Sport
Warum Wettbetrug so leicht ist
Von Sascha Rhyner. Aktualisiert am 23.11.2009
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Die Geschichte ist vom «Täter» in seiner Autobiographie gleich selber überliefert. Der englische Mittelfeldspieler Matthew Le Tissier gab zu 1995 im Spiel von Southampton gegen Wembley selber gewettet zu haben – auf den ersten Einwurf in der Partie in den ersten 60 Sekunden. Es ging immerhin um die stolze Summe von 10'000 Pfund.
«Alles lief nach Wunsch. Wir hatten Anstoss und ich kam gleich an den Ball und beschloss, lang nach links auf Neil Shipperley zu spielen. Weil das Spiel live im Fernsehen übertragen wurde, sollte das Ganze nicht zu offensichtlich sein. Deshalb habe ich nur knapp zu hoch gezielt», schreibt Le Tissier. Dieser war aber nicht eingeweiht und streckte sich nach Kräften und verhinderte den Einwurf.
178 Wett-Möglichkeiten für Man City - Liverpool
Es ist nur eine kleine Episode, die schliesslich dem Wettenden keinen Gewinn einbrachte. Es ist aber auch eine Episode, die verdeutlicht, wie im Fussball auf alles Mögliche und eben auch Unmögliche gewettet werden kann. William Hill bietet für die heutige Partie zwischen Manchester City und Liverpool neben dem richtigen Tipp 1, X oder 2 178 Zusatzwetten an. Sie haben richtig gelesen: 178!
An der Medienkonferenz gestern in Bochum liess die Staatsanwaltschaft nur ansatzweise durchblicken, dass es längst nicht nur um korrekte Resultattipps geht. Mindestens so lukrativ ist das Wetten auf den ersten Einwurf, den ersten Corner, die erste gelbe Karte, einen verschossenen Penalty oder auf Abstoss als erstes Ereignis.
Vorsicht wegen der TV-Kameras
Der Vorteil bei diesen Wetten ist evident: Der Kreis der involvierten Personen kann so klein wie möglich gehalten werden. Man biete einem Spieler nur einen gewissen Betrag, damit er zu Beginn des Spiels etwas aggressiver auftrete – respektive eben drauftrete – und setze entsprechend auf eine frühe gelbe Karte dieses Teams. Mit Quoten zwischen 1:1,5 und 1:2,62, wie sie im Spiel zwischen heute zwischen Manchester United und Everton sind, lässt sich bei einem entsprechenden Einsatz gutes Geld verdienen.
Wie Le Tissier angab, war er wegen der TV-Übertragung übervorsichtig. Auch deshalb sind die Spiele der untere Ligen, wo die Fernsehkameras nicht jede heikle Situation x-fach erfassen und in die weite Welt tragen, für die Wettbetrüger auch einladender. Auch für die morgige Cuppartie zwischen Winterthur und Thun kann auf Bwin gewettet werden. Wer davon ausgeht, dass beide Teams mindestens ein Tor schiessen, würde immerhin das 1,45-Fache seines Einsatzes wieder erhalten.
Das 26-Fache für einen verschossenen Penalty
Bei Bet365.com kann für die erwähnte Partie zwischen Man United und Everton unter anderem auch darauf gesetzt werden, dass die Mannschaften einen Penalty verwandeln oder eben auch verschiessen. Für einen verschossenen Elfmeter von Everton gäbe es immerhin das 26-Fache des Einsatzes zurück. Die Versuchung ist entsprechend gross. Und wie hiess es gestern auch an der Medienkonferenz: Rund die Hälfte aller vermeintlich manipulierten Wetten ging daneben.
Die ganz grossen Summen werden allerdings nach wie vor nicht auf diese Einzelereignisse gesetzt; Buchmacher nehmen sie auch nicht an. Bei den bisherigen Betrugsfällen haben die vermeintlichen Betrüger meistens auf ein korrektes Resultat, eine Tendenz des Spieles (Halbzeit-Resultat-Schlussresultat) oder auf den Vorsprung einer Mannschaft getippt. Wenig verwunderlich ist es so auch, dass in der Schweiz sechs Vorbereitungsspiele unter Manipulationsverdacht stehen.
(baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 23.11.2009, 10:56 Uhr
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