiert am 27.12.2011 53 Kommentare

Die Fussgängerstreifen in der Stadt Bern sollen besser sichtbar werden. Dabei setzt die Stadt auf einen helleren Gelbton – und auf winzige Glasperlen der weltbekannten österreichischen Firma Swarovski.

Mehr Sicherheit: Jene Balken, die mit Swarovski-Perlen versehen wurden – die zwei links und der dritte zur Hälfte – reflektieren das Licht der Autos deutlich besser.

Mehr Sicherheit: Jene Balken, die mit Swarovski-Perlen versehen wurden – die zwei links und der dritte zur Hälfte – reflektieren das Licht der Autos deutlich besser.
Bild: zvg

Stephan Meyer (links) und Patric Schädeli präsentieren das neue Gelb für Berns Fussgängerstreifen. (Bild: Franziska Scheidegger)

Unternehmen mit Tradition

Die weltweit bekannte österreichische Firma Swarovski produziert nicht nur Schmuck und Kristallfigürchen. Seit mehr als 40 Jahren stellt das Unternehmen auch Mikroglasperlen für Strassenmarkierungen her. 1969 gründete Manfred Swarovski die M. Swarovski GmbH in Amstetten in Niederösterreich, wo er die erste Fabrik für die Herstellung dieser Perlen baute. Heute verfügt die Gruppe, nun mit dem Namen Swarco AG, über 80 Unternehmen in 20 Ländern und beschäftigt 2600 Mitarbeitende. Der Firmensitz ist in Wattens. Neben Glasperlen bietet Swarco heute auch Produkte und Systeme für Verkehrssicherheit und Verkehrsmanagement an. Am Gründungsort Amstetten wurde ein Kompetenzzentrum Glastechnologie eingerichtet, in dem auch Forschung betrieben wird.

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Es ist eine traurige Serie, die landesweit Fassungslosigkeit auslöst: In den vergangenen Wochen sind in der Schweiz bei Unfällen auf Fussgängerstreifen zahlreiche Menschen ums Leben gekommen oder schwer verletzt worden. Allein im Kanton Bern wurden innerhalb von sechs Wochen vier Personen bei Unfällen auf Fussgängersteifen getötet; zuletzt ein 34-jähriger Polizist, der in Täuffelen mit seiner Familie die Strasse überquerte. Von verschiedener Seite wird nun gefordert, die Sicherheit der Fussgängerinnen und Fussgänger zu verbessern. Denn alle sind sich einig: So darf es nicht weitergehen.

Glasperlen für mehr Sichtbarkeit

Genau in dieser Phase der allgemeinen Verunsicherung wartet die Stadt Bern mit einer Massnahme zur richtigen Zeit auf. Bereits im Sommer hat die Stadt nämlich beschlossen, die Fussgängerstreifen in der Bundesstadt ab sofort in einem neuen Gelb auszuführen; ab kommendem Frühling sollen sie zudem eine neue Oberfläche erhalten. Dies mit dem Ziel, die Sichtbarkeit zu erhöhen.

Dabei greift die Stadt zu einem besonderen Mittel: Die Fussgängerstreifen werden mit Swarovski-Perlen versehen. Wer nun aber hofft, sich dereinst an Berns Fussgängerstreifen bereichern zu können, irrt gewaltig. Diese Glasperlen haben mit dem edlen Swarovski-Schmuck oder den putzigen Kristallfigürchen wenig gemein. Es handelt sich hierbei um winzige Perlen, die eigens für Strassenmarkierungen hergestellt werden (siehe auch Kasten). «Dank dem Beimischen von Swarovski-Perlen reflektieren die Fussgängerstreifen das Licht der Autos besonders gut und werden gerade in der Nacht, bei Regen und bei Nebel viel besser sichtbar», sagt Stephan Meyer, Leiter Signalisation beim städtischen Tiefbauamt.

Widerstandsfähige Kügelchen

Der Einsatz von Glasperlen bei Strassenmarkierungen ist gemäss Meyer schon seit langem gang und gäbe. Doch Perle ist nicht gleich Perle: So gebe es sogenannte Niederindexperlen, die sehr widerstandsfähig seien und daher nicht so schnell durch Autopneus abgetragen würden. Der Nachteil: Sie reflektieren nicht sehr stark. «Bei den Hochindexperlen ist es gerade umgekehrt», sagt Meyer. Sie seien zwar stark reflektierend, durch ihre eher weiche Beschaffenheit aber nicht sehr widerstandsfähig. Die Firma Swarco, eine Tochterfirma des österreichischen Kristallglasherstellers Swarovski, habe nun aber eine «sensationelle Perle» entwickelt, die beide Eigenschaften vereine. Auf ihrer Webseite attestiert die Herstellerin den kleinen, titanstabilisierten Kügelchen «eine hervorragende Reflexion und gute Widerstandskraft». Tests haben dies bestätigen können.

Stadt will helleres Verkehrsgelb

Die Berner Fussgängerstreifen sollen aber nicht nur neue Perlen erhalten, sondern auch ein neues Gelb. Während in den vergangenen Jahren für Strassenmarkierungen teilweise das fast schon orange Melonengelb benutzt wurde, setzt die Stadt Bern künftig auf das hellere Verkehrsgelb. Dieses sei für Autofahrer besser zu erkennen, sagt Meyer. Zudem: «Das Melonengelb verliert mit der Zeit seine Nachtsichtbarkeit.»

Damit die Perlen ihre volle Wirkung entfalten können, müssen sie zu einem Drittel aus der Farbe herausschauen. «Das hinzubekommen, ist gar nicht so einfach», sagt Meyer. Erst müsse die Farbe mit einer Nagelwalze aufgetragen werden, nach einem bestimmten Zeitraum würden die Perlen darüber gestreut. Dieser Zeitraum sei je nach Aussentemperatur kürzer oder länger. Auf einen Quadratmeter Farbe werden durchschnittlich 500 Gramm gestreut. Glasperlen, die nicht auf dem Fussgängerstreifen kleben bleiben, werden entfernt. «Liessen wir die Perlen auf der Strasse liegen, wäre diese glatt wie eine Eisbahn.»

Die kleinen Glaskügelchen haben ihren Preis: Gemäss Stephan Meyer werden die Markierungskosten für die Stadt Bern künftig rund fünf Prozent höher ausfallen. 2011 zahlte die Stadt rund eine halbe Million Franken für diese Unterhaltsarbeiten.

Sanierung erfolgt in Etappen

Mit den neuen, perlenversetzten Fussgängerstreifen soll nicht etwa Glamour in die Stadt Bern geholt werden: «Es geht uns um die Sicherheit», sagt Patric Schädeli, Leiter der Abteilung Betrieb und Unterhalt im Tiefbauamt. Zudem müssten die Fussgängerstreifen und andere Strassenmarkierungen sowieso von Zeit zu Zeit aufgefrischt werden; je nach Ort alle drei bis sieben Jahre. Eine solche Anpassung sei denn auch Teil des ganz normalen Unterhalts. Aus diesem Grund würden auch nicht alle Fussgängerstreifen auf einmal ersetzt.

In einigen Jahren wird Bern aber überall über Swarovski gehen – und dies zum Wohle der Sicherheit. (Der Bund)

Erstellt: 27.12.2011, 07:04 Uhr

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53 Kommentare

Ralf Wenger

27.12.2011, 12:01 Uhr
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Als Fussgänger stelle ich oft fest, dass andere Fussgänger völlig kopflos auf die Strasse laufen. So nach dem Motto: ich bin im Recht, also haben alle anderen aufzupassen. Solange die Fussgänger das fast uneingeschränkte Vortrittsrecht haben, wird es immer wieder solche Unfälle geben. Die alte Regelung mit dem Handzeichen war bedeutend besser. Zeichen geben schafft Klarheit. Antworten


Hans müller

27.12.2011, 11:45 Uhr
Melden 23 Empfehlung

Das nützt doch nichts, die Fussgänger müssen besser sichtbar sein, nicht der Streifen, diese sind ja meistens mit Hinweisschildern vorgängig markiert.
Ausserdem sollten sich auch Fussgänger angewöhnen den Verkehr zu beobachten und nicht wie kopflose Hühner auf die Strasse zu rennen und sich den Vortritt zu erzwingen.
Gegen kopflose Überholer nützt aber alles nichts, weder Ampel noch Blitzer...
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