Schweiz
«Peter Hans Kneubühl ist kein alter Opa»
Von Jon Mettler, Jonathan Spirig, Martin Sturzenegger. Aktualisiert am 10.09.2010
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(Video: Keystone )
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Wie die Kantonspolizei Bern am Freitag in der Pressekonferenz bestätigt, befindet sich Peter Hans Kneubühl immer noch auf der Flucht. «Wir wissen nicht, wo sich der Flüchtige nun befindet», räumte François Gaudy, Chef der Regionalpolizei Seeland Berner Jura, am Freitag vor den Medien ein. Man suche aber weiterhin sehr intensiv nach dem Rentner. Die Bevölkerung müsse keine Panik haben, es gelte aber, Vorsicht walten zu lassen und Beobachtungen sofort zu melden.
Bei der Fahndung nach dem flüchtigen Rentner soll es möglichst keine Toten geben, sagte François Gaudy. «Doch diese Doktrin hat ihre Grenzen», führte Gaudy aus. «Auch wir müssen unsere Massstäbe eventuell ändern. Wenn wir angegriffen werden, müssen wir uns verteidigen». Welche Befehle oder Befugnisse die Polizisten vor Ort haben, sagte Gaudy aus taktischen Gründen nicht.
«Kein alter Opa»
Der Mann sei nicht «ein alter Opa», sondern müsse relativ fit sein. Der 67-Jährige habe gezeigt, dass er äusserst gewalttätig gegenüber der Polizei sei – gewalttätiger, als man sich das vorgestellt habe. Ausserdem habe er gegenüber der Polizei einen Vorsprung, vielleicht habe er sich sogar Tage oder Wochen vorbereitet.
Um 9 Uhr morgens durchsuchte die Polizei das Haus des Täters. In Biel sind die Polizeisperren im Lindenquartier mittlerweile aufgehoben worden. Laut einem SDA-Journalisten vor Ort ist die Situation im Quartier ruhig. Nur ein Perimeter rund um das Haus des flüchtigen Rentners bleibt abgesperrt. «Peter Hans Kneubühl ist weiterhin auf der Flucht», sagt die Mediensprecherin der Kantonspolizei Bern gegenüber baz.ch/Newsnet. Wie die Kapo Bern mitteilt, herrscht im Quartier immer noch höchste Sicherheitsstufe. Die Strassensperre sei dennoch grösstenteils aufgehoben und das Schulhaus Linden bleibt evakuiert.
Freie Bewegung im Quartier
Um 7.20 Uhr verliess eine Elitetruppe von Polizisten die Zone, wie der SDA-Korrespondent beobachtete. Die Quartierbewohner können sich inzwischen wieder frei bewegen. Die Eltern von Schulkindern des Quartiers wurden aber vorgewarnt, dass am Freitagmorgen kein Unterricht stattfinden sollte.
Der 67-jährige flüchtige Rentner war gegen drei Uhr erneut im Lindenquartier aufgetaucht und hat dabei in der Nähe seines Hauses auf die Polizei geschossen. Verletzt wurde laut Polizeiangaben niemand. Die Polizei erwiderte das Feuer, ohne jedoch den Flüchtigen festnehmen zu können.
Widerstand gegen Zwangsversteigerung
Die Polizei hat am Donnerstagabend eine Personenbeschreibung des Mannes herausgegeben, der in Biel einen Polizisten angeschossen hat und seither auf der Flucht ist. Peter Hans Kneubühl ist laut Polizei 67 Jahre alt, zwei Meter gross und von schlanker Statur. Er hat weisse Haare und einen weissen Stoppelbart. Zum Zeitpunkt der Flucht trug er ein helles Hemd und dunkle Hosen. Die Polizei veröffentlichte ein Bild von Kneubühl aus den 1980er-Jahren, dazu ein Bild von dessen Vater, dem Kneubühl ähnlich sehen soll.
Der 67-jährige Mann hatte sich am Mittwochmorgen in seinem Haus im Bieler Lindenquartier verschanzt, weil es zwangsversteigert werden sollte. Verschiedene Behördenstellen versuchten, mit ihm Kontakt aufzunehmen. Danach bemühten sich auch Spezialisten der Polizei, mit dem Mann ins Gespräch zu kommen.
Ohne Vorwarnung geschossen
«Ich erlebte ihn immer sehr positiv. Ein intelligenter, ruhiger, aber in sich gekehrter Mensch. Seit dem Tod seiner Eltern beschäftigte er sich nur noch mit dem Haus. Und plötzlich sah man ihn nirgends mehr. Nur nachts hörte man ihn noch werken», beschreibt Delia Bornhauser ihren Nachbarn Kneubühl gegenüber «Blick online».
In der Nacht auf Donnerstag trat der Rentner kurz nach ein Uhr plötzlich aus dem Haus. Ohne Vorwarnung eröffnete er das Feuer auf die Einsatzkräfte. Dabei traf er ein Mitglied der Spezialeinheit Enzian aus nächster Nähe am Kopf, obschon der Mann einen Helm trug. Der Verletzte wurde nach Bern ins Spital gebracht und operiert. Sein Zustand ist zurzeit stabil.
Mit Helikopter gesucht
Nach diesem Vorfall suchten die Einsatzkräfte die Liegenschaft und die Umgebung ab. Im Einsatz standen Spürhunde und ein Super-Puma der Schweizer Armee mit einer Wärmebildkamera. Am Donnerstagnachmittag stand definitiv fest, dass der Mann sich nicht mehr im Haus aufhielt.
Aus Sicherheitsgründen waren bereits am Mittwoch mehrere Gebäude des Bieler Quartiers evakuiert worden. Das Gebiet wurde grossräumig abgesperrt. Die Polizei musste 40 Nachbarn in Sicherheit bringen. Einige wurden in Zivilschutzanlagen untergebracht, andere kamen bei Bekannten unter.
Auch die Schule des Quartiers mit 330 Kindern und Jugendlichen wurde geschlossen. Die älteren Schüler kehrten selbständig nach Hause zurück, während die jüngeren mit einem Bus ins Stadtzentrum gebracht wurden, wo sie von den Lehrpersonen betreut wurden.
Prüfung eines Freiheitsentzugs
Der gesuchte Rentner hätte vor dem Zwischenfall einem Psychiater zur Begutachtung zugeführt werden sollen, wie Regierungsstatthalter Werner Könitzer sagte. Er bestätigte damit einen Bericht der Sendung «Schweiz aktuell» des Schweizer Fernsehens vom Donnerstag.
Der Statthalter hatte Massnahmen zur Prüfung eines fürsorgerischen Freiheitsentzugs eingeleitet. Aufgrund verschiedener Briefwechsel habe man nämlich eine Drohung ableiten können, sagte Könitzer. Aus den Briefen des 67-jährigen Mannes sei hervorgegangen, dass diese Person verwirrt ist.
Spekulationen über Gründe
Der 67-Jährige ist Mitbesitzer der Liegenschaft im Bieler Lindenquartier in der Nähe der Bieler Stadtzentrums. Warum das Haus zwangsversteigert werde, sagte der Regierungsstatthalter nicht. Versäumte Zahlungsverpflichtungen an die Banken oder Uneinigkeit unter einer Erbengemeinschaft wären mögliche Gründe.
Die meisten Nachbarn im Lindenquartier kennen den Rentner nicht oder beschreiben ihn als introvertiert. Über seine Flucht kursieren verschiedene Gerüchte, welche die Polizei aber nicht kommentiert. Gesehen wurde etwa wie Einsatzkräfte mit Spürhunden im benachbarten Waldstück nach dem Mann suchten. Nach wie vor steht die Polizei mit einem Grossaufgebot im Einsatz.
Hinweise erbittet die Polizei an die Nummer 031 634 34 34. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 10.09.2010, 07:49 Uhr
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