Ueli Haldimann wird wohl Fernsehdirektor auf Zeit

Der heutige Chefredaktor des Schweizer Fernsehens wird neu dessen Direktor – voraussichtlich aber nur vorübergehend. Die SVP will Ueli Haldimanns Ernennung dennoch verhindern.

Fernsehdirektor auf Zeit?: Ueli Haldimann.

Fernsehdirektor auf Zeit?: Ueli Haldimann. (Bild: Keystone)

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Man kann von den Verwaltungsräten der SRG Deutschschweiz viel behaupten, aber nicht, dass sie faul sind. Sie legen einen ordentlichen Sitzungsrhythmus an den Tag. Drei Wochen nachdem sie in einer Nacht- und-Nebel-Aktion den stellvertretenden Radiodirektor Iso Rechsteiner zum interimistischen Radiodirektor erkoren haben, beschloss das gleiche Gremium gestern, auch den neuen Fernsehdirektor ohne öffentliche Ausschreibung zur Wahl vorzuschlagen. Gleich wie Rechsteiner wird also auch Ueli Haldimann, der jetzige Chefredaktor des Schweizer Fernsehens, am 18. Juni vom Regionalrat definitiv gewählt werden.

Die Gewerkschafter des Schweizer Mediensyndikats (SSM) stehen den Schnellschüssen des SRG-Verwaltungsrates üblicherweise kritisch gegenüber. Im Fall der Wahl von Haldimann sind sie aber weniger aufgeregt als auch schon. «Unter dem gegebenen Zeitdruck ist Haldimann die nachvollziehbarste und beste Lösung, wenn auch eine Ausschreibung nötig gewesen wäre», sagt SSM-Mann Ernst Gräub. Haldimann kenne den Betrieb und sei als Stellvertreter der heutigen Fernsehdirektorin Ingrid Deltenre hierarchisch legitimiert.

Rechte schiesst gegen Haldimann

Schärferer Widerstand erwächst dem Vorschlag von der politischen Rechten, allen voran der SVP. Haldimann, Mitautor des Buches «Die unheimlichen Patrioten», hatte Christoph Blocher 1997 als Chefredaktor der «SonntagsZeitung» das falsche Zitat «Holocaustopfer gibt es nicht mehr, die sind ja tot» in den Mund gelegt.

Blochers Ziehsohn Toni Brunner will nun eine stille Absegnung von Haldimanns Wahl verhindern: «Haldimann ist immerhin verurteilt wegen Filmens mit versteckter Kamera. Und es stellt sich die Frage, ob er die unabhängige und neutrale Figur ist, die man sich an der Spitze des grössten gebührenfinanzierten Medienunternehmens wünscht.» Ausserdem werde Deltenre ja nicht per sofort freigestellt, ein bisschen mehr Zeit für eine seriöse Evaluation wäre also geblieben, sagt Brunner. Er hat noch gestern eine entsprechende Anfrage an den Bundesrat eingereicht. Verhindern lassen wird sich die interimistische Einsetzung von Haldimann mit dieser Anfrage indes nicht. Noch nie hat der Regionalrat, das höchste Gremium der SRG, einen Vorschlag des Verwaltungsrats verworfen.

In der jetzigen Situation – nach den Rücktrittsankündigungen von Radiodirektor Walter Rüegg und Fernsehdirektorin Ingrid Deltenre – wäre das auch nicht klug. Die Zusammenführung von Radio DRS und dem Schweizer Fernsehen im Rahmen des Konvergenzprojekts habe zuletzt unter den «verkarrten Verhältnissen» zwischen Rüegg und Deltenre gelitten, sagt ein Radiomitarbeiter.

Rivalitäten entschärft

Rüegg hatte sich öffentlich gegen die Einsetzung Deltenres als Superintendantin für Radio und Fernsehen noch in der Projektphase gewehrt. Mit den beiden neuen Köpfen Rechsteiner und Haldimann dürften die problematischen Rivalitäten zwischen Radio und Fernsehen ein wenig in den Hintergrund rücken. «Sowohl Rechsteiner als auch Haldimann kommen aus dem Journalismus und sind Macher, die sich bis jetzt nicht sonderlich in Hahnenkämpfen hervorgetan haben», sagt ein TV-Mann. Kommt hinzu: Weder Haldimann noch Rechsteiner erwägen laut Insidern, für das Amt des Superintendanten zu kandidieren, das in zwei Jahren besetzt werden muss. Das sind gute Voraussetzungen für eine offene und unvorbelastete Zusammenarbeit zwischen den beiden Direktoren auf Zeit.

Als aussichtsreichster Kandidat für das Amt des Superintendanten wird Radio-DRS-Chefredaktor Rudolf Matter gehandelt, der über eine breite und internationale Erfahrung sowohl im Radio- als auch im TV-Journalismus verfügt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.06.2009, 09:26 Uhr

1 KOMMENTAR

Adolf Kurt Leemann

11.06.2009, 06:05 Uhr

Warum.... werden in den meisten Ländern gar keine Radio- und Fernsehkonzessionen erhoben? Wie lange toleriert das Schweizervolk noch diese "amtliche Bevormundung"? Abwanderung zu Privatsendern, die anscheinend doch bessere Programme mit weniger finanziellen Mitteln herstellen scheinen von den weiterhin staatlich besoldeten Funktionären nicht realisiert zu werden....



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