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Swisscoy zunehmend Statthalterin der Nato

Von Daniel Foppa. Aktualisiert am 27.01.2010 12 Kommentare

Die Nato-Truppen in Kosovo ziehen sukzessive ab. In die Lücke springt die Swisscoy. Doch die Zukunft der bedeutendsten Schweizer Friedensmission ist fraglich.

Halten die Stellung: Angehörige der 19. Swisscoy-Einheit bei einer Strassensperre in der Nähe von Suva Reka im Kosovo.

Halten die Stellung: Angehörige der 19. Swisscoy-Einheit bei einer Strassensperre in der Nähe von Suva Reka im Kosovo.
Bild: Keystone

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Swisscoy als Krimivorlage

Die Schweizer Krimiautorin Petra Ivanov schreibt an einem Thriller, bei dem ein Swisscoy-Soldat die Hauptrolle spielt. Ivanov ist zu Recherchezwecken bereits zweimal nach Kosovo gereist. Dabei habe sie festgestellt, wie monoton das Soldatenleben sein könne. Und wie wichtig es sei, stets auf der Hut zu sein – «denn jederzeit kann etwas passieren». (daf)

Im Februar 2008 hat Kosovo seine Unabhängigkeit erklärt. Wirtschaftlich darbt die junge Nation weiterhin: Die Arbeitslosigkeit liegt bei 50 Prozent, und die ökonomischen Aussichten sind düster. Die Sicherheitslage in der ehemaligen Krisenregion hat sich in den letzten beiden Jahren jedoch signifikant verbessert. «Die einheimische Polizei sorgt für Ruhe und Ordnung. Sie hat das Vertrauen der Bevölkerung gewonnen», sagt Matthias Frank, Sprecher der Friedenstruppen in Kosovo (Kfor).

Die Nato hat deshalb den Rückzug ihrer seit 1999 stationierten Truppen eingeleitet. Bis Ende Januar werden gut ein Drittel der 15'000 Soldaten abgezogen. Die Planung für eine Kürzung auf 2500 Mann laufen. «Die Zeichen stehen klar auf Abzug», sagt Frank. Besonders drastisch zieht die deutsche Bundeswehr Truppen ab und überlässt ihre Wohncontainer Studenten. Spanien hat sich bereits vollständig zurückgezogen.

Bis zu 220 Swisscoy-Soldaten bewilligt

Das alles hat vorläufig keine Folgen für den Bestand des Schweizer Kontingents. Das Parlament hat den Einsatz von maximal 220 Swisscoy-Soldaten bis Ende 2011 bewilligt. Und daran soll sich laut Angaben des Verteidigungsdepartements (VBS) vorerst nichts ändern.

Der Abbau der Nato-Truppen führt jedoch zu neuen Aufgaben für die Schweizer. Von den Deutschen und den Franzosen übernimmt die Swisscoy den Auftrag, zwei Verbindungs- und Überwachungsteams zu stellen. Diese Teams leben ausserhalb des Militär-Camps, um den Puls der Bevölkerung zu fühlen. In einer Art Wohngemeinschaft wohnen ein Hauskommandant, ein Unteroffizier und sechs Beobachter mitten unter den Einheimischen. Sie sollen Probleme lösen und Konfliktpotenziale erkennen. Ihre Ausbildung beginnt nächste Woche, der Einsatz am 31. März.

Wissen zum Thema Zwangsheiraten

«Wir bilden die Leute in Gesprächsführung, Vermittlung und auch Gender-Thematik aus», sagt der Ausbildungsverantwortliche Robert Tischhauser. Man vermittle ihnen etwa Wissen zum Thema Zwangsheiraten, die in Kosovo wegen der Clan-Strukturen vorkämen. «In Bosnien bestehen bereits solche Teams», sagt Tischhauser. Die Erfahrungen zeigten, dass Schweizer Milizsoldaten dafür gut geeignet seien.

Neu stellt die Schweiz der Kfor zudem Minen- und Sprengstoffspezialisten zur Verfügung. Damit wird ein österreichisches Team ersetzt, das abgezogen wurde. Zum Einsatz kommen Profis der militärischen Sicherheit.

Ganz im Sinn von Ueli Maurer

Die neuen Aufträge haben zur Folge, dass weniger Soldaten für klassische Infanterieaufgaben zur Verfügung stehen. Die Swisscoy hat denn auch ihre Patrouillen reduziert. All das ist ganz im Sinn von Verteidigungsminister Ueli Maurer, dem bewaffnete Friedenseinsätze ohnehin ein Dorn im Auge sind. Er lässt derzeit eruieren, ob die Auslandseinsätze künftig nur noch durch Spezialisten geleistet werden könnten – in den Bereichen Sanität, Transport und Wasserversorgung.

VBS-Sprecher Sebastian Hueber sagt zwar: «Der Verteidigungsminister hat nicht die Absicht, die Swisscoy abzuziehen.» Experten gehen aber davon aus, dass der Bestand nach 2011 klar reduziert wird. Maurer werde den Abbau der Nato-Truppen dazu gebrauchen, auch die Swisscoy «zurechtzustutzen», heisst es aus Armeekreisen. Denkbar sei eine Aufgabe des Camps in Suva Reka und ein Abzug der Infanteriekompanie. Für SVP-Militärexperte Ulrich Schlüer ist jedenfalls klar: «Der Nato-Rückzug muss Folgen haben. Auch die Swisscoy muss jetzt nach Hause.» Laut ihm ergibt es keinen Sinn, dass internationale Truppen in einem befriedeten Land mit hoher Arbeitslosigkeit präsent bleiben. «Die Kosovaren müssen ihr Land selber aufbauen», sagt Schlüer.

Auch Strategieexperte Kurt R. Spillmann rechnet mit «noch mehr Gegenwind» für Auslandseinsätze. Gleichzeitig ruft er in Erinnerung, dass Friedensmissionen ein verfassungsmässiger Auftrag der Armee seien – «doch dem wird nicht nachgelebt». Tatsächlich beteiligen sich neben den 220 Swisscoy-Soldaten derzeit 50 Schweizer Armeeangehörige an Friedensmissionen im Ausland. Bei einem Armeebestand von total 220'000 Mann.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.01.2010, 09:41 Uhr

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12 Kommentare

Thomas Jauslin

27.01.2010, 08:49 Uhr
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Die Schweiz hat den Kosovo als Staat anerkannt. Somit hat die neutrale Schweiz auch nichts mehr im Kosovo zu suchen! Die Swisscoy soll nach Hause geholt werden und es kann massiv Geld eingespart werden. Antworten


Chris Antenen

27.01.2010, 07:25 Uhr
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In einer Art Wohngemeinschaft wohnen ein Hauskommandant, ein Unteroffizier und sechs Beobachter mitten unter den Einheimischen. Ende Zitat. Ich nehme an, die 6 Beobachter werden durch den Hauskommandanten und den Unteroffizier beobachtet? Wäre nicht untypisch für unser Militär. Mit welchem Wissen glänzt diese Männer-WG vor Ort? Was bringen sie den Kosovaren bei? Riecht sehr streng nach Calmy-Rey. Antworten



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