Das Geschäft mit Autonummern brummt

VS 1 kostet über 160'000 Franken – was die Käufer der Schilder antreibt.

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Mit einem Preis von über 160'000 Franken wird VS 1 übermorgen zur teuersten Autonummer der Schweiz. Dann geht die Onlineauktion der Walliser Zulassungsbehörde zu Ende. Im Rennen um das begehrte Stück Metall sind noch die Nutzer «Matrans», «Didau» und «AA1960» – und es würde nicht erstaunen, wenn sie bis Dienstag noch ein paar Tausend Franken darauf legen. Andere kaufen sich mit dieser Summe schon fast einen Ferrari – oder zumindest einen gut ausgestatteten Porsche.

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VS 1 wird damit SG 1 und TI 10 als teuerste Autonummern der Schweiz ablösen. Letztere gingen für jeweils 135'000 Franken an den Mann. Mit Auktionen holen die Kantone das Maximum aus der Autoliebe ihrer zahlungskräftigen Bürger heraus. Eine ­Zusammenstellung der Praxis in allen 26 Ständen zeigt allerdings grosse Unterschiede. Die Nummer 1 beispielsweise ist längst nicht überall monetarisiert. In Zürich und Zug etwa ist sie einer Autogarage zugeteilt. In Bern, Genf und Freiburg kurven ­Taxis mit dem exklusiven Stück herum. BE 1 ist an einem brandneuen Tesla des Unternehmens Nova Taxi montiert, dem ältesten Taxibetrieb des Kantons. Im Aargau wiederum ist die Nummer 1 im Besitz der Kantonspolizei. Und LU 1 ist im Verkehrshaus Luzern ausgestellt.

Die teuersten Nummernschilder der Schweiz

Millionengeschäft in Zürich und Bern – kaum Einnahmen im Kanton Jura Doch nicht nur die Nummer 1 kann lukrativ sein, wie das Beispiel von TI 10 zeigt. Ebenfalls rund 130'000 Franken bezahlte eine Zürcher Firma, die mit exklusiven Autos handelt, für ZH 1000. Dieses Nummernschild tauchte später an verschiedenen teuren Wagen wieder auf, etwa an einem Mercedes- und an einem Chevrolet-Cabriolet. Der Kanton Graubünden wiederum verkaufte sein GR 8 für 111'000 Franken. Die Kombination steht im Englischen für «great». Und in Genf liess sich jemand – vermutlich ein James-Bond-Fan – die Nummer GE 700 007 immerhin 15'710 Franken kosten.

Anderswo läuft das Geschäft weniger gut. JU 2 beispielsweise, die teuerste Autonummer des Kantons Jura, brachte den Behörden in Delémont gerade mal 3500 Franken ein.

Mancherorts wurden die Einkünfte aus dem Verkauf der speziellen Nummernschilder zu einer festen Grösse im Budget. Im Kanton Zürich, dem Spitzenreiter, spülen die Verkäufe jährlich 2,5 Millionen Franken in die Staatskasse. In Bern und St. Gallen ist es etwas mehr als eine Million.

Lediglich acht Kantone haben noch nie eine Auktion durchgeführt. Die meisten von ihnen verlangen aber höhere Fixpreise – zwischen 200 und 10'000 Franken pro Spezialnummer. Als einziger hat bislang der Kanton Zug ganz auf die zusätzliche Einnahmequelle verzichtet. Aber auch das dürfte sich schon bald ändern. Die Behörden haben angekündigt, nächstes Jahr ihre erste Auktion durchzuführen. Meistens fliessen die Erlöse ins allgemeine Budget. Ausnahmen sind etwa der Kanton Schwyz, der das Geld für den Strassenunterhalt verwendet, oder der Kanton Tessin, der damit Sensibilisierungskampagnen für den Strassenverkehr finanziert.

Die Exzesse seien ein Zeichen von Narzissmus

Die Schweizer Beträge mögen hoch erscheinen – im internationalen Vergleich sind es Peanuts. Gemäss dem «Guinnessbuch der Rekorde» liess sich der Geschäftsmann Saeed Abdul Ghaffar Khori die Nummer 1 der Arabischen Emirate 2008 sage und schreibe 14,2 Millionen Dollar kosten. Nach dem Kauf verkündete er öffentlich, der Betrag sei in Relation zum Vermögen seiner Familie gar nicht mal so hoch. Das passt gut ins Bild, das Philip Jaffé von den Käufern der teuren Autonummern hat. Für den Psychologieprofessor der Universität Genf sind die Exzesse ein Zeichen von Narzissmus. In den angelsächsischen Staaten nenne man die speziellen Nummernschilder auch «vanity plates» – Schilder der Eitelkeit –, erklärt Jaffé. «Deren Käufer brauchen materielle und unnütze Dinge, um sich abzuheben und lebendig zu fühlen. Sie haben wohl einen Überlegenheitskomplex gegenüber den übrigen Autofahrern mit ihren anonymen Nummern.»

Paradoxerweise haben die meisten Schweizer die Abfrage ihrer speziellen Autonummern in den öffentlichen Halterregistern aber sperren lassen. Vielen ist zu viel Aufmerksamkeit dann offenbar doch nicht so geheuer. Eine Ausnahme ist der junge Besitzer der Schilder TG 5, TG 6 und TG 7, der auf Facebook seinen Lamborghini, seinen Ferrari und seinen BMW mit den drei Nummern zur Schau stellt. Die Nummer 5 allein hat ihn 80'000 Franken gekostet.

20 Fragen für die grüne SG-1-Plakette

Francesco Magistra, der Tessiner mit dem Schild TI 10, versteckt sich ebenfalls nicht. Im Gegensatz zum Thurgauer Autonarr hat er sein wertvolles Nummernschild aber an einen 14 Jahre alten Audi montiert – und dafür an der Auktion vor sechs Jahren überraschte Blicke geerntet. «Ich interessiere mich nicht für Autos», sagt Magistra. «Ich habe damals nicht an die Blicke der anderen gedacht. Ich wollte mich bloss ein bisschen amüsieren und etwas Verrücktes tun. Sie werden keinen Zweiten wie mich finden.»

Von all dem ist Benno Haslers Welt weit entfernt. Auch er ist im Besitz einer SG-1-Nummer. Es ist jedoch nicht die weisse 135'000-Franken-Plakette – sondern die grüne, die für landwirtschaftliche Fahrzeuge. Bauer Hasler hat dafür 20 Franken bezahlt. Er habe sie vor über 15 Jahren per Zufall erhalten, als er seinen zweiten Traktor immatrikulieren liess, erzählt er. Seither habe er mehrere Angebote von Sammlern landwirtschaftlicher Oldtimer bekommen – bis zu 2000 Franken –, aber immer abgelehnt. Der Altstätter Bauer ist stolz auf seine Nummer. «Aber ich würde niemals mehr als 100 Franken dafür ausgeben.» Er hat es nicht nötig. Für seinen dritten Traktor erhielt Hasler die grüne Nummer SG 303.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 11.03.2017, 22:27 Uhr

Nummern werden knapp

Viele Kantone haben ihre speziellsten Nummernschilder in den letzten Jahren bereits unter die Autofahrer gebracht – und stehen nun vor dem Problem, nicht mehr so viel Nachschub für künftige Einnahmen zu haben. Beispiel Zürich: «Ab dem 23. Februar 2017 versteigert das Strassenverkehrsamt des Kantons Zürich nur noch einmal pro Monat ein Autokontrollschild mit einer vierstelligen Nummer. Die Anpassung ist nötig, weil wir weniger dieser Schilder an Lager haben», steht auf der Website.

Eine innovative Lösung für das Problem hat der Kanton Waadt gefunden. Er hat ein A-la-carte-Angebot eingerichtet und damit letztes Jahr mehr als eine Million Franken eingenommen – doppelt so viel wie zuvor. Das neue Portal, auf dem sich die Autofahrer ihre Nummer selbst aus­suchen können, habe die Verkäufe förmlich explodieren lassen, erklärt ein Sprecher.

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