Schweiz
Viele Akteure im Fall Burtscher
Von Maurice Thiriet . Aktualisiert am 18.08.2010 41 Kommentare
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Barbara Burtscher hat geflunkert, was ihre Anstellung bei der Nasa betrifft. Doch ihr assistierten Medienleute, die ihre Story ungeprüft übernahmen. Das Verlagshaus Ringier, das Burtscher in der «Schweizer Illustrierten» und im «Blick» zu Wort kommen liess, gesteht Fehler ein. «Sie hat die Texte in der ‹Schweizer Illustrierten› integral gegengelesen und abgesegnet, was uns natürlich nicht von der Verantwortung entbunden hat, dass wir genauer hätten hinschauen müssen», sagt Ringier-Sprecher Edi Estermann.
Die Chefredaktion von «20 Minuten» sagt: «Es gab nie Anlass, an ihren Aussagen zu zweifeln, da diese stets fundiert waren und immer auch von ihr abgesegnet wurden. Skeptisch hätten wir werden müssen, weil sie sich mit News zu ihrer vermeintlichen Nasa-Karriere fast aufdrängte.» Auch der TA machte dreimal den Fehler, über Burtscher zu berichten, ohne ihre Geschichte abzuklären.
Monika Fasnacht schweigt
Monika Fasnacht, in deren «Samschtig-Jass» Burtscher als Promi-Jasserin auftrat, ist die Sache peinlich. Sie will in dem Zusammenhang auf keinen Fall zitiert werden. Marco Meroni, der Sprecher des Schweizer Fernsehens, erklärt: Niemand habe im Schweizer Fernsehen behauptet, Burtscher werde von der Nasa ausgebildet. «Der Grund dafür, dass wir sie eingeladen haben, war, dass da eine junge Astrophysikerin versucht, Astronautin zu werden, und diesbezüglich auch schon einiges unternommen hat.»
Nur: Burtscher wurde für den «Samschtig-Jass» am 20. Februar als «Nasa-Mitarbeiterin» angekündigt, die von der «US-Weltraumbehörde als Lehrerin engagiert» und von der Nasa dazu «ermuntert worden» sei, «sich als Astronautin für Mondflüge zu bewerben». Das Schweizer Fernsehen hat den entsprechenden Programmhinweis auf sf.tv bis gestern Abend nicht korrigiert. Und Kurt Aeschbacher kündigte Burtscher in seiner Sendung gar mit den Worten an, nach ihrer Landung im Spaceshuttle-Simulator habe die «ganze Nasa aufgejubelt».
IWC gibt sich diskret
Auch Sponsoren nutzten den Bekanntheitsgrad von Burtscher ungeprüft, was einen verstärkenden Effekt in der Öffentlichkeit hatte. So sicherte sich etwa die Uhrenherstellerin IWC die Dienste Burtschers. Mit der Folge, dass sie am IWC-Dinner im Januar über den gleichen roten Teppich schritt wie Boris Becker, Zinédine Zidane und Günter Netzer, was ihren vermeintlichen Promistatus weiter aufwertete.
Die Uhrenfirma IWC äusserte sich gestern zum Fall zuerst wie folgt: Barbara Burtscher sei «als medienrelevante und in der Schweiz bekannte Persönlichkeit» an der IWC-Gala «zu Gast» gewesen. Auf mehrfache Nachfrage räumte das Unternehmen schliesslich ein, einen Vertrag mit Burtscher abgeschlossen zu haben. Wie viel Geld im Spiel ist und ob es Rückerstattungsforderungen gibt, ist nicht klar. «Zu vertraglichen Einzelheiten der Zusammenarbeit zwischen Frau Burtscher und IWC möchten wir uns erst nach einem klärenden Gespräch mit ihr äussern», sagt Marketingleiterin Karoline Huber.
Space Travellers distanziert sich nicht
Weniger zurückhaltend äussert sich Andreas P. Bergweiler, Geschäftsführer der deutschen Firma Space Travellers, die dereinst Flüge ins All anbieten will. «Wir unterstützen Barbara sehr gerne bei weiteren Vorhaben», schrieb Bergweiler, nachdem der TA Burtschers Hochstapelei auf die Spur gekommen war. «Wir werden uns nicht von Frau Burtscher distanzieren, da wir wissen, dass sie aussergewöhnlich ist.» Bergweiler legte sich ins Zeug, um den für Burtscher schädlichen TA-Artikel zu stoppen. Nach Erscheinen des Artikels drohte er mit rechtlichen Schritten: «Wir haben Anwälte in Genf mit der Sache betraut, Sie werden von den Herren in den nächsten Tagen hören.»
Ob und wie viel Interesse Burtschers Ex-Freund M. S. an ihren häufigen Medienauftritten trägt, ist unklar. Dem TA sagte Burtscher, dass M. S. ihre Medienpräsenz auch für sich und die noch junge, gemeinsame Treuhandfirma habe nutzen wollen. So liess sich M. S. zusammen mit Burtscher auf dem roten Teppich von IWC für die «Schweizer Illustrierte» ablichten. Und in Interviews erwähnte sie von sich aus jeweils M. S. und die Treuhandfirma. M. S. wollte dazu nichts sagen.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 17.08.2010, 23:33 Uhr
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41 Kommentare
Was ist das Problem? Die Frau ist jung, hübsch, intelligent und weiss, was sie will ... es sind schon Leute mit weniger Qualitäten prominent geworden und vielleicht täte der Schweiz und ihrer Mentalität manchmal ein wenig Hochstapelei ganz gut - zur Zeit sind wir nämlich eher Meister des Gegenteils! Antworten
Diese Geschichte ist m.E. vor allem für den TA peinlich. Gibt es über nichts wichtigeres zu berichten, als eine junge aufstrebende Frau an ihren Träumen und Visionen zu hindern? Dass in den Medien einiges schön- und bessergeredet ist nichts neues; aber deswegen gleich von Hochstapelei zu sprechen finde ich übertrieben. Antworten
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