«Weidel ist auch ein Flüchtling – ein Steuerflüchtling»

Die eben erst gekürte Spitzenkandidatin der AfD hat einen Wohnsitz in Biel. Für ihre politischen Gegner in Deutschland ist das ein gefundenes Fressen.

In Biel angemeldet: AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel am Parteitag in Köln. (23. April 2017)

In Biel angemeldet: AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel am Parteitag in Köln. (23. April 2017) Bild: Sascha Steinbach/EPA/Keystone

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In Deutschland verbreitete sich am Donnerstag die Neuigkeit vom schweizerischen Wohnsitz von Alice Weidel sehr schnell. In den sozialen Medien wurde die Nachricht meist hämisch kommentiert. «Die Alice Weidel gehört nicht zu Deutschland», kalauerte der ehemalige grüne Europa-Wahlkampfleiter und Kommunikationsberater Johannes Hillje auf Twitter.

«Alternative zu Deutschland», flachste ein Journalist der «Süddeutschen Zeitung» mit Bezug auf die Schweiz. Eine andere Twitternutzerin nannte Weidel eine «Teilzeit-Migrantin» und spielte damit auf die Einwanderungsfeindlichkeit der AfD an. Allerdings ist Weidel eine Kosmopolitin, die unter anderem sechs Jahre in China gelebt und gearbeitet hat und fliessend Mandarin spricht.

Wenig Unterstützung

Viele stellten die Frage, an welchem Ort die Unternehmensberaterin wohl ihr Einkommen versteuert. Ein sächsischer SPD-Politiker argwöhnte auf Twitter: «Ach nee, Steuervermeidung à la AfD – Alice Weidel ist auch ein Flüchtling. Ein Steuerflüchtling.»

Wo die Politikerin Steuern zahlt und ob sie neben dem schweizerischen noch einen Wohnsitz in Deutschland hat, ist allerdings bisher nicht bekannt. «Keinesfalls illegal, aber erklärungsbedürftig», nannte die Zusammenhänge ein Journalist von «Zeit online». Ein thüringischer Piratenpolitiker würde zudem gerne wissen, ob Weidel ihre Reisekosten «ab der Schweiz» oder ab Deutschland abrechnet.

Unterstützung für Weidel gab es bis am Donnerstagabend wenig. Eine Frau mit dem Nutzernamen «nichtdicht» schrieb auf Twitter schlicht: «Aha, jetzt will die Propagandapresse die auch fertigmachen.»

Stadtpräsident hätte «keine Freude» an politischen Aktivitäten

Auch Biels Stadtpräsident Erich Fehr (SP) zeigte sich überrascht, dass Weidel trotz ihres politischen Engagements in Deutschland in Biel angemeldet ist. Für sie gälten aber die gleichen Niederlassungsvorschriften wie für alle.

Weidel sei er bisher aber nicht bewusst begegnet, und es gebe auch keine Anzeichen, dass sie sich von Biel aus aktiv politisch betätigt habe, so Fehr. Täte sie dies, hätte der Stadtpräsident daran «keine Freude». Dies könnte aus seiner Sicht auch «heikel» sein. Er fügte zudem an, dass er die politischen Haltungen Weidels, die der AfD einen wirtschaftsliberalen, modernen Touch geben soll, ablehne.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.04.2017, 18:26 Uhr

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