Schweiz

Tessiner Finanzplatz kann nicht aufatmen

Aktualisiert am 17.12.2009

Italiens Finanzminister Giulio Tremonti lässt nicht locker, um Schwarzgeld seiner Landsleute zurückzuholen, das vor allem in der Schweiz versteckt sein soll. Er kündigt bereits die nächste Steueramnestie an.

«Ein kolossales Manöver»: Giulio Tremonti, Italiens Finanzminister.

«Ein kolossales Manöver»: Giulio Tremonti, Italiens Finanzminister.
Bild: Keystone

Die am 15. Dezember zu Ende gegangene Steueramnestie wertet Italiens Finanzminister Giulio Tremonti als Erfolg. Tremonti spricht von 80 Milliarden Euro, die der so genannte «Scudo fiscale» nach Italien zurückgebracht haben soll. Einige Medien, die sich auf Parlamentarier berufen, nannten in den letzten Tagen gar den Betrag von 110 Milliarden Euro. Ein guter Teil des Schwarzgeldes dürfte bei Banken im Tessin versteckt gewesen sein. Bei der jüngsten Steueramnestie handle es sich um «ein kolossales Manöver» zur Stärkung der italienischen Wirtschaft, frohlockte Tremonti. Gestärkt wurde auch die Staatskasse - mit Einnahmen von 3,7 bis 5 Milliarden.

Nächster «Scudo» bis Ende April

Weil die Steueramnestie offensichtlich gewirkt hat, will der italienische Finanzminister weiter machen, wie die Onlineausgabe der Wirtschaftszeitung «Il Sole/24 Ore» und andere Medien berichten. Nach der heutigen Sitzung liess die Regierung in Rom verlauten, dass im kommenden Jahr abermals eine Steueramnestie lanciert wird. Es ist die vierte seit 2001. Der nächste «Scudo fiscale» dauert vom 1. Januar bis am 30. April 2010.

Gemäss einer Meldung der Nachrichtenagentur Ansa gibt es zwei Fristen mit unterschiedlich hohen Strafsteuern. Italiener, die bis Ende Februar ihre nicht deklarierten Auslandvermögen legalisieren, zahlen eine Strafsteuer von sechs Prozent, danach erhöht sich die Strafsteuer auf sieben Prozent. Bei der Mitte Dezember zu Ende gegangenen Steueramnestie wird den Betroffenen, die ihre Vermögen dem Fiskus melden, eine Strafsteuer von fünf Prozent auferlegt. Der nächste «Scudo fiscale» soll rund 30 Milliarden Euro einbringen. Damit fliesst wieder ein Betrag in Milliardenhöhe in die Staatskasse.

Tessin spürt den «Scudo fiscale»

Eines der Ziele von Tremonti war es, mit der jüngsten Steueramnestie, den Bankenplatz Lugano trockenzulegen. Dies ist ihm zwar nicht gelungen. Gemäss der Tessiner Bankiervereinigung hat der «Scudo» aber spürbare Folgen hinterlassen. Die Rede ist von 30 bis 40 Milliarden Euro, die vom Tessiner Finanzplatz abgezogen wurden.

Im Tessin hätten ein Viertel bis ein Drittel aller italienischen Bankkunden Gebrauch gemacht von der Amnestie, sagte Franco Citterio, Direktor der Tessiner Bankiervereinigung, diese Woche in einem Beitrag von «Echo der Zeit» von Schweizer Radio DRS. Viele Bankangestellte haben Angst, ihren Job zu verlieren. Und diese Ängste sind berechtigt. «Die Steueramnestie bringt vor allem in der Vermögensverwaltung im Tessin den Verlust von 500 bis 1000 Arbeitsplätzen», sagt der Direktor der Tessiner Bankiervereinigung.

Die Steueramnestie wirkt sich auch stark auf die Finanzen von Kanton und Gemeinden aus. Bei einem Budget von 180 Millionen Franken rechnet die Stadt Lugano mit Ausfällen von 30 Millionen, wie Erasmo Pelli, Finanzvorstand der Stadt Lugano, auf Radio DRS sagte.

Das Tessin kann noch lange nicht aufatmen, denn Tremonti gibt sich unnachgiebig, wie er dies heute wieder bestätigt hat. Der Kampf gegen Steuerparadiese werde fortgesetzt, sagt der Finanzminister Italiens. Es lohne sich nicht, Geld im Ausland zu verstecken. (vin)

Erstellt: 17.12.2009, 16:25 Uhr

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