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«Walpens Geheimpolitik erinnert an Berlusconi»

Interview: David Vonplon. Aktualisiert am 28.05.2009 15 Kommentare

Ausgerechnet aus den eigenen Reihen regt sich Widerstand gegen SRG-Generaldirektor Armin Walpen. Als Speerspitze der Opposition tritt SRG-Kader Dieter Niedermann auf: Er wirft der SRG-Führung autokratisches Gebaren vor.

Dieter Niedermann, Präsident der SRG-Trägerschaft Ostschweiz kämpft gegen eine Zentralisierung der SRG-Führung.

Dieter Niedermann, Präsident der SRG-Trägerschaft Ostschweiz kämpft gegen eine Zentralisierung der SRG-Führung.

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SRG-Fusion: «Anspruchsvoller» Fahrplan

Die SRG beabsichtigt, die Medien Fernsehen, Radio und Internet zusammenzuführen. Ab November werden die Details erarbeitet. Ende Mai 2010 schliesslich soll dem Verwaltungsrat SRG für die Umsetzung grünes Licht beantragt werden.

Für Dieter Niedermann scheint dieser Fahrplan «ausserordentlich anspruchsvoll»: «Wenn die Ausarbeitung des Konzepts tatsächlich in diesem Schnellzugstempo gelingt, dann wäre ich überrascht», erklärt er gegenüber baz.ch/Newsnet. Eine Verbesserung der Leistungen oder eine kostengünstigere Produktion der heutigen Leistung könne nur erreicht werden, wenn die SRG ihre Mitarbeiter einbeziehe - «und das braucht Zeit

Die SRG töne seit Anfang Jahr wie ein Free-Jazz-Orchester, schreibt die NZZ, fast jeder trommle und trompete nach seinem Gusto. Was läuft schief?
Ganz klar: Es krankt an der Kommunikationskultur – und das auf allen Ebenen. Da werden an den zuständigen Aufsichtsgremien vorbei Informationen herausgelassen, die für einen grösseren Kreis von Personen wichtig sind und daher stets den Weg an die Öffentlichkeit finden. Dann gibt es Gegendarstellungen, schlussendlich werden Verfahren wieder korrigiert. Und dann will die SRG-Führung nie etwas anderes gesagt haben.

Betreibt die SRG-Führung gezielt eine Desinformationspolitik?
Soweit würde ich nicht gehen. Für mich ist aber Unprofessionalität ein nicht viel geringerer Zustand. Wäre das nicht der Fall, würde die SRG die Dinge ganz bestimmt anders in die Hand nehmen und die zuständigen Stellen von Anfang an ins Boot holen. Die Regeln, wie eine saubere Unternehmenskommunikation auszusehen hätte, sind schliesslich bekannt. Andernfalls käme ich nicht um den Eindruck herum, dass die Kommunikation Mittel zum unguten Zweck wäre.

Und der «ungute Zweck» ist die Machtballung der bestehenden SRG-Generaldirektion?
Genau. Ich möchte mich aber nicht auf Generaldirektor Armin Walpen allein einschiessen – auch wenn er eine zentrale Rolle spielt. Auch der Verwaltungsrat der SRG muss in die Pflicht genommen werden. Er ist schliesslich dafür zuständig, Walpen Grenzen zu setzen. Und zugleich ist es seine Pflicht, zusammen mit dem Generaldirektor auf die Kommandobrücke zu stehen, wenn es brennt. Stattdessen geht er aber auf Tauchstation.

Sie haben unlängst an einer SRG-Mitgliederversammlung die Ähnlichkeiten zwischen Armin Walpen und Medienzar Silvio Berlusconi betont. Wo sehen Sie Parallelen?
Wenn ich von einer Berlusconisierung der SRG spreche, meine ich damit, dass ein immer strengerer Zentralismus Einzug hält. Was der Cavaliere sagt, das gilt – und nichts anderes. Dabei herrscht auch Walpen immer mehr nach der Maxime «L’SRG c’est moi» - und das soll dann offenbar die «idée suisse» sein. Schliesslich erinnert mich auch die Geheim- und Kabinettspolitik der SRG-Führung an jene Berlusconis. Vor allem im Medienbereich, wo es um die Aufrechterhaltung von Meinungsvielfalt geht, muss eine solche Machtkonzentration grösste Skepsis erregen.

Wie weit ist dieses Unbehagen auch an der SRG-Basis verbreitet?
Wenn nur ich so denken würde, dann wäre ich still. Aber als Präsident spreche ich für die ganze SRG-Trägerschaft Ostschweiz. Und da steht man wie ein Mann hinter der Haltung, dass wir nicht auf kaltem Weg von den wichtigen Entscheidungen der SRG ausgeschlossen werden wollen.

Trotzdem sind Sie mit Ihrer Forderung nach mehr Föderalismus im Rahmen der SRG-Reform nicht durchgekommen, die Trägerschaften haben die Zentralisierung durchgewinkt. Wie erklären Sie sich das?
Ich gehe davon aus, dass eine Mehrheit der SRG-Trägerschaften unzufrieden ist, aber das Missfallen mündet nicht in eine Protesthandlung. Aus welchen Gründen das geschieht, ist mir schleierhaft. Wir Delegierten aus den Regionen Ostschweiz und Bern-Freiburg-Wallis haben uns bemüht, bei den Kollegen herauszufinden, was sie davon abhält, für unsere Anliegen einzutreten. Doch wir haben bis auf einige wenige resignative Äusserungen im Sinne von «Wir können ja ohnehin nichts ausrichten» kaum Antworten erhalten.

Wie reagiert die SRG-Zentrale auf Ihre Kritik?
In einigen Fällen hat man versucht, mir einen Maulkorb zu verpassen. Meistens aber passiert gar nichts. Schliesslich bringe ich ja nicht Internas in die Öffentlichkeit, die der SRG schaden. Sondern medienpolitische Themen, die jeden Bürger angehen. Deshalb suche ich auch nur dann die Öffentlichkeit, wenn die Diskussion nicht innerhalb der SRG stattfindet.

Sie werden nun bereits als «Stachel im Fleisch der SRG» («NZZ an Sonntag») bezeichnet. Wie lange werden Sie diese Rolle noch spielen?
Ich habe diese Rolle nicht gesucht, weiche ihr aber auch nicht aus. Ich trete nur deshalb als Kritiker auf, weil ich überzeugt bin, dass in der SRG einiges nicht so läuft, wie es ihrer historisch gewachsenen Struktur einer demokratisch-föderalistischen Trägerschaft entspricht. Und wenn dann gar noch statutenwidrige Absichten bestehen, dann hängt es mir erst recht aus. Das darf nicht sein. Wer sich da nicht zur Wehr setzt, wird übermorgen überhaupt nicht mehr begrüsst. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.05.2009, 14:38 Uhr

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15 Kommentare

Thomas A. Hoffmann

28.05.2009, 13:01 Uhr
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Erstaunlich ist, dass die Führungskultur von Walpen, die 1:1 die macchiavellistische Technik des Vatikans widerpiegelt, erst heute in der Oeffentlichkeit zur Kenntnis genommen wird. Billag=verdeckte Kirchensteuer! Investigativer Journalismus wird nur bei genehmen Themen erlaubt, Ausgeglichenheit findet aber bei der Bemessung der Bezüge der obersten Ebene im Vergleich zur Privatwirtschaft statt. Antworten


Hildegard Bitzius

28.05.2009, 14:06 Uhr
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Gratulation an Herrn Niedermann für seinen Mut, die Dinge beim Namen zu nennen. Das ist nicht SRG-like, wenigstens was die Teppichetagen anbetrifft. Antworten



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