Schweiz

Viktor Baumeler ist Favorit

Von Maurice Thiriet. Aktualisiert am 16.08.2011

Heute beschliesst der SRG-Verwaltungsrat, wen er als Kandidaten für den Posten des SRG-Präsidenten zur Wahl vorschlägt. Favorit ist Viktor Baumeler.

Ein SRG-Urgestein: Viktor Baumeler, Präsident der SRG Deutschschweiz.

Ein SRG-Urgestein: Viktor Baumeler, Präsident der SRG Deutschschweiz.
Bild: Keystone

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Am 22. September soll Jean-Bernard Münch als Präsident des nationalen SRG-Verwaltungsrates ersetzt werden. Als Favoriten hat der «Sonntag» Viktor Baumeler (Präsident SRG Deutschschweiz), Urs W. Studer (Stadtpräsident Luzern), Raymond Loretan (Ex-CVP-Generalsekretär) und Tobias Trevisan (Geschäftsführer der Frankfurter Allgemeinen Zeitung FAZ) genannt. An der heutigen Sitzung des SRG-Verwaltungsrates sollen einer oder mehrere dieser Kandidaten zuhanden der Delegiertenversammlung zur Wahl vorgeschlagen werden.

Wer nach eigenen Angaben sicher nicht auf dem Wahlticket stehen wird, ist Tobias Trevisan, der gegenüber dem TA jegliche Ambitionen auf den Job dementiert. «Das ist eine Ente. Dieses 50-Prozent-Pensum ist nicht mit meinem Job in Deutschland zu vereinbaren, ich werde deshalb nicht nach Bern reisen», sagt Trevisan, der über die Nennung seines Namens nach eigenen Angaben «verwundert» war.

Mittelmässige Karten hat Raymond Loretan, der einerseits ein Parteikollege der amtierenden Medienministerin Doris Leuthard ist und andererseits den politischen Betrieb in Bern kennt. Dies ist ein Pluspunkt in einer Kandidatur, da die SRG derzeit zwei Kämpfe ausfechten muss. Zum einen gegen nationalkonservative Kreise, die deren Programme redimensionieren wollen, zum anderen gegen die Verleger, die nicht möchten, dass die SRG in ihrem Onlineangebot Werbung machen darf.

Integrativ muss er sein

Ob die SRG-Delegierten aus den vier Landesteilen Loretan nach den unschönen Streitereien in der Unternehmensleitung der Spitalgruppe Genolier allerdings die nötigen Brückenbauer-Qualitäten zutrauen, ist fraglich. Und diese Qualitäten brauche es für das Amt, wie Münch klarstellt. «Wir suchen eine integrative Persönlichkeit, die etwas von Unternehmensführung und Medien versteht», sagt Münch. Bei Letzterem fällt Loretan im Vergleich mit dem zweiten valablen Kandidaten Viktor Baumeler deutlich ab. Der ehemalige Luzerner Staatsschreiber und CVP-Mann Baumeler ist Präsident der SRG Deutschschweiz und ein SRG-Urgestein.

Baumeler aspiriert schon lange auf die Nachfolge Münchs und macht daraus – wenn auch abseits der Öffentlichkeit – keinen Hehl. Zwar betrachten ihn laut gut unterrichteten Kreisen Teile des gesamtschweizerischen SRG-Verwaltungsrates als zu wenig entscheidungsfreudig, um die SRG-Strategie mitzuprägen. Dennoch muss man mit Baumeler rechnen. In der 41-köpfigen Delegiertenversammlung, die den Präsidenten wählt, sitzen 18 Deutschschweizer, die Baumeler gut mobilisieren kann. Schafft er es, noch den einen oder anderen Delegierten aus der lateinischen Schweiz für sich zu gewinnen, hat es jeder externe Kandidat schwer. Kommt hinzu, dass sein Vize, der Baselbieter Kulturchef Niggi Ullrich, ebenfalls SRG-Urgestein, ein Interesse an der Wahl Baumelers hat und ebenfalls für ihn lobbyieren dürfte. Denn Ullrich wäre als Nachfolger Baumeleres und neuer Präsident der wichtigsten Regionalgesellschaft SRG Deutschschweiz so gut wie gewählt.

Für wenig wahrscheinlich halten Insider, dass der Luzerner Stapi Urs W. Studer gegen seinen alten Bekannten Baumeler antritt. Doch bei Wahlen auf SRG-Chefposten ist alles möglich. Ausser eines: dass Jean-Bernard Münch noch bleibt. «Das wird nicht geschehen, das kann ich Ihnen garantieren», sagte der amtierende SRG-Präsident.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.08.2011, 06:55 Uhr

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