Valérie Garbani: Eskapaden, Alk und Politik

Aktualisiert am 16.03.2009

Es war eine Eskapade zu viel: Die Neuenburger Stadträtin Valérie Garbani nimmt nach dem neuesten Ausrutscher den Hut. Das ist der logische Schritt einer Politikerin, die Opfer ihres Erfolgs wurde.

Immer wieder abgestürzt: Die Neuenburger Stadtpräsidentin Valérie Garbani.

Immer wieder abgestürzt: Die Neuenburger Stadtpräsidentin Valérie Garbani.

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Es war nur eine Frage der Zeit, bis der Fauxpas folgte, der einer zu viel sein sollte. Valérie Garbani, die Rock`n`Roll-Politikerin, die oft mit einer Harley Davidson unterwegs ist, Heavy Metal hört und den Abend gerne trinkend und rauchend im Bistro verbringt, hat die Konsequenz aus einem Jahr voller Abstürze und Entgleisungen gezogen: Sie tritt von ihrem Amt als Stadträtin Neuenburgs zurück.

Garbani ist es nicht gelungen, aus dem Teufelskreis von Alkohol, Gewalt und psychischen Problemen herauszukommen, in dem sie sich seit April 2008 befindet. In der Nacht auf Samstag muss sie von drei Polizisten aus einem Neuenburger Club geführt werden. Sie protestiert lautstark: «Warum führt ihr mich ab? Ich habe nichts getan.» Offenbar soll sie die Scheibe vor dem DJ-Pult eingeschlagen haben, wie «Le Matin» berichtet. Der Besitzer des Clubs habe Klage wegen Sachbeschädigung eingereicht.

Aufstieg zum «animal politique»

Die Geschichte der 43-Jährigen zeigt: Sie wurde Opfer ihres eigenen Erfolgs. Schon früh musste sie lernen, sich durchzusetzen. Ohne Vater wuchs sie im Arbeiter- und Ausländerquartier Neuenburgs auf. Das Geld für ihr Jus-Studium musste sie selbst aufbringen. Danach gelang ihr jedoch ein rasanter Aufstieg: Bekannt geworden für den Kampf für die Rechte von Immigranten und Asylbewerber, schaffte sie es 1997 ins Neuenburger Kantonsparlament. Zwei Jahre später zog sie in den Nationalrat ein. Und 2004 wird sie zur Stadträtin Neuenburgs gewählt. Seitdem gilt sie als «animal politique», als «starke Persönlichkeit und aktive Politikerin».

Doch der Schein trügt. Hinter der Fassade hat Garbani mit grossen Problemen zu kämpfen. Sie ist mit dem Doppelmandat überfordert, bleibt Sitzungen fern und gerät mit der Polizei in Konflikt. So am 13. April 2008: Garbani kassiert eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch, weil sie die Wohnung eines Freundes um zwei Uhr morgens partout nicht verlassen will. Mit 1,94 Promille im Blut, beschimpft sie die Beamten der Polizei wüst.

Psychisch labil

Garbani wird zwei Wochen darauf trotzdem wiedergewählt. Sie verspricht Besserung und will sich einer Therapie unterziehen. Der Stadtrat gibt ihr eine letzte Chance mit der Androhung, weitere Ausschweifungen nicht mehr zu tolerieren.

Bereits am 14. Juni 2008 ist Garbani jedoch wieder in den Schlagzeilen: Leicht bekleidet schreit sie am Fenster um Hilfe, weil sie ihr Freund geschlagen hat. Später belastet sie ihn wegen häuslicher Gewalt. «Ich habe mehrfach häusliche Gewalt erlitten. Ich bin psychisch labil und nehme Antidepressiva», erklärt sie. Kurz darauf nimmt sie jedoch den Vorwurf gegen ihren Freund zurück und entschuldigt sich öffentlich bei ihm.

Immer mehr leidet nun auch ihre Glaubwürdigkeit unter den Eskapaden. In einer Pressekonferenz erklärte Garbani: «Meine Lage ist die einer alleinstehenden Frau, die das Leben liebt, aber keinen familiären Kokon hat, wo sie ihre Probleme verstecken kann.»

Ruhe in der Anonymität

Im August wird sie wegen Beleidigung und Bedrohung zweier Polizeibeamten zu einer Geldstrafe verurteilt. Ihr psychischer Zustand bleibt fragil: Ein medizinisches Zeugnis bescheidet ihr eine «unbekannte psychische Störung».

Sie wolle sich vor sich selbst schützen, schrieb sie im Communiqué zu ihrem Rücktritt. Der Preis ihrer Bekanntheit, der Druck der Medialisierung sei zu gross geworden. Garbani hofft, in der Anonymität ihre Ruhe wiederzufinden. «Ich möchte nicht in eine Depression versinken.» (reh)

Erstellt: 16.03.2009, 14:18 Uhr

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