Umstrittener Fox-News-Gründer ist tot

Wegen Vorwürfen der sexuellen Belästigung hatte Roger Ailes als Chef des US-Nachrichtensenders Fox News zurücktreten müssen. Nun ist er 77-jährig gestorben.

Musste den Sender Fox News, den er jahrelang geführt und geprägt hatte, verlassen: Roger Ailes. (9. Februar 2015)

Musste den Sender Fox News, den er jahrelang geführt und geprägt hatte, verlassen: Roger Ailes. (9. Februar 2015) Bild: Charles Sykes/Keystone

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Der Gründer und langjährige Chef des konservativen US-Senders Fox News ist im Alter von 77 Jahren gestorben. Das teilten US-Medien mit Verweis auf Ailes' Ehefrau mit. Elizabeth Ailes erklärte: «Ich bin zutiefst betrübt und untröstlich, mitzuteilen, dass mein Ehemann Roger Ailes an diesem Morgen im Kreis seiner herrlichen Familie gestorben ist. Roger war mein bester Freund, der wundervollste, liebende Ehemann und Vater unseres Sohnes Zachary.»

Roger Ailes hatte Fox News zum erfolgreichsten Kabelfernsehsender des Landes gemacht. Einst war er als Medienberater für die republikanischen Präsidenten Richard Nixon, Ronald Reagan und George H.W. Bush tätig gewesen. Anschliessend richtete er sein Hauptaugenmerk auf das Betreiben von Fernsehnetzwerken und liess sich 1996 auf Bitten des Medienmoguls Rupert Murdoch darauf ein, einen Nachrichtensender aufzubauen, der es mit dem Platzhirsch CNN aufnehmen konnte.

Fox News ist heute vor allem deshalb über die Grenzen der USA hinaus bekannt, weil sich US-Präsident Donald Trump in seinen Äusserungen auf Twitter häufig auf Senderangaben beruft oder auf Fox-Programme verweist. Als Chef des Haussenders der republikanischen Partei hatte Roger Ailes politischen Einfluss wie kein anderer Medienmanager erlangt. Nach Anschuldigungen von Fox-News-Mitarbeiterinnen wegen sexueller Belästigung musste er im vergangenen Juli allerdings zurücktreten. Die frühere Moderatorin Gretchen Carlson hatte eine Klage gegen ihren ehemaligen Chef eingereicht. Später beriet Ailes Donald Trump im Wahlkampf um das US-Präsidentenamt.

Porträt

baz.ch/Newsnet veröffentlichte vor drei Jahren folgendes Porträt über Roger Ailes anlässlich einer damals neu erschienenen Biografie über den umstrittenen Medienmacher.

Er hat sie plattgemacht. Seit 2009 hat kein Nachrichtensender in den USA mehr Zuschauer, der Gewinn betrug jährlich Hunderte Millionen Dollar. Fox News ist heute das wichtigste Sprachrohr der Konservativen, der Turboliberalen und der Rechtsextremen Amerikas. Hinter dem Sender steht ein Mann: Roger Ailes. Er hat Fox News 1996 gegründet und ist bis heute oberster Chef.

Was hebt Ailes heraus? Was treibt den bleichen, kahlen, beleibten 73-Jährigen noch immer an? Gabriel Sherman, Journalist beim «New Yorker», suchte drei Jahre nach Antworten. Ailes selber gab ihm keine Auskunft, dafür Bekannte, Freunde, Feinde. Dieser Tage veröffentlichte Sherman «The Loudest Voice in the Room», seine 538-seitige Ailes-Biografie. Ailes sei von einem einzigen Gefühl angetrieben, erklärt Sherman – der Überzeugung, ein Underdog zu sein. Aus diesem Gefühl erwüchsen seine berüchtigte Aggressivität und seine Bereitschaft, schneller als andere aufs Ganze zu gehen.

Sein Vater brach das Versprechen

«Er war früh geprägt vom Wissen, stärker kämpfen zu müssen als andere», sagt Sherman. Ailes ist ein Bluter und musste als Kind deswegen immer wieder ins Spital. Hart war die Kindheit, die er im Bundesstaat Ohio im Nordosten der USA verbrachte, auch wegen der Eltern. Sein Vater, ein frustrierter Fabrikarbeiter, soll ihn einst ermuntert haben, vom Hochbett in seine Arme zu springen. Er werde ihn auffangen, versprach der Vater – um darauf dem springenden Roger absichtlich auszuweichen. «Traue niemandem», habe der Vater danach bloss gesagt. Diese Anekdote erzählt Ailes' Bruder in Shermans Buch.

An der Ohio University holte sich Ailes 1962 seinen einzigen akademischen Abschluss, einen Bachelor in Medienwissenschaften. Auch als Student pflegte er die Attitüde des Aussenseiters. «Meine erste wirklich gute Entscheidung war es, jede Studentenparty zu meiden und nicht an die Journalistenschule der New Yorker Columbia University zu gehen», sagte Ailes später.

Stattdessen heuerte er im Wahlkampfteam von Richard Nixon an. «Wie ärgerlich, dass ein Mann von einem Spielzeug wie dem Fernseher abhängig ist», sagte Nixon zu Ailes. Ailes sagte darauf zum Politiker, der 1960 im TV-Duell gegen John F. Kennedy so unvorteilhaft ausgesehen hatte: «TV ist kein Spielzeug. Jeder, der denkt, es sei ein Spielzeug, verliert.»

Seine Moderatoren wüten

Ailes blieb den Republikanern treu, während er in der Fernsehbranche Karriere machte. Als Ronald Reagan und George Bush senior fürs Weisse Haus kandidierten, spielte er in deren Kampagnen eine zentrale Rolle. Ailes produzierte Werbespots und beriet die Kandidaten vor TV-Auftritten.

1996 beauftragte ihn Rupert Murdoch mit dem Aufbau von Fox News. Ailes impfte dem Sender sein Underdog-Gefühl ein. Das wichtigste Dogma von Fox News war von Beginn an der Kampf gegen eine angebliche linke Medienübermacht. Und so wüten seine Moderatoren, die Ailes fast alle persönlich ausgewählt hat, unvermindert gegen den «linken Mainstream» – obwohl Fox News die ausgemergelte, kaum als links zu bezeichnende Konkurrenz längst distanziert hat.

Als sein einziger grosser Gegner bleibt Barack Obama, dessen Wiederwahl Ailes nicht verhindern konnte. Sein Ziel sei es, den nächsten Präsidenten zu bestimmen, soll er bei einem Treffen mit Republikanern gesagt haben. Sollte ihm das gelingen, glaubte er wohl nicht einmal mehr selber an den Underdog Roger Ailes.

(Linus Schöpfer, erschienen am 30. Januar 2014)

(thu)

Erstellt: 18.05.2017, 15:44 Uhr

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