«Die Fragen sind dermassen doof»

FDP-Ständerat Philipp Müller zur gescheiterten Einbürgerung einer jungen Türkin. Er glaubt, dass ihr Rekurs gute Chancen habe.

«Kein Vorzeigebeispiel»: Philipp Müller kritisiert das Einbürgerungsprozedere der Gemeinde Buchs.

«Kein Vorzeigebeispiel»: Philipp Müller kritisiert das Einbürgerungsprozedere der Gemeinde Buchs. Bild: Marcel Bieri/Keystone

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«Mir kommt das wie ein Slapstick vor», sagt der Aargauer FDP-Ständerat Philipp Müller der SonntagsZeitung zur abgelehnten Einbürgerung der 25-jährigen Türkin Funda Yilmaz aus Buchs. Den schriftlichen Staatskundetest bestand die Tiefbauzeichnerin fehlerlos. Trotzdem lehnte der Einwohnerrat ihr Einbürgerungsgesuch mit 20:12 Stimmen ab. Yilmaz kenne die Themen der vergangenen Abstimmungen nicht und könne nur Migros und Aldi nennen, Läden im Zentrum von Buchs kenne sie nicht.

Die Gesprächsprotokolle zum Einbürgerungsverfahren hat die «Schweizer Illustrierte» am Freitag veröffentlicht. Gelesen hat sie auch Philipp Müller. «In der Hälfte musste ich aufhören. Die Fragen, die da gestellt wurden, sind dermassen doof.» Das Buchser Einbürgerungsprozedere sei «sicher kein Vorzeigebeispiel».

«Regierungsrat wird sie warscheinlich einbürgern»

Was Müller stört: Es wurden Fragen gestellt, die für einen Einbürgerungsentscheid keine Relevanz hätten. «Es ist doch wurscht, ob sie in der Migros oder im Dorflädeli einkaufen geht.» Für eine Einbürgerung müssten ganz andere Fragen geprüft werden, sagt Müller. «Zum Beispiel, ob jemand Sozialleistungen bezieht, hoch verschuldet ist oder fundamentalistisches Gedankengut vertritt.»

Yilmaz gibt sich noch nicht geschlagen. Sie hat sich einen Anwalt genommen und Rekurs eingereicht. Philipp Müller rechnet mit guten Erfolgschancen. «Der Regierungsrat wird sie wahrscheinlich einbürgern. Man kann heute nicht mehr mit fadenscheinigen Gründen die Einbürgerung verweigern», sagt Müller. «Ich gehe davon aus, dass der Rekurs gutgeheissen wird.»

Übernommen aus der SonntagsZeitung, bearbeitet von baz.ch/Newsnet. (ij)

Erstellt: 16.07.2017, 16:31 Uhr

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