Moutier wendet sich vom Kanton Bern ab

2067:1930 Stimmen: Die Bevölkerung von Moutier hat entschieden, dass sie ihre Zukunft definitiv im Kanton Jura sieht.

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Moutier sieht seine Zukunft definitiv im Kanton Jura. Die Stimmberechtigten des bernjurassischen Städtchens haben sich heute mit 2067 Ja- zu 1930 Nein-Stimmen für einen Kantonswechsel ausgesprochen.

Die Mehrheit des Stimmvolks von Moutier bekräftigte damit ihr bereits 2013 an der Urne abgegebenes Bekenntnis zum Kanton Jura. Damals sprach sich Moutier als einzige Gemeinde im Berner Jura für das Zusammengehen der Region mit dem nördlichen Nachbarkanton aus, weshalb es heute nochmals über die Frage abstimmen durfte.

Voraussichtlich am 17. September werden noch die Gemeinden Sorvilier und Belprahon über einen allfälligen Wechsel zum Kanton Jura abstimmen. Definitiv beim Kanton Bern bleiben wollen die Gemeinden Grandval und Crémines. Sie hatten schon früher bekannt gegeben, ganz auf eine Abstimmung zu verzichten.

Jurassische Regierung im Freudentaumel

Nach dem Ja von Moutier zu einem Kantonswechsel hat die jurassische Regierung ihrer Freude freien Lauf gelassen. Die im Kantonshauptort Delsberg in einem Sitzungszimmer versammelten Mitglieder der Kantonsregierung sprangen bei der Bekanntgabe des Resultates von ihren Sesseln auf.

Sie freue sich darauf, die Einwohner von Moutier zu empfangen, sagte Regierungspräsidentin Nathalie Barthoulot der Nachrichtenagentur sda. Die jurassische Regierung wird nun in corpore nach Moutier fahren – zusammen mit dem Präsidenten und dem Vizepräsidenten des Kantonsparlamentes.

SP-Stadtrat Valentin Zuber vom Kommittee «Moutier – Ville Jurassienne» ist ob des Resultats begeistert. «Ich bin so glücklich, es ist unfassbar! So viele Leute gingen abstimmen und es zeigt mir: Sie wollen den Wechsel wirklich.» Es sei «ein Sieg für alle». Zuber sei zwar nervös gewesen, «aber tief im Herzen wusste ich, dass wir gewinnen»

Sommaruga: «Starkes Zeichen für unsere Demokratie»

Der Bundesrat zeigte sich «unabhängig vom Ausgang der Abstimmung» erfreut darüber, dass es möglich gewesen sei, den Entscheid zur Kantonszugehörigkeit Moutiers in einem demokratischen Prozess herbeizuführen.

Dass eine solche Abstimmung in Moutier überhaupt möglich war, sei ein Beweis für die Stärke der politischen Institutionen in der Schweiz, teilte der Bundesrat mit. «Das ist ein starkes Zeichen für unsere Demokratie und den Zusammenhalt unseres Landes», wird Justizministerin Simonetta Sommaruga zitiert.

Proberner glaubten zuerst an Sieg

Unmittelbar nach Bekanntgabe des Resultats glaubten die Proberner in Moutier zuerst an einen Sieg. Sie skandierten «on a gagné, on a gagné!» («Wir haben gewonnen») – bis ein Mann durch die Versammlungshalle lief und sagte: «Wir haben verloren!»

Danach machte sich Ernüchterung breit im Forum de l'Arc am südwestlichen Ortsausgang von Moutier, wo sich die Berntreuen versammelt hatten. Pascal Tobler, Sprecher der probernischen Jugendorganisation «Sangliers», konnte das Resultat kaum fassen, als er es nach chaotischen Momenten endlich sah. Er sagte, das sei eine Katastrophe und schlecht für Moutier: Er gehe davon aus, dass das Spital geschlossen werde, die Feuerwehr weggehen und alles, was man in der Schule aufgebaut habe, werde zerbrechen. Es sei nicht geplant, dass die Sangliers sich noch am Sonntag träfen, sagte Tobler weiter. Es seien keine Aktionen geplant und für ihn sei die Jurafrage nun gelöst.

Wechsel nicht von heute auf morgen

Bis der Kantonswechsel von Moutier – und allfällig weiteren Gemeinden – vollzogen ist, wird es aber noch etwas dauern. Die Regierungen der beiden Kantonen werden ein entsprechendes Prozedere einleiten. Die interkantonale Vereinbarung muss dann noch vom Stimmvolk beider Kantone verabschiedet werden, bevor die Bundesversammlung grünes Licht gibt.

Im Kanton Jura wird Moutier dannzumal zweitgrösste Stadt sein – nach dem 10 Kilometer entfernten Hauptort Delsberg. Die jurassische Kantonsregierung hatte im Vorfeld der Abstimmung versprochen, Verwaltungsstellen in Moutier anzusiedeln und das dortige Spital zu erhalten.

Kanton Jura will sich intensiv um Moutier kümmern

Der Kanton Jura will dafür sorgen, dass sich die Lage von Moutier gegenüber heute verbessern wird. Das hat die jurassische Regierung im Vorfeld der Abstimmung mehrmals betont. So soll Moutier zu einem «städtischen Zentrum von kantonalem Interesse» erklärt werden. Moutier soll 7 der 60 Sitze im Kantonsparlament stellen und 172 Beamtenstellen erhalten.

In Moutier will der Kanton Jura zudem Teile seiner Verwaltung ansiedeln, darunter die Steuerverwaltung, die Finanzkontrolle, die Informatikdienste, das Jugendgericht und die Dienststelle für Sport. Auch ein Posten der jurassischen Kantonspolizei soll eröffnet werden.

Durch den Kantonswechsel sollen den Bewohnerinnen und Bewohnern von Moutier keine finanziellen Nachteile erwachsen. So sollen Dienstleistungen der Verwaltung vereinfacht und gratis sein, beispielsweise der Wechsel der Fahrzeug-Kontrollschilder. (oli/nag/sda)

Erstellt: 18.06.2017, 13:19 Uhr

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