«Wahrscheinlich werden die Prämien weitersteigen»

Gesundheitsminister Pascal Couchepin über die Folgen des Entscheids, über den Eid auf die Verfassung und seinen Vergleich mit dem König von England.

«Ich weiss, dass viele Leute die Komplementärmedizin wollen.»

«Ich weiss, dass viele Leute die Komplementärmedizin wollen.» (Bild: Reuters)

Herr Couchepin, bereuen Sie es jetzt nach diesem sehr klaren Resultat, dass Sie vor fünf Jahren die Komplementärmedizin aus der Grundversicherung gekippt haben?
Das Volk hat entschieden. Und es ist nicht an mir, das zu bedauern. Denn als ich Bundesrat wurde, habe ich geschworen, die Bundesverfassung und die Gesetze zu respektieren. Und nun haben wir einen neuen Verfassungsartikel.

Haben Sie damals die Stimmung im Volk falsch eingeschätzt?
Nein, überhaupt nicht! Ich weiss, dass viele Leute die Komplementärmedizin wollen. Ich weiss auch, dass viele eine entsprechende Zusatzversicherung haben.

Man weiss, Sie sind kein Freund der Komplementärmedizin . . .
Im Gegenteil! Ich bin ein Freund der Komplementärmedizin; ich brauche sie auch, aber ich bezahle alles selbst.

Was ändert sich nun konkret?
Man wird sehen, wie dieser Verfassungsartikel sich auf die Gesetzgebung auswirkt.

Bis wann können wir damit rechnen, dass irgendeine komplementärmedizinische Methode wieder in der Grundversicherung ist?
Das wird sich weisen. Ich weiss nicht, wie das Parlament die Initiative umsetzen wird.

Für die Patienten wird sich also nicht so rasch etwas ändern?
Wahrscheinlich werden die Prämien weitersteigen. Das ist eine logische Konsequenz dieses Entscheids.

Um wie viel werden sie steigen?
Ich weiss nicht. Das hängt davon ab, wie viele Methoden aufgenommen werden und wie stark sie dann benutzt werden.

Wie müssen Vertreter alternativer Methoden vorgehen, damit diese nun in die Grundversicherung aufgenommen werden?
Es gibt 200 Methoden und 20 000 Therapeuten, und alle können ab sofort Gesuche einreichen. Aber alle müssen dieselben Kriterien erfüllen: Sie müssen wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich sein. Es wird eine ganze Weile dauern, bis man über die Gesuche entscheiden kann.

Gehen Sie davon aus, dass Sie diese Entscheide noch selber treffen werden?
Natürlich! (Lacht.)

Aber für das nächste Jahr wird sich noch nichts ändern?
Für das nächste Jahr sicher nicht.

Also entscheidet das Ihr Nachfolger?
Das entscheidet der Gesundheitsminister. Es ist wie beim König von England. Der Gesundheitsminister stirbt nicht. Wenn einer geht, kommt ein anderer.

Die Befürworter sagen, die fünf gestrichenen Methoden müssten nun schnellstens wieder in die Grundversicherung. Was sagen Sie dazu?
Sie sollen beweisen, dass sie die gesetzlichen Anforderungen erfüllen.


Das kann ich nicht sagen. Ich warte auf die Beweise.

Aufgezeichnet von Verena Vonarburg

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.05.2009, 22:53 Uhr




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