Schweiz

Wie die Bank, so die Krankenkasse

Aktualisiert am 26.05.2010

«Regeln wie auf dem freien Markt»: Der Bundesrat will klare Reservevorschriften und eine schärfere Risikokontrolle für die Krankenkassen.

«Markt hat sich verändert»: Bundesrat Didier Burkhalter will die Aufsicht verschärfen.

«Markt hat sich verändert»: Bundesrat Didier Burkhalter will die Aufsicht verschärfen.

Nach Ansicht des Bundesrats war die Aufsicht über die Krankenkassen in den letzten Jahren zu schwach. Am Mittwoch hat er beschlossen, die Zügel anzuziehen und die Aufsicht über die Krankenversicherer zu verschärfen. Erste Schritte sollen schon in diesem Jahr eingeleitet werden.

Seit der Einführung des Krankenversicherungsgesetztes 1996 habe sich die Situation auf dem Krankenkassen-Markt stark verändert, sagte Gesundheitsminister Didier Burkhalter am Mittwoch vor den Bundeshausmedien. Als Beispiele nannte er die Bildung von Versicherungsgruppen und den starken Kostenanstieg, der nicht nur die Versicherten, sondern auch die Kassen unter Druck setze.

Genau unter die Lupe genommen

Eine tiefgreifende Umgestaltung der Aufsicht sei nötig, um die Effizienz und die Transparenz der sozialen Krankenversicherung zu gewährleisten, sagte Burkhalter. «Wir brauchen ebenso klare Regeln wie für Unternehmen auf dem freien Markt.» Noch steht aber erst in den Grundzügen fest, was der Bundesrat zu unternehmen gedenkt.

So sind etwa neue Vorschriften zur Sicherstellung der Solvenz geplant. Die Mindestreserven der Krankenkassen sollen demnach nicht mehr nach Anzahl Versicherter, sondern nach den vom Versicherer eingegangenen Risiken festgelegt werden. Die Situation jeder Krankenkasse soll künftig genau unter die Lupe genommen werden, kündigte Burkhalter an.

Auch neue Vorschriften im Bereich der Corporate Governance sind geplant. Wer Grundversicherungen anbieten will, soll sich künftig an strengere Anforderungen bezüglich Rechtsform oder fachliche Qualifikation der Mitglieder von Geschäftsleitung und Kontrollorganen halten müssen.

Überzeugende Druckmittel

Burkhalter will den Aufsichtsbehörden auch die Möglichkeit geben, rascher einzuschreiten - etwa wenn eine Krankenkasse in finanzielle Schieflage gerät. Dazu sollen sie auch überzeugende Druckmittel in die Hand bekommen, darunter Bussen oder die Möglichkeit, Verantwortliche des Unternehmens abzuberufen.

Gemäss dem Gesundheitsminister will der Bundesrat noch dieses Jahr ein erstes Massnahmenpaket schnüren und in die Vernehmlassung schicken. Das neue Gesetz und die zugehörigen Verordnungen könnten 2013 in Kraft treten. Schon dieses Jahr sollen dagegen erste neue Vorschriften in Kreisschreiben umgesetzt werden. (oku/sda)

Erstellt: 26.05.2010, 18:04 Uhr

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