Umweltschützer gegen Energiewende

Umwelt-Komitee befürchtet den Bau von 1000 Windturbinen – und das Aussterben von Tierarten.

Ein Bild, das bei vielen Umweltschützern Albträume auslöst: Windräder im dicht besiedelten Raum (hier in Deutschland).

Ein Bild, das bei vielen Umweltschützern Albträume auslöst: Windräder im dicht besiedelten Raum (hier in Deutschland).

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Die Energiestrategie 2050 wird von den Befürwortern und von Bundesrätin Doris Leuthard als gut für die Umwelt dargestellt. Jetzt kämpft ein «Umwelt-­Komitee» mit bekannten Namen gegen die Energiewende und wirbt für ein Nein zur Vorlage, über die am 21. Mai abgestimmt wird.

Das Aushängeschild des Komitees ist Philippe Roch, früherer Direktor des World Wildlife Fund (WWF) und ehemaliger Direktor des Bundesamtes für Umwelt. «Eine Energiestrategie gegen die Natur wird niemals erfolgreich sein», sagt Roch. Er kritisiert vor allem den vorgesehenen Ausbau der Windenergie. Die sei «teuer», «gefährlich» und «wenig effizient». Das sei die zentrale Botschaft des Komitees, ergänzte Kampagnenleiter Elias Meier an der gestrigen Pressekonferenz in Bern.

«Verschandelung der Schweiz»

Die Vorlage, so Meier weiter, schwäche den Natur- und Landschaftsschutz. Die Einsprachemöglichkeiten von Schutzorganisationen oder Anwohnern würden stark eingeschränkt, insbesondere der Zugang zum Bundesgericht. Das Gesetz gewichte die Produktion von Energie automatisch höher als Natur und Landschaft, auch wenn es sich um ein eigentlich geschütztes Gebiet handle. Ob mit einem Projekt tatsächlich sinnvoll Strom produziert werde, spiele dabei nicht einmal eine Rolle. Damit könnten beispielsweise Windturbinen gegen den Widerstand der Bevölkerung aufgestellt werden, auch in den letzten noch nicht verschandelten Landschaften der Schweiz. «Wälder, Feuchtgebiete, Hügelkuppen: Die Energiestrategie ist ein Freipass für eine umweltschädliche Technologie», so Meier.

Die Werke bräuchten nämlich breite Zufahrtswege und bedeuteten zusätz- liche Zersiedelung und eine Gefahr für das Trinkwasser. Windräder töten selbst nach der zurückhaltenden Berechnung des Bundesamtes für Energie (BFE) mehr als zwanzig Vögel pro Jahr, da- runter viele grosse Raubvögel und Fledermausarten, die eigentlich geschützt oder gar auf der roten Liste der gefährdeten Arten stehen. Die Energiestrategie gefährde die Biodiversität. Der Doyen der Schweizer Vogelkundler, der Berner Professor Urs Glutz von Blotzheim, sagt deshalb, es sei «hochgradig unehrlich» vom Bundesrat und den Befürwortern im Rahmen der Biodiversitätsstrategie den Schutz von Arten und Lebensräumen zu fordern und gleichzeitig mit der Energiestrategie das Gegenteil zu bewirken. In Deutschland würden jedes Jahr 12 000 Mäusebussarde, ein Zehntel des Bestandes, von Windrädern erschlagen.

Gefahr für Mensch und Tier

«Für die veranschlagte Leistung sind bis 2050 rund 1000 Windturbinen mit 200 Meter Höhe nötig», sagte Meier. Und das in einem Land, das für die Windenergie gar nicht geeignet sei. Im Winter sei zudem die Eisbildung auf den Rotorblättern eine Gefahr für Menschen und Tiere, so dass ganze Gebiete gesperrt werden müssten. Auf dem Mont Crosin, wo bereits mehrere Windturbinen installiert sind, habe man die Langlaufloipe verlegen müssen, damit niemand vom «Eiswurf» erschlagen werde. Die Vibra­tionen und der Lärm der Turbinen führe im Umkreis von fünf Kilometern zu Schlafstörungen und Depressionen. Dies unterstrich Jean Daniel Tschan, ein Anwohner und Grossrat aus dem Jura. Er befürchtet, dass der ganze Jura mit Windturbinen zugestellt wird und beruft sich dabei ausgerechnet auf Bundesrätin Leuthard, die Ende März der Aargauer Zeitung sagte, weil den Deutschschweizern der Landschaftsschutz wichtig sei, «wollen sie solche Projekte lieber beim Nachbarn als vor ihrer Haustüre, in Gebieten wie im Jura hat es auch mehr Platz.»

Mit Antoinette de Weck, der ehemaligen Geschäftsführerin von Pro Natura Fribourg, und Hans Weiss, dem ehemaligen Geschäftsführer der Stiftung Landschaftsschutz sind auch zwei langjährige Kämpfer für Natur und Landschaft gegen die Energiestrategie. De Weck betonte mit Verweis auf die Windverhältnisse, in der Schweiz Windturbinen aufzustellen, sei «wie in der Sahara einen Staudamm zu bauen». Für Weiss geht es darum, den bestehenden Landschaftsschutz nicht aufzuweichen. Er sei für eine sparsame Nutzung von Energie, aber nicht auf Kosten einer intakten Landschaft. «Der Preis der Energiestrategie ist zu hoch und der Nutzen zu klein.»

Die Energiestrategie sei auch mit dem bestehenden Landschaftsschutz machbar. Bei einem Nein könne man die Vorlage genau gleich wieder bringen, einfach ohne die Einschränkung der Beschwerdemöglichkeiten. «Dann müssen einfach mehr Solarzellen gebaut werden», sagte Roch. Das sei sowieso effizienter. (Basler Zeitung)

Erstellt: 19.04.2017, 08:03 Uhr

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