SVP-Politiker treten bei Sektenguru auf

Der selbsternannte Prediger Ivo Sasek hat zweifelhafte Ansichten über Adolf Hitler und die Demokratie. Auch SVP-Politiker sind bei seinen Veranstaltungen aufgetreten.

Und «wenn das einer ist, der vom Rang eines Apostels ist?»: Ivo Sasek über Adolf Hitler. Das Kürzel AZK steht für die von ihm gegründete Anti-Zensur-Koalition.

Und «wenn das einer ist, der vom Rang eines Apostels ist?»: Ivo Sasek über Adolf Hitler. Das Kürzel AZK steht für die von ihm gegründete Anti-Zensur-Koalition. Bild: Screenshot SRF Rundschau

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Laienprediger Ivo Sasek stört sich am negativen öffentlichen Bild über Adolf Hitler und hält vergleichsweise wenig vom politischen System der Demokratie. Das offenbaren interne Reden-Mitschnitte, die die SRF-«Rundschau» jetzt öffentlich gemacht hat. Neben allerlei Esoterikern und bekannten Holocaust-Leugnern sprachen an Saseks Veranstaltungen auch einige namhafte SVP-Politiker.

Sasek, 60 Jahre alt, elffacher Vater und Vorsteher der sektenähnlichen Organischen Christus-Generation (OCG), gilt als Verschwörungstheoretiker. In der Schweiz und Deutschland soll er laut SRF bis zu 2000 Anhänger haben. Intern hält der Laienprediger mit Kritik am politischen System nicht zurück: Letzteres sieht er von einer «ekelhaften, tödlichen» Weltanschauung durchsetzt, die den «Gestank von pädophilen Perverslingen» verbreite.

Esoteriker, Holocaust-Leugner und SVP-Politiker

Zweifelhafte Ansichten offenbaren auch seine bisher nicht öffentlich bekannten Reden über Massenmörder Adolf Hitler. Die «Rundschau» zitiert Passagen aus einer Aufzeichnung, in der Sasek den Diktator in den «Rang eines Apostels» hebt.

Zu Gast bei Saseks Veranstaltungen waren auch namhafte SVP-Politiker, darunter der Aargauer Nationalrat Luzi Stamm, der Zürcher Alt-Nationalrat Ulrich Schlüer und No-Billag-Initiant Olivier Kessler. Problematisch finden die Politiker ihre Auftritte nicht.

Der ehemalige SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer sprach im Oktober 2016 bei einem Sasek-Kongress über die Schweiz und die EU. Auf Anfrage der Rundschau gibt er an, er habe durch den Auftritt Stimmberechtigte erreichen wollen. Ein persönlicher Kontakt zu Sasek bestehe aber nicht.

Treffen als Einzelpersonen

Luzi Stamm war im November 2015 bei Sasek zu Gast, sein Thema: Die Schweiz und die Einwanderung. Darüber – gibt Stamm auf Anfrage der «Rundschau» bekannt – spreche er gern überall und mit jedem. «Das bedeute aber nicht, dass er sich mit Äusserungen der Veranstalter identifiziere.» Eine Auffassung, die auch der dritte SVP-Redner im Bunde, Olivier Kessler, teilt. Der Co-Initiant der No-Billag-Initiative und spätere Nationalratskandidat der Jungen SVP Zürich trat im März 2015 beim Sektenvorsteher auf die Bühne.

Auf einer SVP-Tagung konfrontieren die Journalisten der «Rundschau» Parteipräsident Albert Rösti vor laufender Kamera mit der Thematik, bitten ihm um eine Stellungnahme – vergeblich. In einer späteren schriftlichen Stellungnahme heisst es dann: «Wir können mit Sicherheit sagen, dass die SVP diesem Herren in keiner Weise nahe steht. (...) Diese Treffen fanden als Einzelpersonen statt.»

Sasek selbst – das geht aus den Mitschnitten klar hervor – wünscht sich mehr Einfluss in der Tagespolitik. Mittlerweile habe die OCG in der Schweiz aber «politisch ziemlich deutlich Fuss gefasst».

(jdr)

Erstellt: 01.03.2017, 23:16 Uhr

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