Schweiz

«Weltwoche»-Vize wird BaZ-Chefredaktor

Aktualisiert am 30.08.2010 56 Kommentare

Die «Basler Zeitung», die Tito Tettamanti gehört, wechselt den Chefredaktor aus. Der neue Mann an der Redaktionsspitze, Markus Somm, kommt von der «Weltwoche».

Journalist mit konservativem Gedankengut: Markus Somm.

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Rund ein halbes Jahr nach der Übernahme durch den Financier Tito Tettamanti bekommt die «Basler Zeitung» (BaZ) einen neuen Chefredaktor: Markus Somm, der zurzeit stellvertretender Chefredaktor der «Weltwoche» ist. Somm gilt als konservativer Journalist. Er veröffentlichte unter anderem Bücher über Christoph Blocher und General Guisan.

Somm (Jahrgang 1965) hat Geschichte und Politikwissenschaft studiert. Seit mehr als zehn Jahren schreibt er über Schweizer Politik: zuerst für den «Tages-Anzeiger», unter anderem als Bundeshaus-Korrespondent in Bern, heute bei der «Weltwoche». Er lebt mit seiner Familie in der Region Zürich.

«Wir verdienen mehr Wahrnehmung»

«Wir wollen nach vorne. Wir verdienen mehr Wahrnehmung»: Das hat BaZ-Verleger Martin Wagner am Montag zum überraschenden Chefredaktorenwechsel bei der «Basler Zeitung» erklärt. Markus Somm sei eine «schweizweit bekannte Persönlichkeit» und stehe für handwerklich guten Journalismus.

Wer im Zeitungswesen guten Journalismus machen könne, werde auch wirtschaftlich überleben, erklärte Wagner an einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz. Somm sei ein «Vollblutjournalist» und werde auch garantieren, dass in der BaZ eine Debatte stattfinde. Die BaZ wolle mit ihm «eine des besten Tageszeitungen» werden.

Zum abrupten Weggang des bisherigen Chefredaktors Matthias Geering und eines der bisherigen Stellvertreters, Raphael Suter, sagte Wagner, diese verliessen die BaZ «in good terms». Beide hätten für die Zeitung wertvolle Dienste geleistet, jetzt aber «im Unternehmen keinerlei Perspektiven mehr gefunden».

Somm sagte, die BaZ sei eine der letzten Tageszeitungen in einer grösseren Schweizer Stadt, die unabhängig von Zürcher Verlagen sei; diese Chance müsse gepackt werden. Wichtig sei ihm die kritische Haltung, betonte er: Er kommentiere oft und stehe zu seiner Meinung, wolle in der BaZ indes vor allem auch eine Debatte anreissen.

Zu allfälligen weiteren Änderungen in der BaZ-Redaktion sagte Wagner, es sei Sache von Somm, die künftige Struktur zu entwickeln. Ein Personalabbau sei nicht vorgesehen. Fest steht gemäss Somm, dass Urs Buess, bisher schon einer der stellvertretenden Chefredaktoren, künftig allein die «Nummer zwei» sein wird.

Fragen zum publizistischen Kurs

Die BaZ war Anfang Jahr von der Basler Verlegerfamilie Hagemann an Tito Tettamanti und Martin Wagner verkauft worden. Der Tessiner Financier Tettamanti hält 75 Prozent der Aktien. Wagner ist Anwalt und Medienunternehmer, er fungiert als Verleger der BaZ. Tettamanti hat keinen Sitz im Verwaltungsrat.

Bei der Bekanntgabe des Besitzerwechsels im letzten Februar hatte es noch geheissen, dass Chefredaktor und Redaktionsstatut der BaZ bleiben sollen. Ein Kurswechsel sei nicht geplant. Mit Somm als neuem Chefredaktor stellen sich aber Fragen über den künftigen publizistischen Kurs des Basler Traditionsblatts.

Somm trägt als stellvertretender Chefredaktor den rechtskonservativen Kurs der «Weltwoche» mit. Der Mann, der bei der Neuausrichtung der Zürcher Wochenzeitung eine Rolle spielte, war Tettamanti. Der Tessiner Financier hatte die «Weltwoche» 2002 übernommen und vier Jahre später an Roger Köppel weiterverkauft. Seither ist Köppel Verleger und Chefredaktor der «Weltwoche». (vin)

Erstellt: 30.08.2010, 10:15 Uhr

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56 Kommentare

Daniel Landwehr

30.08.2010, 12:04 Uhr
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Ein weiterer Schritt zur Medieneinfalt. Profit statt Information. Rechtes Gedankegut, Rechtsrutsch, SVP-Propaganda. Und wieder verschwindet eine Tageszeitung in der Bedeutungslosigkeit. Antworten


Urs Meier

30.08.2010, 13:46 Uhr
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Bei der BaZ wird es zu Massenkündigungen von Abos kommen. Tagi und NZZ dürfen sich freuen. Oder die Leser wandern gleich ganz online ab. Antworten



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