Über diesen Meinungsforscher gehen die Meinungen auseinander
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«Die beste Offerte»
Zu Moritz Leuenbergers Vorwurf des Doppelmonopols sagt Edy Salmina, Präsident der SRG-Chefredaktorenkonferenz: «Die Auftragserteilung an Gfs Bern erfolgte aufgrund einer Ausschreibung unter den führenden Meinungsforschungsinstituten.» Die Gfs-Offerte sei insgesamt schlicht die Beste gewesen. «Darum können wir den Vorwurf des Monopols nicht nachvollziehen. Wäre es besser gewesen, die Diskrepanz zwischen der letzten Umfrage von Gfs und dem Ergebnis totzuschweigen? Offenheit war für uns eine journalistische Pflicht.»
Damit hatte niemand gerechnet: 57 Prozent der Schweizer Stimmbevölkerung sagten am vorletzten Sonntag Ja zur Minarett-Initiative. Selbst das Meinungsforschungsinstitut Gfs war erstaunt, hatte es doch im Vorfeld in seiner Meinungsumfrage eine Nein-Mehrheit von 53 Prozent prognostiziert.
Im Nachhinein stiess der Meinungs-Seismograph der Gfs auf Unverständnis. Nun regt sich sogar von prominenter Seite Kritik: Bundesrat Moritz Leuenberger hält die Umfrage der Gfs für «unprofessionell», weil die Befragten ausschliesslich via Festnetztelefon angefragt werden, wo doch heutzutage viele junge Wähler nur noch ein Handy besitzen. Christoph Mörgeli findet es ein Skandal, dass die SRG-Gebührenzahler solche Umfragen mitfinanzieren muss.
Longchamp kennt Kritik
Doch die Gfs Bern mit ihrem Aushängeschild und Chef Claude Longchamp wird nicht zum ersten Mal angegriffen. Der Mann mit der Fliege, der im Vorfeld von Abstimmungen und Wahlen Umfrage-Werte präsentiert, erste Hochrechnungen einschätzt und das Endresultat interpretiert, muss immer mal wieder Kritik einstecken: dafür, dass seine Prognose nicht eintraf. Oder dass er mit dem vorausgesagten Wählerzuwachs daneben lag.
Longchamp, selbst SP-Mann, beliefert ferner diejenigen Parteien, die dafür zahlen, mit seinen Daten und bietet ihnen eine Beratung an. Auch wenn sie sich politisch diametral gegenüberstehen. Viele sehen darin einen Interessenskonflikt. Vereinzelt beklagen sich Parteien, die Longchamps Dienste in Anspruch nahmen, sie seien von ihm mangelhaft beraten worden und machen ihn für eine verlorene Abstimmung verantwortlich.
Es verwirrt auch, dass er gleichzeitig als Datenlieferant und Kommentator auftritt. Moritz Leuenberger kritisierte in der Sonntagspresse dieses «Doppelmonopol». «Das ist eine politische Diskussion», entgegnet Gfs-Sprecher Lukas Golder. «Wir haben beschlossen, dazu vorerst keine Stellung zu nehmen.»
Auf Unsicherheit aufmerksam gemacht
Auch den Vorwurf der Fehlprognose will man beim Gfs nicht auf sich sitzen lassen: «Wir haben im Bericht klar darauf aufmerksam gemacht, dass der Ausgang der Abstimmung unsicher sei», sagt Golder. Nach wie vor sei es aussergewöhnlich, dass so viele Unentschiedene doch noch Ja gestimmt hätten.
«Wir bekommen aufs Dach, wenn Umfrage und Abstimmungsresultat weit auseinander liegen. Trotzdem kann das vorkommen. Manchmal ist es sogar zu erwarten», erklärt der Sprecher.
Bisher habe man aber seit 1998 nur in 4 von 53 untersuchten Fällen Meinungsverläufe beobachtet, die schwer erklärbar seien. Golder verspricht: «Wir bleiben nie stehen – weder methodisch, noch analytisch.»
Er macht auch geltend, dass das Gfs mit einem Vermittlungsproblem kämpfe. «Viele Zuschauer registrieren von uns nur die prognostizierte Zahl, vergessen aber, die Diskussion darüber ebenfalls zu berücksichtigen», so Golder.
Lukratives Geschäft
Dass das Gfs für vage Prognosen bezahlt wird, ist manchen Politikern und Gebührenzahlern ein Dorn im Auge. Die Kosten für eine Gfs-Umfrage wird auf 50'000 Franken geschätzt. Dazu kommen die Analysen und Hochrechnungen. Damit erzielt das Institut gemäss einem «Weltwoche»-Bericht von 2005 einen Jahresumsatz von rund 2,4 Millionen Franken.
Wie viel Geld das Geschäft mit der Meinungsforschung wirklich abwirft, ist unklar. Über bestehende Verträge sage man nichts, heisst es bei Gfs. Wenn schon müsse der Kunde Auskunft geben. Doch auch beim Schweizer Fernsehen, dem Hauptauftraggeber, gibt man sich zugeknöpft: «Vertragsverhältnisse sind bilaterale Verhältnisse», sagt Edy Salmina, Präsident der SRG-Chefredaktorenkonferenz.
Und weiter: «Die SRG-Chefredaktorenkonferenz arbeitet seit Jahren mit Gfs Bern gut zusammen. Eine ‹Zweitmeinung› bei einem anderen Institut einzuholen, erscheint wenig sinnvoll.» (bazonline.ch/Newsnetz)
Erstellt: 07.12.2009, 16:47 Uhr
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