Schweiz
Was der ETH zur internationalen Spitzenhochschule fehlt
Von Matthias Chapman. Aktualisiert am 09.09.2010
Links
Artikel zum Thema
- Warum noch an die Universität?
- Schweizer Unis: «Wir werden überrannt»
- Drei Wochen sind für viele eine zu kurze Pause zwischen Mittelschule und Universitätsstudium
QS-Ranglisten
Insgesamt
1. University of Cambridge GB
2. Harvard University US
3. Yale University US
4. UCL (University College London)GB
5. Massachusetts Institute of Technology US
6. University of Oxford GB
7. Imperial College London GB
8. University of Chicago US
9. California Institute of Technology US
10. Princeton University US
18. ETH Zurich CH
32. ETH Lausanne CH
71. Uni Genf CH
101. Uni Zürich CH
137. Uni Basel CH
152. Uni Lausanne CH
162. Uni Bern CH
Engenierwissenschaften und IT
1. Massachusetts Institute of Technology US
2. Stanford University US
3. University of California, Berkeley US
4. University of Cambridge GB
5. California Institute of Technology US
6. Imperial College London GB
7. University of Tokyo JP
8. ETH Zurich CH
Naturwissenschaften
1. University of Cambridge GB
2. Harvard University US
3. University of Oxford GB
4. Massachusetts Institute of Technology US
5. University of California, Berkeley US
6. Stanford University US
7. Princeton University US
8. California Institute of Technology US
9. University of Tokyo JP
10. ETH Zurich CH
Sie sind populär, vielbeachtet, geben zu reden – und sind sehr umstritten: die Ranglisten der weltbesten Universitäten. Nichtsdestotrotz beobachtet man auch an den Schweizer Forschungs- und Lehrstätten diese Vergleiche ganz genau. Sieben dieser Rankings hat die ETH Zürich im Auge, das jüngste wurde soeben publiziert, das Quacquarelli-Symonds, kurz QS.
Das Resultat: Die ETH Zürich hat weiter Boden gutgemacht und verbesserte sich vom 20. auf den 18. Rang. Noch 2007 wurde sie auf Platz 42 gelistet. «Die ETH Zürich nimmt mit Genugtuung das neuste QS World University Ranking zur Kenntnis», freut sich ETH-Rektorin Heidi Wunderli-Allenspach. Obwohl bei weitem nicht in den Top-Ten, heimst die ETH Zürich erneut zwei beachtenswerte Titel ein: beste kontinentaleuropäische Hochschule und beste Hochschule ausserhalb der USA und Grossbritanniens.
Warum Cambridge, Harvard und Yale top sind
Doch warum kann die ETH Zürich nicht mit den Klassenbesten mithalten? Ein vertiefter Blick in die Zahlen des QS-Rankings bringt Aufklärung: Es bewertet nämlich fünf Bereiche der Forschung und der Lehre – Kunst & Geisteswissenschaften, Ingenieurwesen & IT, Humanwissenschaften, Naturwissenschaften sowie Sozialwissenschaften.
Die drei Gewinnner der QS-Rangliste zum Beispiel – Cambridge, Harvard und Yale – sind in mehreren, wenn nicht in allen Bereichen top. So figuriert Cambridge überall unter den top vier, Klassenbeste ist die Hochschule bei den Naturwissenschaften. Harvard ist ungeschlagen bei den Sozial- und Humanwissenschaften und fällt nur bei Engineering & IT (22) leicht ab.
ETH Zürich ist fokussiert
Anders das Bild bei der ETH Zürich: Zwar gibt es Spitzenränge bei den Naturwissenschaften (10) und im Bereich Engineering & IT (8), die anderen Bereich fallen aber deutlich ab. Bei Kunst & Geisteswissenschaften resultiert gerade mal Rang 144 von 200. Das zieht die Gesamtklassierung deutlich nach unten. Die Fokussierung auf bestimmte Bereiche ist einerseits gewollt, andererseit auch durch die beschränkten Mittel bedingt.
Die fehlende Breite von Forschung und Lehre ist es also, welche der ETH Zürich einen noch besseren Platz in der Rangliste der Top-Hochschulen verwehrt. Würden nur die beiden stärksten Bereiche angeschaut, hätte die ETH Zürich einen Top-Ten-Rang auf sicher.
Kritik an Bewertungskriterien
Nicht nur die Breite, in der die Hochschulen tätig sind, auch die Bewertungskriterien selber sind für das Resultat entscheidend. Hier setzt das QS-Ranking vor allem auf die Reputation. Satte 40 Prozent am Gesamtresultat macht dieser Punkt aus. 15'000 Akademiker wurden hierfür befragt. Weitere wichtige Kriterien sind die Zitierhäufigkeit in Fachzeitschriften (20 Prozent) und das Betreuungsverhältnis von Studierenden zu Lehrenden (20 Prozent).
Wunderli-Allenspach setzt denn auch hier ein Fragezeichen: «Die festgelegten Kriterien können nicht alle Aspekte abdecken, die für eine Hochschule relevant sind.» Und auch die Vergleichbarkeit von Jahr-zu-Jahr-Resultaten hält die ETH-Rektorin nicht für besonders bedeutsam.
Welche Lehren die ETH Zürich aus der Rangliste zieht
Als Anhaltspunkt für Verbesserungen dienen diese Ranglisten aber auch der ETH Zürich allemal: «Die Ranglisten interessieren uns insofern, als wir die Kriterien genau analysieren und schauen, welches für uns die strategisch wichtigen Punkte sind, in denen wir uns verbessern können. Dabei geht es uns um die Verbesserung unserer Forschung und Lehre und nicht um die Platzierung im nächsten Ranking.»
Vorherrschend in der neusten Uni-Rangliste sind übrigens nach wie vor die Amerikaner: 13 der weltbesten 20 Hochschulen sind in den USA zu finden, gefolgt von 4 englischen Unis. Diese Dominanz wird häufig damit erklärt, dass Englisch die bevorzugte Sprache der akademischen Welt sei. Fachpublikationen in anderen Sprachen werden deutlich weniger wahrgenommen und entsprechend weniger häufig zitiert.
Gespanntes Warten auf die Rangliste mit europäischem Blickwinkel
Europäische Akademiker beklagen nun aber immer heftiger eine zu starke Ausrichtung dieser Ranglisten an angelsächsischen Standards. Und hier naht nächstens Abhilfe: U-Multirank, das die EU in Auftrag gegeben hat, soll 2011 erstmals erscheinen und die Topuniversitäten der Welt aus europäischer Sicht beurteilen. Die ETH Zürich wird an der Pilotphase teilnehmen. Und dann vielleicht noch weiter vorne rangieren als im jetzt publizierten QS-Ranking. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 09.09.2010, 13:36 Uhr
Schweiz
Schweiz
Meistgelesen in der Rubrik Schweiz
- 1Roger de Weck in der Kritik
- 2300 Einsprachen gegen Bauprojekte – Initianten gehen auf die Barrikaden
- 3Die Weisheit, nichts, aber auch gar nichts zu tun
- 4Die seltsame Vergabepraxis des Bundesamts für Migration
- 5«Die Schweiz muss intensiver nach Steuerbetrügern fahnden»
- 6Möglicher Euro-Austritt: Bund arbeitet an Notfallplan



































