Zürich hielt Studie zur Zuwanderung zurück

Vier von fünf Zuzügern sind keine Fachkräfte, wie eine Studie zeigt. Das zuständige Amt wartete mit der Publikation. Es wusste um die politische Brisanz.

Es kommen nicht nur Fachkräfte nach Zürich: Ärzte im Spital Hirslanden.

Es kommen nicht nur Fachkräfte nach Zürich: Ärzte im Spital Hirslanden. Bild: Gaetan Bally/Keystone

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Das Verdikt des Zürcher Amts für Wirtschaft (AWA) ist deutlich: Vier von fünf Arbeitnehmern, die in die Schweiz ziehen, sind keine dringend benötigten Fachkräfte. Dies zeigt eine bisher unveröffentlichte Untersuchung zur Situation in der ganzen Schweiz, wie die «NZZ am Sonntag» berichtete. Die Erkenntnis ist durchaus brisant, da der Ständerat ab morgen das Gesetz zur Umsetzung der Zuwanderungsinitiative und einen allfälligen Inländervorrang berät.

Die Studie des AWA, welche diese Resultate hervorgebracht hat, war in zwei Teile aufgeteilt. Den ersten Teil, der einen neuen Fachkräftemangel-Indikator beinhaltete, veröffentlichte das Amt ungefragt. Beim zweiten zögerte es. Weshalb das AWA so vorgegangen ist, erklärt Lucie Hribal, Leiterin Kommunikation des AWA, gegenüber der NZZ mit dem Verlauf der nationalen Debatte. Die Diskussionen um einen Inländervorrang seien damals noch nicht weit genug fortgeschritten gewesen. «Uns war klar, dass der Befund, nur 20 Prozent der Ausländer arbeiteten in Berufen mit Fachkräftemangel, einer weiteren differenzierten Betrachtung bedarf, aber politisch von Vertretern harter Zuwanderungsbeschränkungen undifferenziert ausgelegt würde.» Dass dieses Vorgehen Fragen aufwerfen könnte, war sich das Amt laut Hribal bewusst.

Zürich ist überdurchschnittlich

Die Studie enthält auch detaillierte Informationen über die Lage der Zuwanderung in Zürich. Die Zahl der Zuwanderer, die in Zürich in einem sogenannten Mangelberuf arbeiten, liegt etwas höher als im Schweizer Durchschnitt: 22,3 Prozent gegenüber 19,8 Prozent. Der Kanton Zürich vereint zudem knapp 20 Prozent aller Arbeitsstellen, die einen Fachkräftemangel ausweisen, wobei nur 18,6 Prozent aller Arbeitskräfte im Kanton arbeiten.

Einen hohen Mangel weisen akademische und techniknahe Berufe auf: Ärzte, Ingenieure, Software-Entwickler. Im Gegensatz dazu stehen beispielsweise Berufe wie Drucker oder allgemeine Bürokräfte.

Die Studie analysierte die zugewanderten Arbeitnehmer und Grenzgänger zwischen 2007 und 2014. Fast ein Viertel aller Zuwanderer arbeitete in diesem Zeitraum im Kanton Zürich. Zum Vergleich: Der Anteil im Aargau betrug nur 5,7 Prozent. Das zeigt, wie stark die Werte variieren. (sip)

Erstellt: 29.11.2016, 10:51 Uhr

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