Schweiz
Wer beim Bund wie viel verdient
Von Mischa Aebi. Aktualisiert am 20.10.2011 228 Kommentare
Erhält einen Bruttolohn von 4168 Franken: Reinigungsangestellter beim Bund. (Bild: Keystone )
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So funktioniert das Lohnsystem der Bundesangestellten
Die Lohnklassen sagen aus, wie viel ein Bundesangestellter in seiner Funktion nach entsprechenden Dienstjahren im Maximum verdienen kann. Eine untere Lohnklassengrenze kennt das System nicht. Wer beispielsweise in der Lohnklasse 23 angestellt wird, jung ist und wenig Berufserfahrung mitbringt, hat unter Umständen einen wesentlich tieferen Lohn als jener, der das Maximum einer tieferen Lohnklasse erreicht hat. Allerdings steigt der Lohn der Bundesangestellten von Jahr zu Jahr steil an bis hin zum Lohnklassenmaximum – vorausgesetzt, der Chef erteilt gute Noten. Von der Beurteilung der Vorgesetzten hängt nämlich die Lohnentwicklung ab. Selbst wer die Note zwei erhält – das ist die zweitschlechteste von vier möglichen Noten –, erhält fürs nächste Jahr noch eine Lohnerhöhung von 1–2 Prozent, wobei es eigentlich noch mehr ist: Denn die Prozente werden nicht auf Basis des effektiven Lohns, sondern auf Basis des Lohnklassenmaximums berechnet.
Wer die Bestnote 4 erhält, bekommt 4–5 Prozent Lohnerhöhung zur Teuerung und zur Reallohnerhöhung hinzu, ebenfalls berechnet auf Basis des Lohnklassenmaximums. Wie lange es im Schnitt dauert, bis ein Bundesangestellter sein Maximum erreicht, kann das eidgenössische Personalamt nicht sagen. Trotzdem ist klar, dass Bundesangestellte das Lohnmaximum verhältnismässig schnell erreichen: Statistisch erhärtet ist, dass 50 Prozent aller Bundesangestellten den höchstmöglichen Lohn ihrer Klasse erhalten.
Zum Vergleich: In der Verwaltung des Kantons Bern sind es gerade mal 2 Prozent, die derzeit den Maximallohn ihrer Gehaltsklasse bekommen.
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Erstmals rückt das Eidgenössische Personalamt jenes Dokument heraus, das man die Lohnbibel der Bundesverwaltung nennen könnte. Das Dokument mit dem Titel «Referenzfunktionen» zeigt, wer in der Verwaltung wie viel verdient. Bis anhin hielt die Behörde es unter Verschluss. Im Dokument ist – viel konkreter als in der entsprechenden Verordnung – festgehalten, in welchen Lohnklassen beim Bund angestellte Webpublisher, Putzfrauen, wissenschaftliche Mitarbeiter und persönliche Mitarbeiter eines Bundesrates eingeteilt sind.
Erfahrene Putzfrau: 4600.–
Beispiel Putzpersonal: Wer beim Bund einfache Putzarbeiten erledigt, wird in der Lohnklasse 1 ein eingeteilt. Sie sieht ein Lohnmaximum von 4600 Franken vor. Dieses erreicht man beim Bund relativ schnell (siehe Kasten): 50 Prozent aller Bundesangestellten sind bei ihrem Lohnklassenmaximum angelangt.
Gegenüber einem Putzmann oder einer Putzfrau in der Privatwirtschaft ist das ein guter Lohn: Gemäss Gesamtarbeitsvertrag für Putzpersonal in der Privatwirtschaft liegt der Minimallohn für einen 48-jährigen ungelernten Raumpfleger mit mehr als sechs Dienstjahren bei gerade mal 3194 Franken – also über 1400 Franken tiefer. Man kann davon ausgehen, dass kaum ein privates Putzinstitut seine Mitarbeiter weit über dem Minimum des Gesamtarbeitsvertrages entlöhnt, sofern es sich nicht um eine höher qualifizierte Putzarbeit handelt.
Lohn eines Chauffeurs
Gegenüber ihren Berufskollegen in der Privatwirtschaft wohl auch eher überdurchschnittlich bezahlt sind beim Bund angestellte Lastwagenchauffeure wie auch die Chauffeure der Bundesräte. Beide sind in der Lohnklasse 10 eingeteilt. Im Verlaufe ihrer Dienstzeit erreichen sie mit etwas Engagement das Lohnklassenmaximum von 6376 Franken pro Monat. Dieselbe Lohnklasse ist auch vorgesehen für Sekretärinnen mit einem Berufsabschluss, die etwa «einfache Korrespondenz nach Stichworten und Diktat selbstständig erledigen» und «Datenbanken führen und überprüfen».
Was Akademiker verdienen
Schwieriger ist der Vergleich bei Funktionen auf akademischer Ebene: Grundsätzlich gilt gemäss dem Dokument des Personalamtes, dass Bundesangestellte in einer Funktion, bei der ein Hochschulabschluss (Master) vorausgesetzt wird, mindestens in der Lohnklasse 24 eingeteilt werden. In diese unterste «akademische» Lohnklasse kommt bereits, wer bloss als einfacher wissenschaftlicher Mitarbeiter arbeitet, ohne Kaderfunktion, ohne spezielle Verantwortung, und abends in der Regel um 17 Uhr das Licht im Büro löschen kann. Ein Bundesangestellter in dieser Lohnklasse erreicht nach den erforderlichen Dienstjahren einen Monatslohn von 11'000 Franken.
Armeechef: 366'000 Franken
Bundesangestellten mit Hochschulabschluss, die Karriere machen wollen, winken die Lohnklassen 25 bis 38. Wer in der obersten Lohnklasse das Maximum erreicht, verdient im Monat 28166 Franken. Das entspricht einem Jahresgehalt von satten 366'000 Franken. In dieser Lohnklasse ist etwa der Armeechef. Die oberen Lohnklassen sind vor allem Leitern grösserer Ämter vorbehalten. Klar ist, dass Spitzenmanager in der Privatwirtschaft mehr verdienen als Spitzenbeamte beim Bund. Das besagt auch eine Studie von Price Waterhouse Coopers. Fraglich ist indessen, wie weit die Position von Spitzenbeamten überhaupt vergleichbar ist mit Managern in der Privatwirtschaft.
Auch ohne Führungsfunktion und ohne spezifisch wissenschaftliches Expertenwissen kann man beim Bund hohe Lohnklassen erreichen. So sind etwa für den persönlichen Mitarbeiter eines Bundesrates die Lohnklassen 30 und 31 vorgesehen. Auf dem Lohnkonto wirkt sich das so aus: Er kann mit einem Jahresgehalt von 204'000 Franken pro Jahr rechnen.
Vergoldete Gerichtsschreiber?
Ein Direktvergleich zwischen Bund und Kanton bietet sich bei den Gerichtsschreibern an: Das Bundesstrafgericht sucht aktuell einen solchen. Dem Neuling winkt die Lohnklasse 28. Nach Absolvierung der entsprechenden Dienstjahre verdient er 13'300 Franken brutto im Monat.
Im Kanton Bern hingegen verdient ein 45- bis 50-jähriger Gerichtsschreiber gemäss Auskunft der kantonalen Finanzdirektion im Monat «nur» rund 11'200 Franken, also mehr als 2000 Franken weniger. Noch grösser wird das Missverhältnis zwischen dem Gerichtsschreiberposten in Bellinzona und jenem in Bern, wenn man bedenkt, dass Lebenskosten und Lohnniveau im Tessin viel tiefer liegen als im Kanton Bern. Das Bundesstrafgericht in Bellinzona ist notabene ein erstinstanzliches Gericht und damit mehr oder weniger vergleichbar mit einem kantonalen. Sowohl für Gerichtsschreiber in Bellinzona wie für jene in Bern sind Juristen mit Anwaltspatent «erwünscht».
Subvention für hohe Beamte
Ob Putzfrau, wissenschaftlicher Mitarbeiter oder Chefin: Wer beim Bund arbeitet, hat neben dem eigentlichen Lohn Anspruch auf zahlreiche grosszügige Zusatzleistungen. Wohl einzigartig in der Schweiz ist die Kinderbetreuung, welche der Bund selbst Beamtenfamilien mit einem Bruttomonatslohn von bis zu 20'000 Franken grosszügig subventioniert. Beispiel aus der Broschüre des Bundes: Ein Bundesangestellter, der zusammen mit seiner Partnerin im Monat Brutto 13'400 Franken verdient, kann beim Bund pro Jahr zusätzlich 15'000 Franken zur Subvention des Krippenplatzes seines Sprösslings einfordern.
Auch etwa bei den Ortszulagen ist der Bund grosszügig: Je nach Arbeitsort erhält ein Bundesangestellter bis zu 500 Franken pro Jahr zum regulären Lohn. (Berner Zeitung)
Erstellt: 20.10.2011, 08:56 Uhr
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228 Kommentare
Wie diese Zahlen beweisen: Die Privatwirtschaft geht mit Geld besser um. Der Staat schlechter. Deshalb ist der Staat klein zu halten. Falls er zu gross wird, sinkt die Zahlungsmoral, die Schattenwirtschaft wird grösser. Geschützte Werkstatt.... Antworten
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