Schweiz

«Wir spielen mit der Provokation»

Interview: Reto Hunziker. Aktualisiert am 21.11.2009

Im Januar führte die Juso in Baden eine umstrittene Hausbesetzungsaktion durch. Juso-Chef Cédric Wermuth gibt nun zu: «Das war dilettantisch.»

Cédric Wermuth ist Präsident der Juso Schweiz und Vizepräsident der SP Schweiz. Mit seinen gewagten Aktionen brachte er die Juso immer wieder ins Gespräch.

Cédric Wermuth ist Präsident der Juso Schweiz und Vizepräsident der SP Schweiz. Mit seinen gewagten Aktionen brachte er die Juso immer wieder ins Gespräch. (Bild: Keystone)

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Party missglückt

Am 24. Januar 2009 organisierte die Juso Baden eine Hausbesetzungs-Party im alten Bäderquartier. Die Jungsozialisten wollten damit auf den Wohnungsmangel in der Region aufmerksam machen. Die Aktion misslang: Es kam zu Sachbeschädigungen. Die Juso gibt an, damit nichts zu tun zu haben, dennoch wurde Anzeige wegen Hausfriedensbruchs gegen die Teilnehmer erstattet. Wie das Bezirksamt Baden auf Anfrage von baz.ch/Newsnet erklärt, werden die Strafbefehle in absehbarer Zeit verschickt.

Herr Wermuth, haben Sie schon einen Eintrag im Strafregister?
Nein.

Genau der blüht Ihnen aber. Das Bezirksamt Baden hat wegen der illegalen Hausbesetzung der Juso 32 Strafbefehle erlassen, schreibt die «Aargauer Zeitung». Einer davon geht an Sie.
Das ist falsch. Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen. Und wir haben auch keine Strafbefehle erhalten.

Fühlen Sie sich für dieses Desaster verantwortlich?
Ich kann und will mich nicht von der Aktion der Juso Baden distanzieren. Alle, die bei der Aktion anwesend waren, haben bewusst teilgenommen. Man hat sie darüber informiert, worum es sich bei der Aktion handelt. Grundsätzlich übernehme ich aber die Verantwortung in meiner Funktion als Parteipräsident. Damit muss ich leben.

Würden Sie die Aktion abermals durchführen? Ja. Die Juso wollte auf ein Problem, den Mangel von günstigem Wohnraum, aufmerksam machen. Die Aktion hatte also einen rein politischen Hintergrund. Hingegen war sie dilettantisch organisiert. Das müsste man besser machen.

Sie waren nicht der Initiant…
Ich war zwar an der Sache beteiligt, aber ich habe sie nicht organisiert.

… trotzdem stehen Sie nun im Mittelpunkt und müssen den Kopf hinhalten.
Richtig. Das ist der Preis, den ich als Präsident der Juso Schweiz zahlen muss.

Sind Hausbesetzungen und Demos die richtigen Mittel, um seinen Standpunkt zu vertreten?
Ja, wir profitieren natürlich von der Medienaufmerksamkeit, spielen mit der Provokation. Auch wenn die Gefahr besteht, dass dadurch die eigentliche Botschaft vereinfacht wird.

Sie spielen auch mit Ihrem Bad-Boy-Image.
Das ist Ihre Interpretation.

Bei Juso-Aktionen fragt man sich oft: Was ist Show, was ist Politik?
Wir haben klare politische Anliegen. Schweizweit haben wir in letzter Zeit 15 bis 20 Prozent mehr Neumitglieder und deutlich an politischem Einfluss gewonnen. Dass die mediale Aufmerksamkeit dabei eine grosse Rolle spielt, ist klar. Problematisch wird es für mich erst, wenn kein politischer Hintergrund mehr besteht und es um die reine Selbstprofilierung geht. Das wäre für eine Partei verheerend.

Welche Konsequenzen werden Sie nun aus einem Strafbefehl ziehen?
Ob Strafbefehl oder nicht, spielt keine Rolle. Die Juso muss schon vorher Konsequenzen ziehen – und sich in Zukunft bewusster, länger und genauer überlegen, wie und mit wem man eine Aktion durchführt und mit welchen Konsequenzen man zu rechnen hat. Danach gilt es, abzuwägen, was drin liegt. Das wurde in Baden nicht gemacht. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.11.2009, 16:11 Uhr

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