Schweiz
Worum geht es bei der heutigen Abstimmung?
Aktualisiert am 11.03.2012 2 Kommentare
Zweitwohnungsinitiative
Die Initiative verlangt, dass der Anteil Zweitwohnungen pro Gemeinde maximal 20 Prozent betragen darf. Bemessungsgrundlage ist der «Gesamtbestand der Wohneinheiten und der für Wohnzwecke genutzten Bruttogeschossfläche». In Gemeinden, in denen die 20-Prozent-Grenze bereits überschritten ist, würde die Bestimmung einen Baustopp für Zweitwohnungen bedeuten. Hingegen müssten keine bestehenden Zweitwohnungen abgerissen werden. Würde die Initiative angenommen, müsste das Parlament den Begriff «Zweitwohnungen» im Gesetz genau definieren. Die Initianten haben jene Nebenwohnsitze im Visier, die nur wenige Wochen pro Jahr von ihren Besitzern genutzt werden und ansonsten leer stehen.
Bausparinitiative
Die Initiative will das Baselbieter Bausparmodell auf eidgenössischer Ebene verankern. Sie sieht einen jährlichen Steuerabzug von maximal 15 000 Franken pro Person für Bauspareinlagen vor. Zusätzlich können jene, die ein Eigenheim besitzen, 5000 Franken pro Jahr für Energiesparinvestitionen auf ein Konto einzahlen und von den Steuern abziehen. Ferner sind staatliche Bausparprämien steuerfrei. Die Abzüge können während zehn Jahren getätigt werden, gelten aber nur für die Staats- und Gemeindesteuern, nicht für die Bundessteuer. Die Bausparinitiative sieht sich als föderalistisches Instrument. Kein Kanton wird gezwungen, Bausparabzüge einzuführen. Letztlich wurde die Initiative lanciert, um das Baselbieter Modell zu legitimieren. Dieses verstösst gegen Bundesrecht.
Initiative 6 Wochen
Ferien für alle
Die Volksinitiative will das Recht auf 6 Wochen Ferien für alle Arbeitnehmer in der Verfassung verankern. Der Initiativtext sieht vor, dass sich der Ferienanspruch im Jahr nach Annahme des Volksbegehrens auf 5 Wochen erhöht. In den folgenden 5 Jahren steigt der Anspruch jeweils um einen Tag. Die Idee dahinter ist, so einen gezielten und wirksamen Ausgleich für die gestiegene Belastung am Arbeitsplatz zu schaffen. Derzeit beziehen die Arbeitnehmer in der Schweiz im Durchschnitt fünf Wochen Ferien.
Bundesbeschluss
zu Geldspielen
Der «Bundesbeschluss über die Regelung der Geldspiele zugunsten gemeinnütziger Zwecke» schreibt auf Verfassungsstufe fest, was heute erst gesetzlich geregelt ist: Reinerträge von Lotterien, Sportwetten und Spielcasinos sollen Kulturveranstaltungen, Sportevents und sozialen Anliegen zufliessen sowie der AHV und der IV. Der Beschluss ist ein Gegenentwurf zur Volksinitiative «für Geldspiele im Dienste des Gemeinwohls», die zurückgezogen wurde. Hinter der Initiative standen staatliche Anbieter von Glücksspielen sowie mehrere Kantone. Mit dem Anliegen wollten sie sicherstellen, dass die Erträge angesichts privater Konkurrenz im Internet weiterhin dem Staat zugutekommen. Private Onlinespiele sind in der Schweiz verboten, das Verbot lässt sich aber kaum durchsetzen.
Buchpreisbindung
Bis vor fünf Jahren garantierten in der Deutschschweiz Absprachen zwischen Verlagen und Buchhändlern die Bindung an einen vorgegebenen Preis. Dann erklärten die Wettbewerbsbehörden dies für unzulässig. Nun will das Parlament die Buchpreisbindung in einem Gesetz verankern. Dagegen wurde das Referendum ergriffen. Das Gesetz sieht vor, dass Verleger und Importeure die Verkaufspreise festsetzen, die dann für die Buchhändler verbindlich sind. Erlaubt sind bloss Rabatte bis zu fünf Prozent. Sind die Buchpreise gegenüber dem Ausland zu hoch, so kann der Preisüberwacher beim Bundesrat beantragen, maximal zulässige Preisdifferenzen zum Ausland festzulegen. Von der Preisbindung ausgenommen sind E-Books.
Zweitwohnungsinitiative
Bis vor fünf Jahren garantierten in der Deutschschweiz Absprachen zwischen Verlagen und Buchhändlern die Bindung an einen vorgegebenen Preis. Dann erklärten die Wettbewerbsbehörden dies für unzulässig. Nun will das Parlament die Buchpreisbindung in einem Gesetz verankern. Dagegen wurde das Referendum ergriffen. Das Gesetz sieht vor, dass Verleger und Importeure die Verkaufspreise festsetzen, die dann für die Buchhändler verbindlich sind. Erlaubt sind bloss Rabatte bis zu fünf Prozent. Sind die Buchpreise gegenüber dem Ausland zu hoch, so kann der Preisüberwacher beim Bundesrat beantragen, maximal zulässige Preisdifferenzen zum Ausland festzulegen. Von der Preisbindung ausgenommen sind E-Books.
Initiative 6 Wochen
Ferien für alle
Die Initiative lanciert hat der Gewerkschaftsdachverband Travailsuisse. SP und Grüne unterstützen das Volksbegehren. Tempo und Hektik in der Arbeitswelt hätten massiv zugenommen. Mit den zusätzlichen Ferien soll ein Ausgleich zur gestiegenen Arbeitsbelastung geschaffen werden. Die zusätzlichen Ferien seien eine lohnende Investition, da die Mitarbeiter so ausgeruhter und damit produktiver seien. Laut Travailsuisse verursachen Krankheitsausfälle und Fluktuationen, die auf Stress am Arbeitsplatz zurückzuführen sind, den Unternehmen und der Gesellschaft Kosten in der Höhe von 10 Milliarden Franken. Die volkswirtschaftlichen Kosten einer Umsetzung der Initiative seien im Gegensatz dazu deutlich kleiner.
Bundesbeschluss
zu Geldspielen
Der Bundesbeschluss ist beinahe unumstritten. Mit SVP, SP, FDP, CVP, Grünen, GLP und BDP haben sämtliche grossen Parteien die Ja-Parole beschlossen. Der Bundesrat und das Parlament haben sich ebenfalls für die Vorlage ausgesprochen. Ebenso die betroffenen Anbieter von Glückspielen, hinter denen im Fall von Swisslos, der Sport-Toto-Gesellschaft und der Loterie Romande die Kantone stehen. Die Anbieter haben nach Einreichen ihrer Initiative am Gegenentwurf mitgearbeitet und ihr Anliegen zurückgezogen. Der private Schweizer Casino Verband spricht sich ebenfalls für die Verfassungsbestimmung aus, von der die Casinos nach eigenen Angaben indes nicht direkt betroffen sind.
Buchpreisbindung
SP, Grüne, CVP und EVP sind für die Buchpreisbindung. Der Bundesrat ist verpflichtet, sich ebenfalls für das Gesetz auszusprechen, obwohl er dieses ursprünglich ablehnte. Die Befürworter argumentieren, nur mit fixen Preisen könne ein dichtes, flächendeckendes Buchhandlungsnetz aufrechterhalten werden. Ohne Preisbindung würden Discounter wie Ex Libris die kleinen Buchhandlungen mit einer aggressiven Preispolitik bedrängen und diese schliesslich zum Verschwinden bringen. Die meisten Buchhändler sind denn auch für die Einführung der Buchpreisbindung. Ihnen zufolge würden die Preise sogar fallen. Zudem handle es sich bei der Preisbindung um «eine Art Buchförderung, die den Steuerzahler keinen Rappen kostet».
Bausparinitiative
|
Für das Volksbegehren setzen sich der Hauseigentümerverband sowie FDP, SVP, BDP und CVP ein. Bei der CVP haben allerdings zahlreiche Kantonalparteien aus der Deutschschweiz die Nein-Parole gefasst. Lanciert und getragen wird die Initiative von einem Komitee um den früheren Baselbieter FDP-Nationalrat Hans-Rudolf Gysin. Die Befürworter verweisen auf den im internationalen Vergleich tiefen Anteil an Eigenheimbesitzern. Laut Umfragen wünschten sich aber viele Mieter, in den eigenen Wänden zu wohnen. Die Bausparabzüge würden es vor allem dem Mittelstand ermöglichen, den Traum vom Eigenheim zu erfüllen. Dies zeige das Beispiel Baselland. Zudem sei der Staat laut Bundesverfassung verpflichtet, das Wohneigentum zu fördern. |
Zweitwohnungsinitiative
Der Bundesrat und alle bürgerlichen Parteien inklusive Grünliberale lehnen die Initiative ab; auch von Kantonen und Wirtschaftsverbänden kommt Widerstand. Die Gegner anerkennen zwar, dass der Zweitwohnungsbau problematische Ausmasse angenommen habe. Die 20-Prozent-Regel sei aber zu starr und gefährde die Wirtschaft in den Randregionen. Auch sei zu befürchten, dass die Initiative zu Baudruck in jenen Gemeinden führen würde, welche die 20-Prozent-Grenze noch nicht erreicht hätten. Zur Lösung der Probleme sei der 2011 in Kraft getretene Gegenvorschlag besser geeignet. Dieser verpflichtet die Kantone, in ihren Richtplänen Gebiete mit besonderem raumplanerischen Handlungsbedarf zu bezeichnen. ( fre)
Initiative 6 Wochen
Ferien für alle
Bundesrat, bürgerliche Parteien und Wirtschaftsverbände lehnen die Initiative ab. Sie argumentieren, dass eine Annahme der Ferieninitiative die ohnehin schon hohen Arbeitskosten weiter nach oben treibe. Das könne sich die Schweiz gerade angesichts der unsicheren Wirtschaftslage nicht leisten, denn Folge davon wäre eine massive Verschlechterung der Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem Ausland. Die Anhebung des Ferienanspruchs auf sechs Wochen würde die Wirtschaft mit 6 Milliarden Franken im Jahr belasten. Für kleine und mittlere Unternehmen sei dies nicht verkraftbar, da es diesen an Flexibilität beim Personal fehle. Im Übrigen seien mehr Ferien auch nicht das geeignete Rezept für den Abbau von Stress am Arbeitsplatz. (dvp)
Bundesbeschluss
zu Geldspielen
Gegen die Vorlage spricht sich nur die EVP aus. Sie stört sich daran, dass den Kantonen im Bereich der Glückspiele weiterhin eine mehrfache Rolle zukommt: «Sie bewilligen die Spiele, führen sie über ihre Beteiligung bei Swisslos oder Loterie Romande durch und profitieren von den Erträgen», erklärt EVP-Pressesprecher Niklaus Hari. Anstatt alles zu unternehmen, um die Spielsucht und ihre schädlichen Folgen einzudämmen, hätten die Kantone einen Anreiz, möglichst viele Spiele zu bewilligen. Generell sieht die Verfassungsbestimmung vor, dass die Kantone durch Gesetze und Aufsichtsmassnahmen einen angemessenen Schutz vor Spielsucht anbieten müssen. Wie dieser Schutz aussehen könnte, legt der Bundesrat in seiner Botschaft zum Gegenentwurf indes nicht dar. (dav)
Buchpreisbindung
Gegen das Gesetz über die Buchpreisbindung haben die Jungparteien von FDP und SVP sowie die Piratenpartei das Referendum ergriffen. Unterstützt werden sie von der Migros-Buchhandlung Ex Libris. Auch die Grünliberalen und die BDP lehnen die Buchpreisbindung ab. Die Wiedereinführung des Preisdiktats sei konsumentenfeindlich und fördere den Einkaufstourismus, argumentieren sie. Überdies würden vor allem ausländische Grossverlage von den Einheitspreisen profitieren, da 80 Prozent der hierzulande verkauften Bücher aus dem Ausland importiert würden. Die Gegner der Preisbindung bezweifeln auch, dass sich ausländische Online-Anbieter wie Amazon an die Preisvorgaben halten werden. (dvp)
Bausparinitiative
|
Gegen die Initiative sind der Bundesrat und die Kantone sowie SP, Grüne, GLP und der Mieterverband. Sie argumentieren, dass von Steuerabzügen vor allem Besserverdienende profitierten. Leute mit durchschnittlichen Einkommen könnten nicht mehrere Tausend Franken pro Jahr auf ein Bausparkonto einzahlen. Bereits heute werde der Eigenheimerwerb staatlich gefördert. So könnten Gelder aus der steuerbegünstigten Säule 3a und Gelder der 2. Säule für den Eigenheimerwerb eingesetzt werden. Die Kantone befürchten zudem grosse Steuerausfälle. Selbst wenn es den Kantonen überlassen sei, ob sie Bausparabzüge einführten, entstehe bei Annahme der Initiative ein Druck zur Einführung des Bausparens. (br) |
Dossiers
Artikel zum Thema
Erstellt: 10.03.2012, 21:15 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
2 Kommentare
Da wir mittlerweile schon eine schier unüberblickbare Anzahl von Gesetzen haben, bin ich fast gegen alle neuen Gesetze und Einschränkungen der freien Marktwirtschaft. Aus diesem Grund stimme ich 5x NEIN. Bei jeder Abstimmung über ein neues Gesetz sollten gleichzeitig mindestens 2 alte Gesetze ausser Kraft gesetzt werden. Antworten

Bitte warten



