Schweiz
Zu viele akzeptieren den Eigenmietwert nicht mehr
Ein Kommentar von Fabian Renz. Aktualisiert am 24.09.2012 172 Kommentare
Fabian Renz ist Bundeshaus-Redaktor beim «Tages-Anzeiger».
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Artikel zum Thema
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Wie kommt es, dass fast die Hälfte des Stimmvolks eine Vorlage gutheisst, die der klaren Mehrheit dieses Stimmvolks Nachteile brächte? Das Ansinnen, pensionierte Hauseigentümer vom steuerbaren Eigenmietwert zu befreien, vermochte die potenziellen Profiteure offenbar enorm zu mobilisieren. Umgekehrt schienen die Mieter – immerhin 60 Prozent der Bevölkerung – durch die Aussicht auf Steuerausfälle und Sparprogramme nicht übermässig beunruhigt.
Diese Sorglosigkeit haben in erster Linie die Initiativgegner mit ihrer Nicht-Kampagne zu verantworten. Die Dominanz der Initianten und ihrer Argumente im öffentlichen Raum war total. Fast alle Parteien lehnten das Anliegen ab – und kaum eine engagierte sich finanziell dagegen. So kann Demokratie nicht funktionieren.
Thema nicht «ad acta» legen
Als zweite wichtige Erkenntnis aus diesem Urnengang verbleibt dennoch die offenkundige Entsorgungsreife des Systems Eigenmietwert. Das Prinzip, Hausbesitzer in der Steuererklärung mit einem imaginären Einkommen zu belasten, wird von einer sehr grossen Anzahl Menschen in diesem Land nicht mehr akzeptiert. Bund und Kantone sollten das Thema daher nicht «ad acta» legen, wie das nun gefordert wird. Vielmehr sollten sie nach einer breit abgestützten Variante für ein System ohne Eigenmietwert suchen, ohne Bevorzugung einer bestimmten Altersgruppe. Steuerverluste von hunderten Millionen Franken sind dabei nicht hinzunehmen. Doch müssen Linke und Finanzdirektoren ebenfalls Kompromisse eingehen. Mit dem Rechenschieber jedem verlorenen Franken nachzujagen und so vielleicht eine Einigung zu blockieren, ist am Ende wohl kontraproduktiv.
Denn der Hauseigentümerverband will für seine Klientel den grossen Lottogewinn. Diesmal ist er knapp gescheitert. Eines Tages könnte er damit durchkommen.
Erstellt: 23.09.2012, 22:11 Uhr
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172 Kommentare
Der Eigenmietwert gehört ohne WENN und ABER abgeschafft! Genau so wie es ungesund ist, wenn Eigentum auf zu hohen Schulden lastet. Sowohl der Staat wie auch private müssen sich möglichst davon befreien. Der Immobilienmarkt in der CH ist im Verhältnis zum Ausland viel zu teuer, wie auch das Gesundheitswesen, beide sind auf zu hohen Risiken aufgeleist. Wer stoppt diese Preissteigerung? Antworten
Die heutige Regelung mit Eigenmietwert und unbegrenzter Abzugsmöglichkeit der Zinskosten ist nichts weiter als eine gewaltige Subventionierung der Banken. Ausserdem führt die resultierende hohe Verschuldung jegliche "Eigentums"-Förderung ad absurdum.
Sowohl EMV wie Zinskostenabzug gehören abgeschafft! Allenfalls könnte man einen auf 10 Jahre befristeten Abzug für Ersterwerber beibehalten.
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