Sport

Der FCZ ohne Durchschlagskraft

Von Ueli Kägi. Aktualisiert am 22.10.2009

Goalie Leoni war nicht fehlerfrei, aber schuldlos am Gegentor. Im Sturm fehlte die Qualität für ein Tor.

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Zürichs Silvan Aegerter (rechts) im Kampf gegen Marseilles Lucho Gonzalez.
Bild: Keystone

   

In Erinnerung waren die Gegentore gegen Real Madrid. Die Fehlgriffe von Leoni bei Ronaldos Freistössen am Premierenabend. In Erinnerung war aber auch Leonis heldenhafte Nacht beim 1:0-Sieg in Mailand. Gestern kehrte der Walliser für das zweite Champions-League-Heimspiel in den Letzigrund zurück. Was seine Mannschaft für den Sieg gegen Marseille benötigte, war ein fehlerloser Goalie als Rückhalt einer starken Defensive und eine von Vonlanthen inspirierte Offensive.

Am Tag vor dem Match hatte Leoni gesagt: «Ich hatte gegen Real einen schlechten Tag, ich werde mich steigern.» Oder: «Ich weiss, wohin Lucho Gonzalez und Cheyrou schiessen.» Es kam im Match die 3. Minute und der erste Schreckensmoment, weil Leoni einen Freistoss von Cheyrou nicht gut genug abwehren konnte und trotzdem nicht bestraft wurde. Es kamen danach viele Minuten ohne Ereignis und ohne einen Ball auf sein Tor. Es kam aber auch noch die 44. Minute mit Leonis hervorragender Abwehr gegen Brandão.

Leoni war jetzt der Goalie mit Sicherheit. Er war am 0:1 schuldlos. Stahel hatte sich den entscheidenden Stellungsfehler geleistet. Sie seien überrascht worden vom schnell ausgeführten Freistoss, sagte der Verteidiger später, «so etwas darf nicht passieren.» Von einem «unnötigen Gegentor» sprach Aegerter. «Wir haben nicht aufgepasst, deshalb ist jetzt auch der Ärger sehr gross, dass wir keinen Punkt gewinnen konnten.» Der FCZ konnte den Rückstand nicht korrigieren, weil er grosse Schwierigkeiten in der Offensive hatte. Vonlanthen konnte seine Qualitäten am Flügel nicht ausspielen, dafür fehlten ihm die Bälle, dafür fehlte es ihm an Unterstützung, dafür spielten die Zürcher im Ballbesitz zu ängstlich. Gegen vorne sei «gar nichts gegangen», stellte Aegerter fest. Die Zuspiele seien in der Spitze nie angekommen, Marseille habe die Räume geschickt eng gemacht.

47 Minuten benötigte Vonlanthen, um zum ersten Abschluss zu kommen - es war auch die erste FCZ-Chance überhaupt. Danach tat sich wenig, sehr wenig, bis Vonlanthens Arbeitstag in der 84. Minute zu Ende ging. Der Ertrag wurde ohne ihn und mit Abdi oder Nikci als späte Offensivvarianten nicht besser für den FCZ. Am Ende stürmte auch noch Tihinen mit. Es passte irgendwie zu diesem FCZ, dass der Verteidiger die Hoffnungen auf den Ausgleich noch am ehesten am Leben hielt mit seinem ungestümen Einsatz im Marseille-Strafraum. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.10.2009, 07:53 Uhr