Warum Roche nicht mehr von Tierschützern bedroht wird

Von Maurice Thiriet. Aktualisiert am 04.08.2009

Pharmamulti Roche hat die Zusammenarbeit mit dem Tierversuchslabor HLS eingestellt. Tierschützer hatten auch eine Roche-Erbin massiv eingeschüchtert.

«Drop Huntingdon Life Sciences or you dead!», sprayten militante Tierschützer Im Frühling 2006 an ein Garagentor im Basler Nobelquartier Bruderholz. Das Garagentor gehörte dem Nachbarn einer Roche-Erbin. Gleichentags klebten Unbekannte die Schlösser am Haus eines Roche-Angestellten mit Leim zu und verschmierten das Haus mit Farbe. Obwohl die Tierschützer aus dem Dunstkreis von SHAC im Falle der Roche-Erbin danebensprayten, haben sie ihr Ziel mittlerweile erreicht.

Zusammenarbeit eingestellt

Roche hat die Zusammenarbeit mit dem umstrittenen Tierversuchslabor Huntingdon Life Sciences (HLS) eingestellt. Laut SHAC hat «Roche nach einem Treffen mit Tierschutzaktivisten erklärt, nicht mehr mit HLS zusammenzuarbeiten, und ist damit Ex-Kunde». Eine Roche-Sprecherin wollte sich auf Anfrage zu «Verhältnissen mit Auftragnehmern generell nicht äussern».

Auch wenn Roche sich mittlerweile aus der Schusslinie der militanten Tierschützer genommen hat, bleiben diesen in der Schweiz genügend Ziele. SHAC führt eine detaillierte Liste von Pharma-Unternehmen, die mutmasslich Kunden von HLS sind. 14 davon haben den Geschäftssitz oder eine Filiale in der Schweiz, darunter alle «Top Three Targets».

Auf ihrer Internetpräsenz ruft die SHAC dazu auf, die Firmen und ihre Mitarbeiter per Telefon dazu aufzufordern, die Zusammenarbeit mit HLS einzustellen. Einen expliziten Gewaltaufruf gibt es nicht. Nach Einschätzung des Zürcher Anwalts Robert Briner, der auf Internetrecht spezialisiert ist, sind die Aktionsanleitungen auf der SHAC-Homepage sorgfältig austariert. «Zwar findet sich kein justiziabler Aufruf zur Gewalt, aber es ist auf den ersten Blick klar, dass Gewalt nicht verurteilt wird», sagt Briner.

Basler Polizei ist vorbereitet

Unter den solchermassen angepeilten Zielen von SHAC finden sich vier grosse Basler Chemie-Multis. Die Basler Polizei übt sich trotz der erhöhten Gefahrenlage – nach Anschlägen gegen Einrichtungen, Mitarbeiter und CEO Daniel Vasella von Novartis – in Gelassenheit. «Mit militanten Tierschützern haben wir seit mehreren Jahren zu tun. Wir stehen in ständigem Kontakt mit der Pharmaindustrie», sagt Klaus Mannhart, Sprecher der Kantonspolizei Basel-Stadt.

Zwei der «Top Three Targets» befinden sich im Kanton Zug. Auch dort ist man unaufgeregt. Bis auf einen Vorfall in Daniel Vasellas Wohngemeinde Risch seien keine Übergriffe gegen Pharma-Mitarbeiter angezeigt worden. Dennoch tauscht sich die Zuger Kantonspolizei nach eigenen Angaben derzeit etwas reger mit dem Inlandgeheimdienst DAP über die militanten Tierschützer aus.

Die Ermittlungen im Fall der Friedhofschändung und des Brandanschlags auf Vasellas Tiroler Jagdhütte laufen. Weder die Churer Kantonspolizei noch das Tiroler Landeskriminalamt haben bisher eine Zugehörigkeit der Täter zu englischen Extremistengruppen nachweisen können. Novartis hat aber «keinen Zweifel daran, dass es sich bei den jüngsten Anschlägen in Tirol, Chur, Risch und zuvor in den vergangenen Monaten in der Grossregion Basel um dieselbe militante Täterschaft handelt», wie ein Sprecher sagt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.08.2009, 23:08 Uhr

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