Schweiz
Wer hat das erfunden? «Dä Roge Schawinski natürlich»
Von Matthias Chapman. Aktualisiert am 12.12.2009
Schweizer sind nicht islamophob: Alice Schwarzer. (Bild: SF)
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«Ich hätte nicht für das Minarett-Verbot gestimmt», stellte die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer gleich zu Beginn der Sendung fest. Die Herausgeberin der Frauenzeitschrift «Emma» glaubt aber auch nicht, dass diejenigen Schweizer, die für das Minarett-Verbot gestimmt haben, alle islamophob sind. Die Deutsche brachte damit auch zugleich eine Gelassenheit in die Sendung.
Sichtlich um Ruhe bemüht, stiegen auch Köppel und Schawinski in die Sendung ein. Beide verurteilten vehement die Bemühungen des deutschen Islampredigers Pierre Vogel, am Samstag in Bern auf dem Bundesplatz aufzutreten. Das Bundesamt für Migration hatte ihm eine Einreise verweigert. Schawinski nannte Vogel einen «grässlichen Menschen». Köppel verurteilt auch die Demonstration, die am Samstag in Bern stattfinden soll. «Die Demonstranten haben nicht verstanden, wie die Regeln in der Schweiz sind.»
«Die Leute denken, hat sie eine Bombe in der Tasche?»
Lange dauert es allerdings nicht, bis sich die männlichen Alphatiere in die Haare geraten. Köppel wirft mehrmals Schawinski vor, er hätte Menschen, die für ein Minarett-Verbot sind, in die «Schmuddel-Ecke» gestellt. Schawinski wehrte sich lauthals. Trotzdem hat Moderator Reto Brennwald bis jetzt leichtes Spiel. Anders, als im «Club» vom letzten Dienstag artet die Runde nicht in einer Schlammschlacht aus.
Eine junge Muslimin, die mit Kopftuch in der Sendung auftritt, sieht sich in der Schweiz oft einem gewissen Misstrauen gegenüber. «Die Leute denken, hat sie eine Bombe in der Tasche?», bringt die Frau in die Runde. Köppel mag nicht recht darauf eingehen, fragt aber zurück, warum sich Muslime in der Schweiz nicht klarer von Islamisten distanzieren. Sie glaubt, dass sich die meisten gar nicht äussern können, weil sie die Sprache nicht beherrschten, oder aber Angst hätten, entlassen zu werden.
Kein Hahnenkampf
Die Sendung läuft an Schawinski vorbei. Darum versucht er die Debatte wieder an sich zu reissen. Und das tut er wieder mit einem Angriff auf Köppel. Der «Weltwoche»-Chef verurteile gewisse Teile des Korans, und verlange von Schweizer Muslimen, diese müssten sich auch davon distanzieren. Damit würde er aber die Religionsfreiheit einschränken, was ein Rückfall in vergangene Zeiten darstelle. «Das ist ein Rückfall in den Unsinn, den Du da jetzt erzählst», entgegnet Köppel dem Radio-1-Chef. Aber immer noch ist es nicht der Hahnenkampf, den man befürchten musste.
Beim Stichwort Menschenrechts-Verletzung zückt Köppel die Uno-Charta und zitiert aus dem Büchlein. Der Publizist mag nichts hören von verletzten Menschenrechten. Das Bild des Mannes, der eifrig aus einer Uno-Schrift zitiert erinnert irgendwie an einen Auftritt eines anderen Meisters des effektvollen Auftritts vor wenigen Wochen in New York.
Der Witz des Abends
Langsam geht auch Schwarzer unter. Mehrmals zieht sie das Wort an sich. Ihre Ausschweifungen bis nach Algerien mag aber auch Brennwald nicht in die Sendung einbeziehen.
Den Witz des Abends lieferte Brennwald zum Schluss. Ein Redner in der zweiten Reihe stellte die Frage, wer denn die Minarett-Initiative erfunden habe. Eigentlich wollte der Mann darauf hinweisen, dass dort die Probleme begonnen hätten. Und obwohl die Frage nicht an Brennwald gerichtet war, schiesst es wie eine Gewehrkugel aus ihm heraus «dä Roge Schawinski natürlich». Die Anspielung auf Victor Giacobbos Nachahmer des grossen Schweizer Medienpioniers löst im Publikum schallendes Gelächter aus.
Nichts mehr Neues
Schwarzer wurde von Brennwald mit einer kleinen Indiskretion aus der Sendung verabschiedet. Er zitierte die Deutsche, wie sie ihm noch in der Garderobe gesagt hätte, ein Volksabstimmung bräuchten die Deutschen nicht. Das wollte er nochmals genau wissen und zwar vor ganzem Publikum. Schwarzer nahm ihm das nicht übel und verwies auf die «schwierige Vergangenheit» ihres Landes.
Fazit der Sendung: Man wurde das Gefühl nicht los, dass irgendwie alles in den letzten zwei Wochen schon hundert Mal gesagt wurde. Nichts Überraschendes, nichts Spannendes konnte die «Arena» jetzt noch zu Tage fördern. Und selbst die beiden Rogers erwiesen sich diesmal als vermeintlich starke Konkurrenten. Die öffentliche Debatte über das Zusammenleben von Muslimen und Schweizern – denn darum geht es ja im Grunde - muss sich nun Weiterentwickeln.
(baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 12.12.2009, 08:36 Uhr


