Wieso Teenager auch künftig auf den Strich gehen

Soll man die Prostitution von unter 18-Jährigen verbieten? Erst meinten Politiker aller Parteien ja, dann plötzlich nein. Das zeigt, wie wichtige Anliegen der Parteipolitik geopfert werden.

Soll man die Prostitution von Minderjährigen verbieten? Die Parteien sind unentschlossen.

Soll man die Prostitution von Minderjährigen verbieten? Die Parteien sind unentschlossen.
Bild: Keystone

Verschiedene Kinderhilfswerke warnten in den letzten Tagen, dass immer mehr Minderjährige ihr Taschengeld mit Prostitution aufbessern. Denn anders als in Österreich und anderen europäischen Staaten dürfen in der Schweiz Jugendliche ab 16 Jahren aanschaffen gehen oder auch als Pornodarsteller auftreten.

Der Bund drückte sich bisher um eine Lösung. Schon 2005 warf darum die heutige Nationalratspräsidentin Chiara Simoneschi (TI) der Regierung Untätigkeit vor. Ihr Parteikollege Luc Barthassat (GE) verlangte drei Jahre später eine Gesetzesänderung. Der Bundesrat müsse die Prostitution unter 18 verbieten. Und er forderte auch harte Strafen für Freier, die sich an minderjährige Dirnen wenden.

Politiker wechselten plötzlich die Seite

Dem Bundesrat ging der Vorschlag aber zu weit. Die Regierung ist gegen ein Verbot der Prostitution für unter 18-Jährige, weil damit Jugendliche kriminalisiert würden. In der vergangenen Sommersession lehnte auch der Nationalrat Barthassats Vorschlag ab und nahm nur eine abgeschwächte Variante von SP-Politikerin Margrith Kiener Nellen an.

Dieser Fall zeigt, wie im Parlament wichtige Anliegen aus parteipolitischen Überlegungen zu Tode geritten werden. Am Anfang war die Motion Barthassat nämlich noch von 28 Nationalrätinnen und Nationalräten aus verschiedenen politischen Lagern mitunterzeichnet worden. Dazu gehörten zum Beispiel Leute wie die Genfer Liberale Martine Brunschwig Graf, SVP-Nationalrat Oskar Freysinger und seine St.Galler Parteikollegin Jasmin Hutter oder auch die Waadtländer SP-Politikerin Ada Marra.

Diese Politiker verweigerten dann aber Barthassat die Gefolgschaft, als die Motion des CVP-Mannes im Nationalrat zur Abstimmung kam.

Die SP trickste die CVP aus

Ein Teil der SP und der Grünen stimmten hingegen bloss für die Motion von Margrith Kiener Nellen (BE). Diese hatte den unbeanstandeten Teil des CVP-Vorstosses, der Strafen für Freier vorsah, für einen eigenen Vorschlag abgekupfert. Die Genossen und die Grünen halfen so der FDP und der SVP, den CVP-Vorschlag zu versenken. Die CVP hingegen unterstützte sowohl Barthassats Vorschlag als auch jenen der SP und hatte mit ihrer Taktik das Nachsehen.

Jetzt ist die CVP sauer und die Wahrscheinlichkeit gross, dass wegen dieser parteipolitischen Spielereien eine Lösung im Kampf gegen die Prostitution von Minderjährigen auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben wird. (bazonline.ch/Newsnetz)

Erstellt: 25.07.2009, 06:53 Uhr

KOMMENTAR SCHREIBEN







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

14 KOMMENTARE

Edith Habermann

08.02.2010, 13:55 Uhr

Wenn sich 16-jährige prostituieren, tun sie dies nicht, weil sie sonst hungern müssten, sondern für Designer Klamotten und sie tragen die psychischen Schäden ein Leben lang mit. Parteiengeplänkel sind bei diesem Thema nur noch menschenverachtend. Das selbe Spiel läuft auch bei der dringend nötigen Ausschaffungsinitiative, für viele Politiker ist sie schlecht, nur weil sie von der SVP kommt.


Andrea Meilinger

08.02.2010, 13:41 Uhr

Ja, ich fürchte auch, dass es in der Praxis sehr schwer sein dürfte, diesen minderjährigen Prostituierten ihr Handwerk zu legen. Im Grunde drückt ihr Tun ja auch nur den Zustand unserer Gesellschaft aus, in der für schnelles Geld moralische Hemmungen oftmals bedenkenlos über Bord geworfen werden. Ob Überzeugungsarbeit bei diesen Frauen überhaupt noch etwas nützen würde, weiss ich auch nicht.


Freddy Luger

24.07.2009, 18:10 Uhr

Lasst es sein wie es ist ein naturtrieb kann man nicht in eine schublade stecken, denke in der schweiz ist immer noch sehr gutes geld zu verdienen, es gibt andere länder wo es nicht so lustig ist. die frauen profitieren ja auch vom sogenannten schuddelecke image man kann teuer anbieten. aber es ist die sache dieser zwei MENSCHEN und nicht die des Staats wenn das alter erfüllt ist.


Kurt Aegeri

24.07.2009, 17:42 Uhr

Man könnte ja auch das Inanspruchnehmen von Dienstleistungen von unter 18-Jährigen unter Strafe stellen. Dann bräuchte man die Mädels nicht zu kriminalisieren. Aber eventuell, das könnte doch immerhin sein, möchten sich die einen oder andern Parlamentarier ja nicht alle Chancen zumauern? Immer wenn es um Prostitution geht, wird "mit gespaltener Zunge" gesprochen.


Danny Zuberbühler

24.07.2009, 17:33 Uhr

Was will man dagegen tun. Sexuell mündig ist man in der Schweiz nun mal mit 16. Und seinen Körper zu verkaufen, ist in unserem Land nun mal auch legal. Da nützt kein Gesetz etwas. Zudem soll jeder selber wissen, was er mit seinem Körper machen will. Unsere Politiker sollten gescheiter sich den wichtigen Themen unseres Landes widmen!


Bojan Antonovic

24.07.2009, 17:30 Uhr

Mit 16: Sex, Prostitution und PornodarstellerIn (!). Aber Abstimmen erst mit 18? Hallo? Scheint so, als hätten Politiker einen Lolita-Komplex.


Robert Minder

24.07.2009, 17:13 Uhr

Politiker sind Hoffnungsträger. Sie tragen unsere Hoffnungen zu Grabe! (Zitat: H.Hubacher, Baz, 24.07.09)


Herbert Soltermann

24.07.2009, 17:07 Uhr

Wenn man den Mädchen mit 16 Jahren sexuelle Mündigkeit zutraut, und das Gesetz tut das, dann kann man ihnen wohl auch zutrauen, selbst zu entscheiden, was sie mit dieser Mündigkeit anfangen wollen. Dass man sie vor den Zwängen des Milieus schützen muss ist klar, aber das kann man nicht mit Verboten erreichen, dafür müsste man endlich die Prostitution aus der Schmuddelecke herausholen.


Rene Huber

24.07.2009, 17:00 Uhr

Die erste Frage, die sich stellt, ist, wie hoch der Anteil resp. wieviele minderjährige Prostiutierte es gibt. Zudem dürfte eine Minderjährige Prostituierte sich auch prostituieren lassen, falls dies nicht erlaubt wäre. Die Frage ist hier viel eher, wieso eine Minderjährige sich prostituieren lässt.


Andre-Marie Ruf

24.07.2009, 16:55 Uhr

Wer hat sich denn dieses weiche System ausgedacht? Erst ab 18 Jahren Pornos kaufen, aber ab 16 schon mitmachen dürfen?! Ist ja lächerlich.


Petra Meier

24.07.2009, 16:54 Uhr

Wie soll man in der Praxis kontrollieren, ob es sich um einen einfachen Quickie oder um Prostitution handelt? Wieder so ein unausgegorener Schnellschuss, der Probleme schafft anstatt zu lösen. Hauptsache, man kann irgendwas verbieten.


Sandra Fürer

24.07.2009, 16:53 Uhr

Hauptsache die Politiker können ihre Hahnenkämpfe austragen. Dass sich die SP am Versenken dieser wichtigen und intelligenten Lösung in die Quere stellt, erstaunt nicht weiter. Politikerinnen und Politiker, bitte denkt auch mal daran, dass ihr eine Verantwortung habt. Wenn ein leichtsinniges Mädchen sich diesem abscheulichen Blödsinn hingibt, gehört es gestoppt, ohne wenn und aber.


Arthur Spieser

24.07.2009, 16:52 Uhr

Seit Menschengedenken gibt es Prostitution und alle Versuche, diese zu unterbinden sind fehlgeschlagen. Also sparen wir uns ein weiteres Verbot, welches eh nicht wirken wird. Die Verbots- und Regulierungswut unserer Politiker und Beamten ist offenbar grenzenlos. Es wäre schon längstens Zeit, die Bevormundung des Schweizer Volks zu stoppen.


Hans Indermaur

24.07.2009, 16:46 Uhr

Da offenbart sich ja der ganze Wahnsinn. Die Politik macht ein Riesendrama ums Rauchen, Prostitution ab 16 Jahren ist offenbar das kleinere Problem. Leider ist es so wie in Nachbarnländern dass man froh ist wenn junges, möglicherweise günstiges Gemüse auf dem Markt ist.



Meistgelesen in der Rubrik Schweiz

Neu: Alle Dossiers auf einen Blick

Bildungsbeilage

Schandflecken oder Denkmäler?

Thomas Minders Kampf gegen die Abzocker

Die Libyen-Affäre

Wer sind die Kompetentesten im Parlament?

Geplatzte Tourismus-Träume




© Tamedia AG 2010 Alle Rechte vorbehalten