Schweiz

Zwei Schwergewichte im Duell

Stadtpräsident Hans Stöckli und Christoph Blocher lieferten sich in Biel einen verbalen Schlagabtausch. Dabei boten sie die vom Publikum erwartete Politshow. Der Alt-Bundesrat glänzte als gewiefter Rhetoriker.

Faustkampf. Christoph Blocher trumpft beim Bieler Podium mit schlagkräftiger Rhetorik auf.

Adrian Streun/bt

Fingerfertig. Stadtpräsident Hans Stöckli hatte zwar ein Heimspiel, musste sich aber mit Händen und Füssen wehren.

Fingerfertig. Stadtpräsident Hans Stöckli hatte zwar ein Heimspiel, musste sich aber mit Händen und Füssen wehren. (Bild: Adrian Streun)

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Die Erwartungen am Mittwochabend waren gross im «Le Pavillon» in Biel. Die Spannung im Saal war spürbar. Gut 250 Interessierte folgten der Einladung der Bieler SVP und wollten die beiden Politiker im Duell sehen. Pünktlich betraten diese das Podium: Auf der linken Seite Alt-Bundesrat und SVP-Vizepräsident Christoph Blocher, auf der rechten Seite der SP-Nationalrat und Bieler Stadtpräsident Hans Stöckli. Als Ringrichterin und Moderatorin wirkte die Chefredaktorin des «Bieler Tagblatts», Catherine Duttweiler.

Gleich von Beginn an kämpften die beiden mit harten Bandagen, was vom Publikum mit Applaus honoriert oder Zwischenrufen bestraft wurde. Dabei erschien der Inhalt des Gesprächs als eher zweitrangig.

«Auch Linke sind Patrioten»

Ob Blocher die Abspaltung der BDP von der SVP bedaure, fragte die Moderatorin zum Einstieg. Für ihn sei es eine Scheidung gewesen, die für seine Partei positiv verlaufen sei, antwortete dieser. «Wir haben heute einen Bundesrat, der nicht nur das Etikett SVP trägt, sondern ein echter Vertreter der Partei ist.» Auch müsse er den Seeländer Parteikollegen keine Wahlunterstützung leisten, denn für Blocher ist klar: «Wer für direkte Demokratie ist, der wählt SVP.» Blocher erntete Applaus für diese Aussage.

Ungeduldig ergriff Kontrahent Hans Stöckli das Wort: «Ich will der SVP nicht das Rütli überlassen – auch Linke sind Patrioten und lieben die Schweiz.» Dann folgte ein schneller Schlagabtausch, der die links-rechts-Pole deutlich zum Vorschein brachte. Noch war nicht ersichtlich, wer aus dem rhetorischen Gefecht als Sieger hervorgehen sollte. Die Meinungen im Publikum standen hingegen fest: verhaltener Applaus für den Nationalrat, tosender Beifall für den Alt-Bundesrat.

Streit ums Völkerrecht

Duttweiler lenkte die Diskussion zum Hauptthema Volksinitiative. Ab diesem Zeitpunkt gab es kein Halten mehr. Initiativen müssten sich unbedingt an zwingendes Völkerrecht halten und falls nicht, vom Parlament für ungültig erklärt werden, argumentierte Stöckli. Für Blocher ist das Völkerrecht hingegen von Fremden erdacht worden, und niemand dürfe ausländisches über Schweizer Recht stellen. «Wenn das Volk entschieden hat, ist die Diskussion beendet», fügt Blocher an. Stöckli wird lauter: «Entscheide des Volkes können nach einiger Zeit wieder umgekehrt werden.» Auch habe die direkte Demokratie das Völkerrecht mehrmals legitimiert – und das gebe es nur in der Schweiz und sonst nirgends.

Blocher-Krawatte für Stöckli

Blocher ärgerte sich über einen Punkt besonders: «Die SP will gewisse Initiativen gar nicht mehr zur Abstimmung zulassen.» Er riet Stöckli, einen besseren Abstimmungskampf zu führen. Stöckli entgegnete ihm: «Ich akzeptiere Volksentscheide immer, in Biel hatten wir unzählige während meiner Amtszeit.»

Nach über 90 Minuten rhetorischem Duell wurden die beiden Politiker langsam etwas müde und verloren sich in Details. Das Publikum verzieh zumindest dem Volkstribun das Abflauen der Diskussion. In der Fragerunde forderte ein Zuhörer Blocher auf, seine rote Krawatte dem Stadtpräsidenten als Zeichen der Versöhnung zu schenken – was dieser auch prompt tat.

Fazit: Inhaltlich konnte der Stadtpräsident dem Alt-Bundesrat problemlos Paroli bieten. Rhetorisch hingegen schaffte es Blocher einmal mehr, seinen durchaus hart kämpfenden Gegner zu bedrängen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.03.2010, 10:46 Uhr

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14 Kommentare

Franz Müller

19.03.2010, 17:35 Uhr
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@Martin Bertschinger: Wenn er so gut ist, warum muss er dann sein Ego über den BR stellen? Er ist doch einfach ein Eitler, der, um Teufel komm raus, in der Geschichte der Schweiz seinen Platz für die Ewigkeit festigen will. Er sagt doch immer wieder, wie wichtig er ist, dass er einen Auftrag hat. Wenn der Auftrag wichtiger gewesen wäre als seine Personen, wäre er heute noch im BR... Antworten


Andreas Bertschinger

19.03.2010, 16:42 Uhr
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@rainer gut: wenn unsere Bundesräte alle das Format hätten wie ein Blocher, wären wir ganz sicher nicht in so einer schlechten Position wie wir jetzt sind. Unsere Landesregierung hat leider überhaupt kein Rückgrat mehr, die hängen Ihr Fähnlein nur in den gerade blasenden Wind... Antworten


Franz Hauser

19.03.2010, 16:35 Uhr
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@rainer gut: Sie haben recht, Blocher ist, zwar grosse, aber Geschichte von gestern. Er kann sich nur darum so gut positionieren, weil er die Kosten der Versammlungen gerne übernimmt, damit seine Stimme in der Schweiz wahrgenommen wird. Die schriftliche Variante übernimmt Roger Köppel/Weltwoche. Geld regiert die Welt und Blocher regiert die Medien. Antworten


rainer gut

19.03.2010, 15:56 Uhr
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blocher - kann den namen nicht mehr hören. dieses blocher-theater muss doch irgendwann zum letzten kapitel kommen. immer wieder findet er neue schauplätze um sich als "grosser, abgewählter bundesrat" zeigen zu können. einfach nur peinlich. Antworten


Parizz Nico

19.03.2010, 15:00 Uhr
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Mittlerweile sollte auch der hinterletzte CH - Bürger begriffen haben dass die SP schon lange am Volkswillen vorbeipolitisiert. Anders sind die " Pilgerreisen " nach Brüssel nicht zu verstehen - und selbst BR Leuenberger hat uns kürzlich eingetrichert dass die CH unbedingt in der EU sein sollte. Dies zeigt doch klar, dass die SP den Volkswillen nicht mehr akzeptieren will. Antworten


hansruedi zürcher

19.03.2010, 14:22 Uhr
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Blocher ist halt doch einfach "der Beste", im Gegensatz zu den restlichen Bundesräten verbleichen diese neben ihm! Von Hr. Merz sieht man gar nichts mehr... Antworten


Peter Betschart

19.03.2010, 13:48 Uhr
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Jeder sollte wissen, dass der abgewählte BR Blocher ein genialer Rhetoriker ist. Stöckli ist nun wirklich kein Schwergewicht und konnte nur untergehen. Kopf hoch Herr Stöckli sie haben gegen einen der besten BR den wir je hatten eine Rededuell verloren nicht mehr und nicht weniger. Antworten


Otto Kunz-Torres

19.03.2010, 12:38 Uhr
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Als Showman ist Blocher einsame Spitze. Im Festsaal der Messe Basel wurde einst sogar bezahlt, um seine Sprüche zu hören. Scheinbar hat die SVP aber keine anderen Persönlichkeiten für den Wahlkampf. Schon anfangs Jahr griff die Berner SVP zur Eröffnung der Wahlkampagne in Aarberg auf Blocher zurück. Sollen die Berner nun SVP-Kandidaten wählen, welche selber ein Duell mit Hans Stöckli scheuen? Antworten


michele grüninger

19.03.2010, 12:20 Uhr
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blocher braucht die debatten. er zieht von stadt zu stadt, von dorf zu dorf, um seiner sucht zu frönen. es ist für ihn ein volkssport, nur braucht das volk keine wortverdreher. seit der abzockerinitiative ist für mich als klarer opportunist entlarvt. er glaubt immer noch, dass das volk ihn braucht. ich brauche weder ihn, noch seine rhetorik. Antworten


ruth leemann

19.03.2010, 12:18 Uhr
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Schweizer - Politiker sollten sich in erster Linie für und nicht gegen die Schweiz einsetzen - dass selbe gilt auch für dass ausländische Rech das nicht über dem Schweizer Recht stehen darf - die SVP erfüllt somit wiedermal das Soll, was man von der BDP nicht behaupten kann. Antworten


Hans-Christian Müller

19.03.2010, 12:07 Uhr
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@Aschi Oiram: Möchten Sie den interessierten, aber nicht teleblocher-orientierten nicht wenigstens einen offensichtlichen und bedeutungsvollen Widerspruch zur Kenntnis gebend? Ihr Votum hätte auf einen Schlag wesentlich mehr Gewicht. Antworten


Aschi Oiram

19.03.2010, 11:28 Uhr
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C.B. ist der beste Debatter der Schweiz. Seine Politik gleicht jedoch oft einem Slalomlauf. Frühere Aussagen werden dann umgekehrt, je nach Verlauf der Debatte oder der sondierten "Volksmeinung". Wenn man Teleblocher seit Anfang aufmerksam verfolgt, werden die Widersprüche klar. C.B. ist ein Opportunist ersten Ranges. Wie bei einem Wanderprediger, sollen die Leute ihm glauben, nicht selber denken. Antworten


Reto Barandun

19.03.2010, 11:25 Uhr
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Ich habe nicht gewusst, dass Hr. Stöckli ein politisches Schwergewicht ist. Auf mich hat er immer etwas unbeholfen gewirkt. Einfach immer schön nach dem Parteibuch. Antworten


Dennis Briechle

19.03.2010, 11:04 Uhr
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Hm, versucht sich Stöckli jetzt als Nachfolger von Leuenberger in Position zu bringen? 2012 wird er in Biel/Bienne voraussichtlich nicht mehr als Stadtpräsident antreten können wegen Amtszeitbeschränkung. Der Bieler Stöckli für den gebürtigen Bieler Leuenberger? Wieso nicht? ;) Antworten



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