Schweiz
Wie die 'Ndrangheta in der Schweiz vorgeht
«Historischer Tag»
Der italienische Senat hat am Dienstag einen Sonderplan zur Bekämpfung des organisierten Verbrechens gebilligt. Justizminister Angelino Alfano sprach von einem historischen Tag. Der Plan wurde von allen Parteien im Senat unterstützt.
Stärkere Kontrollen sollen gemäss dem Plan verhindern, dass von der Mafia unterwanderte Unternehmen Zugang zu öffentlichen Bauaufträgen erhalten. Hinzu werden Massnahmen zur Bekämpfung des illegalen Handels mit Giftmüll ergriffen, mit dem das organisierten Verbrechens Gewinne in Millionenhöhe macht. Schutz ist für Unternehmer und Kaufleute vorgesehen, die der Mafia Schutzgeld zahlten und ihre Erpresser anzeigen. Ausserdem will Italien eine stärkere internationale Zusammenarbeit mit anderen Ländern im Kampf gegen die Mafia fördern.
Kernelement des Plans ist die Gründung einer nationalen Agentur, die alle von der Mafia konfiszierten Güter verwalten soll: Gesellschaften, Grundstücke und Häuser.
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Untersuchungsrichter Jacques Ducry spricht in einem Bericht von Geldwäscherei sowie Waffen- und Drogenhandel mit Verbindungen nach Zürich, ins Tessin sowie nach Mailand. Kriminelle hätten in Zürich unter anderem zwei Finanzinstitute in den Konkurs geführt und damit das Geld der Kunden angeeignet, schreibt Ducry in seinem Bericht, den er Mitte Juni ans Bundesgericht abgegeben hatte. Dabei geht es um mehrere Dutzend Millionen Franken, wie Ducry gegenüber der Westschweizer Zeitung «Le Temps» vom Mittwoch sagte.
«Unsere Vermutung ist, dass diese Leute der 'Ndrangheta angehören. Hinter den Strohmännern stehen zwei bis drei Personen aus Kalabrien», sagte der Untersuchungsrichter. Mehrere Schweizer seien zudem in den Waffenhandel verstrickt.
Untersuchungen laufen zu langsam
Die Schweiz diene der Mafia einerseits als Ort, wo Firmen zur Geldwäsche gegründet würden. Andererseits hielten sich aber auch Kriminelle in der Schweiz auf, sagte Ducry. «Was mich am meisten beunruhigt, ist die Langsamkeit der Untersuchungen», fügte er an. In diesem Fall habe das Bundesgericht die Voruntersuchung bereits 2002 eröffnet.
Die Ermittler konzentrierten sich zu fest auf einzelne Personen. Wichtiger sei, sass die Ermittlungsarbeit der Kantone mit jenen der ausländischen Behörden koordiniert würden, forderte Ducry. (sam/sda)
Erstellt: 04.08.2010, 18:02 Uhr
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