Schweiz

Wie die FDP die Krankenkassen heilen will

Aktualisiert am 23.01.2010

Einen Bonus für Gesunde wollte FDP-Chef Fulvio Pelli aufs Parkett bringen – doch die Westschweizer verweigerten ihre Zustimmung. Jetzt steht ein Gesundheitspapier mit konkreten Vorschlägen.

«Gesundheitsland Schweiz»: FDP-Chef Fulvio Pelli mit den Bundesräten Hans-Rudolf Merz (links) und Didier Burkhalter (rechts).

«Gesundheitsland Schweiz»: FDP-Chef Fulvio Pelli mit den Bundesräten Hans-Rudolf Merz (links) und Didier Burkhalter (rechts).
Bild: Reuters

Wer gesund lebt, soll von der Krankenkasse nicht finanziell belohnt werden. Die FDP-Spitze wurde am Samstag in Bern von den Delegierten zurückgepfiffen. Konkret sollte im FDP-Strategiepapier die Forderung nach Bonusmodellen verankert werden: Krankenkassen dürfen ihre Versicherten finanziell belohnen, wenn sich diese etwa an ein Fitnessprogramm halten oder erfolgreich einer Diät unterziehen.

Doch die FDP des Kantons Wallis verlangte die ersatzlose Streichung des entsprechenden Passus'. Nach einer angriffigen Diskussion stimmten 150 Delegierte gegen finanzielle Anreize, 106 dafür. Der Widerstand kam vorab von Delegierten aus der Westschweiz. Ein Vertreter der Walliser Kantonalpartei warnte, dass Bonusmodelle ethisch zweifelhaft und nicht umsetzbar seien. Auch Claude Ruey, Waadtländer Nationalrat und santésuisse-Präsident, stellte sich gegen die Parteileitung. Da half es auch nicht mehr, dass Gesundheitspoltiker Gutzwiller die Gegner auf Französisch umzustimmen versuchte.

Mehr Medizinstudenten

Die weiteren Forderungen des Strategiepapiers mit dem Namen «Gesundheitsland Schweiz» hingegen fanden Zustimmung. So sollen mehr Studienplätze für Medizin geschaffen und eine detaillierte elektronische Patientenkarte eingeführt werden.

Auch müsse der Vertragszwang zwischen Versicherern und Ärzten endlich fallen. Hier meldeten sich allerdings einige kritische Stimmen. Der Tessiner Nationalrat Iganzio Cassis warnte: «Die Vertragsfreiheit ist momentan politisch nicht durchsetzbar.» Damit könne die Partei im Herbst 2011 keine nationalen Wahlen gewinnen.

Rabatt für Ärztenetzwerke

Weiter setzt die FDP auf Managed Care: Jene Versicherten, die sich in Ärztenetzwerken behandeln lassen, sollen weniger bezahlen. Eine entsprechende Vorlage ist zurzeit im Parlament hängig, kam aber bis anhin nur zögerlich voran - unter anderem, weil darin auch die Aufhebung des Vertragszwangs gefordert wird.

Der neue FDP-Bundesrat und Gesundheitsminister Didier Burkhalter dankte der Partei für das Strategiepapier - und appellierte seinerseits an die National- und Ständeräte der FDP, das noch von Vorgänger Pascal Couchepin geschnürte Paket von Sofortmassnahmen rasch zu beschliessen.

(oku/sda)

Erstellt: 23.01.2010, 17:41 Uhr

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