«Oskar Freysinger zahlt den Preis für seine diversen Skandale»

Christophe Darbellay (CVP) hat die Staatsratswahlen nur im ersten Wahlgang dominiert. Warum er trotzdem zufrieden ist – und was er zu Oskar Freysingers Abwahl sagt.

Freut sich sichtlich: Christophe Darbellay und seine Mutter feiern den Wahlsieg. (19.03.2017)

Freut sich sichtlich: Christophe Darbellay und seine Mutter feiern den Wahlsieg. (19.03.2017) Bild: Olivier Maire/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sie entschieden den ersten Wahlgang klar für sich. Im zweiten Wahlgang haben sie nun aber nur das drittbeste Resultat erreicht. Enttäuscht Sie das?
Wegen der Kantonsverfassung war ich ja bereits gewählt. Unsere Verfassung verlangt, dass mindestens ein Staatsrat das Unter-, einer das Mittel- und einer das Oberwallis vertritt. Weil ich als einziger Kandidat aus dem Unterwallis überigblieb, hätte mir bereits eine einzige Stimme zur Wahl genügt. Unter diesen Umständen stehen die Leute nicht am Sonntagmorgen früh auf, um für einen zu stimmen. Darum sagte ich meiner Frau heute Morgen noch: «Mit dem drittbesten Ergebnis wäre ich zufrieden.» Und das habe ich nun erreicht. Dass nochmals 54 000 Wählerinnen und Wähler für mich stimmen, ist eine Bestätigung meines guten Abschneidens im ersten Wahlgang.

Das Ziel Ihrer Partei war die Abwahl von SVP-Staatsrat Oskar Freysinger. Auch Sie haben sich gegen Freysinger ausgesprochen.
Das Volk hat gesprochen. Die Botschaft ist klar: Wir wollen keine Politik wie sie derzeit die USA erlebt. Die Abwahl tut mir leid für den Menschen Oskar Freysinger...

...aber nicht für den Politiker Freysinger.
Hinter jedem Politiker steht ein Mensch, aber Freysinger hat voll auf den Mann gespielt. Er zahlt den Preis einer aggressiven Politik. Er zahlt aber auch für seine Beziehungen in undurchsichtige Kreise, für seine diversen Skandale und für seinen Plan, die Regierungsmehrheit mit einer konservativen Bewegung zu übernehmen. Das war ein monumentaler Fehler. Insgesamt war es ein schwieriger, kräftezehrender Wahlkampf. Fünf Monate hat er gedauert. Nun gibt es hoffentlich wieder mehr Respekt füreinander – im direkten Umgang wie auch in den sozialen Medien.

Nun wird es hoffentlich wieder mehr Respekt geben füreinander.Christophe Darbellay, CVP

Sie wurden auch wegen Ihres Privatlebens attackiert. So tauchten zwischen dem ersten und dem zweiten Wahlgang plötzlich Plakate auf, wonach ihr Vater bei der kantonalen Landwirtschaftschule Geld abgezweigt haben soll.
Da hat jemand auf die engste Familienkreise abgezielt. Wir haben bei der Staatsanwaltschaft Anzeige eingereicht. Solche Dinge haben in der Walliser Politik nichts zu suchen. Solche Dinge passieren in Frankreich mit Le Pen oder in den USA mit Trump.

Sie haben nach dem ersten Wahlgang trotz der historischen Feindschaft zwischen CVP und FDP dazu aufgerufen, den Freisinn zu unterstützen.
Es ging um eine starke Regierung und darum, die kantonale Politik zu befrieden. Die CVP hat diese Botschaft verstanden.

Bilder: Freysinger bei Regierungswahl gescheitert

Mit Frédéric Favre ist die FDP wieder in der Regierung vertreten. Favre hat jedoch keinerlei politische Erfahrung. Sehen Sie darin eine Problem?
Ich sehe die Wahl von Frédéric Favre positiv. Er führte einen exzellenten Wahlkampf und ist fähig, auch im Sturm die Ruhe zu bewahren. 80 Prozent der Wählerschaft sind nun wieder in der Regierung vertreten. Es werden sehr kompetente und komplementäre Personen in der Regierung sitzen.

Wird Favre wegen der Wahlhilfe, die er von der CVP erhalten hat, bloss eine Marionette Ihrer Partei sein?
Nein. Er wird nicht der kleine Soldat sein, sondern einer der fünf Kapitäne dieser Regierung.

Sie haben bereits während des Wahlkampfs Anspruch auf das Bildungsdepartement erhoben und damit Bildungsdirektor Freysinger frontal angegriffen. Wollen Sie das Departement immer noch?
Das habe ich versprochen, und ich halte meine Versprechen.

Video: Freysinger «bös überrascht» nach dem ersten Wahlgang

Und was beanspruchen Sie darüber hinaus?
Ich habe immer gesagt, dass mich auch die Wirtschaft interessiert. Es ist wichtig, die Wirtschaft und die Bildung zu verbinden.

Warum?
Es geht darum, gute Arbeitsplätze zu schaffen und die Walliser Studierenden in den Kanton zurückzubringen. Das muss das Ziel sein. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.03.2017, 19:41 Uhr

Artikel zum Thema

Das Ende einer bizarren Karriere

Kommentar Aus und vorbei. Oskar Freysinger ist als Walliser Staatsrat abgewählt. Seine «konservative Revolution» ist gescheitert. Mehr...

Freysinger verpasst im Wallis die Wiederwahl

FDP verdrängt SVP: Oskar Freysinger verliert seinen Sitz in der Walliser Regierung an den 37-jährigen Quereinsteiger Frédéric Favre. Mehr...

Freysinger in Nöten

SVP-Staatsrat Oskar Freysinger steht vor der Abwahl aus der Walliser Regierung. Das beste Resultat im ersten Wahlgang erzielte sein grösster Widersacher Christophe Darbellay. Mehr...

Blog

Kommentare

Die Welt in Bildern

Ein Affe zwischen Schlangenstatuen: Ein Affe trinkt eine Flasche Milch, die ihm von einem Zuschauer des Hindu-Festivals Nag Panchami in Indien gegeben wurde. (27.Juli 2017)
(Bild: Abhishek N. Chinnappa) Mehr...