Vom Klosterschüler zum radikalen Prediger

An einer Muslim-Demo, die am Samstag in Bern stattfinden soll, tritt ein prominenter Gastredner auf: Der deutsche Ex-Profiboxer und Konvertit Pierre Vogel alias Abu Hamza.

«Ich kenne das alles: Spielhallen, Discos, Frauen»: Pierre Vogel alias Abu Hamza.

«Ich kenne das alles: Spielhallen, Discos, Frauen»: Pierre Vogel alias Abu Hamza.

Wie Pierre Vogel konvertierte

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Kritik an geplanter Demo

SVP-Nationalrat Oskar Freysinger, der am Dienstag über «Al-Jazeera» der arabischen Welt das Schweizer Minarettverbot erklärte, sagt dazu: «Während der ganzen Kampagne zur Minarett-Initiative hat man uns erklärt, es gebe keine extremistischen Islamisten in der Schweiz und jetzt wird eine Person wie Pierre Vogel als Redner bei einer Grossdemo eingeladen. Wenn er wirklich all das ist, was heute eine Zeitung über ihn schreibt, dann verstehe ich die Schweizer Muslime nicht mehr.»

Im Parlament intervenieren will Freysinger deswegen aber nicht. «Die arbeiten ja in gewisser Weise auch für uns», spöttelt der Walliser. «Vogel und Co. sollen ruhig ihre Reden halten, damit das Schweizer Volk erfährt, was radikale Islamisten sind.» Hubert Mooser

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Der Berner Bundesplatz soll am Samstagnachmittag zu seiner Tribüne werden: Pierre Vogel, der deutsche Wahl-Muslim, tritt laut «20 Minuten» als Gastredner an einer Demo gegen die «Islamhetze» auf. Zur Demonstration wird auf Facebook sowie deutschen Internetseiten in Deutschland aufgerufen. Gemässigte muslimische Kreise in der Schweiz haben sich bereits von Vogels Auftritt distanziert, denn der 31-Jährige Prediger des radikalen Islams missioniert seit Jahren unbeirrt für sein Gesellschaftsmodell: Strikte Trennung der Geschlechter, Verschleierung der Frauen, ein Leben nur für die Religion.

Dabei bedient sich Vogel, der sich auch Abu Hamza nennt, vor allem des Internets. So will er möglichst viele Menschen davon überzeugen, zum Islam überzutreten. Dieses Ziel verfolgt er seit Jahren mit heiligem Eifer. Statt auf den Dialog mit den anderen Religionen zu setzen, sagt er, wäre es besser, «wenn alle Menschen Muslime werden». Seine Botschaft kommt an: Millionen haben sich seine Videos bereits angeschaut. Der Erfolg hat sicher auch damit zu tun, dass der bullige rothaarige Ex-Profi-Boxer ein Mann aus dem Volk ist. Zwar kleidet er sich traditionell, mit Kaftan, Häkelkappe und Vollbart – dennoch scheint er bei den jungen Muslimen (und denjenigen, die es werden wollen) anzukommen.

Es ist cool, strenger Muslim zu sein

Die deutschen Sicherheitsbehörden schätzen, dass er einer der einflussreichsten Figuren der islamischen Konvertitenszene in Deutschland ist. Mit Sprüchen wie «Ich kenne das alles: Spielhallen, Discos, Frauen» vertritt er einen neuen, coolen Lebensstil: den strengen Islam. Dieser soll das Leben einfach machen, der Koran regelt alles bis ins kleinste Detail. Eine einfache Welt, unterteilt in gut oder böse. Der Berliner Verfassungsschutz wirft Vogel denn auch vor, die «Radikalisierung von Muslimen» voranzutreiben.

Pierre Vogel, in Bonn geboren, hatte schon als Jugendlicher den Hang, die Welt schwarz-weiss zu sehen: In der Videobotschaft «Mein Weg zum Islam» sagt er, dass er sich schon an der an der katholischen Klosterschule, die er besuchte, an der zu grossen Interpretationsfreiheit der Religionslehrer störte. «Der Islam ist eine rationelle Angelegenheit», so sein Fazit.

Das Wort gilt

So scheint sein Übertritt zum Islam nach der Matur nur logisch. Er beginnt, Islamwissenschaften zu studieren, bricht das Studium jedoch ab. Es folgen Studienjahre in Mekka, wo er 2006 mit dem Predigen anfing. Ein Hassprediger ist Pierre Vogel aber nicht, obwohl er mit Aussagen wie «Es ist falsch, Jesus anzubeten» provoziert. Gewalt und Terror sind für ihn keine Mittel, dies sei unvereinbar mit dem Islam. Trotzdem bleibt ein fahler Nachgeschmack: Anpassungen der religiösen Lehren an das moderne Leben duldet Vogel nicht, die Worte und Taten des Propheten und seiner Gefährten gelten – und zwar wörtlich. Keine Spur von aufgeklärtem Islam. (bazonline.ch/Newsnetz)

Erstellt: 10.12.2009, 14:58 Uhr


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